Münchner wollen Architektur-Schätze erhalten

... und hier verfällt eine Kapelle

Von außen ist nicht zu erkennen, dass in der St.-Martin- Kapelle der kostbare Stuck von der Decke bröckelt.

OBERGIESING Historische Gebäude in Gefahr: So engagiert sich München für seine Architektur-Schätze.

Sie ist ein sakraler Schatz, unbeachtet und verborgen mitten in Obergiesing: die Kapelle im St.

-Martin-Spital. „Die Stadt scheint diese Kirche komplett vergessen zu haben“, klagt die Vorsitzende des zuständigen Bezirksausschusses (BA), Carmen Dullinger-Oßwald (Foto rechts). „Die Kapelle ist wunderschön, verfällt aber immer mehr. Sie gehört dringend renoviert und endlich wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.“ Das haben in der Vergangenheit nicht nur BA-Mitglieder, sondern auch verschiedene Stadträte mehrfach gefordert. Bislang ohne Erfolg...

Die Kirche in St. Martin ist Teil des über 100 Jahre alten Spitals an

der Severinstraße, das heute von Münchenstift, der Volkshochschule und einer Kita genutzt wird. Seit dem Einzug des Seniorenheims 1988 ist die Kapelle verwaist, weder Münchenstift noch das Erzbischöfliche Ordinariat haben Bedarf für eine sakrale Nutzung. Zwischenzeitlich interessierte sich die griechisch-orthodoxe Gemeinde „Heiliger Georg“ für das Gotteshaus – doch auch dazu verliefen die Gespräche im Sande.

Die Kapelle sei ein „Problemfall unter den denkmalgeschützten Kirchen“, heißt es in einer Beschlussvorlage der Stadt zur Generalinstandsetzung des Gebäudekomplexes. Denn: Der sehr schlechte bauliche Zustand erlaubt einerseits keine Nutzung – andererseits ist eine Renovierung der Kirche allein nicht möglich. „Aufgrund einzuhaltender rechtlicher Vorgaben ist eine herausgelöste Sanierung eines Teils des Gebäudes nicht möglich, ohne gleichzeitig die Gesamtsanierung um Jahre nach hinten zu verschieben“, teilt das Kommunalreferat mit. Für dieses Unterfangen laufen derzeit die Planungen – es werde aber noch Jahre dauern, bis die Arbeiten beendet seinwerden. Bis dahin bröckelt weiter der Putz des feinen Stucks von der Decke. Dullinger-Oßwald hofft, dass die Stadt mit der Sanierung nicht zu lange wartet – und das hübsche Kleinod mit seinem prächtigen Altar und den bunten Glasfenstern irgendwann wieder für die Münchner geöffnet wird. „Zumindest für Hochzeiten oder andere Feste.“ ist

Thomas-Mann-Villa:

Prozess um einen Pool Von 1913 bis 1933 lebte Thomas Mann, der weltberühmte Schriftsteller, mit

Familie in der Thomas-Mann-Villa an der Poschingerstraße in Bogenhausen. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Villa zerstört, später sogar abgerissen. Sie steht aber wieder – die Traumvilla, über 1500 Quadratmeter Grundstück, in direkter Nähe die Isar. Ein Banker kaufte 2001 das Anwesen und ließ die Fassade originalgetreu wiederherstellen. Allerdings auch modern – mit Pool. Dagegen klagt ein Nachbar, der den Garten unverändert wissen will.

Paul-Heyse-Villa:

Zoff um Abrisspläne Die Paul-Heyse-Villa an der Luisenstraße unweit

des Lenbachhauses ist vom Abriss bedroht. 2007 wurde die Villa an Reinhard Zinkann verkauft, den Geschäftsführer des Haushaltsgeräteherstellers Miele. Zinkann plant, an der prominenten Stelle ein neues fünfstöckiges Wohn- und Geschäftshaus zu errichten. Da die Villa unter Denkmalschutz steht, gibt es Zoff: Der Investor bezweifelt den Denkmal-Charakter, das Gerichtsverfahren läuft.

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