Gegen Anonymität in der Großstadt

Sie bringen Leben ins neue Quartier

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Mara Roth (links) und Lisa Schäfer haben die Genossenschaft GeQo mitgegründet und eröffnen Mitte Januar ihr Büro im Prinz-Eugen-Park.

Oberföhring – Derzeit entsteht an der Jörg-Hube-Straße der Prinz-Eugen-Park – Eine Genossenschaft macht sich für das neue Viertel stark, vernetzt Bürger und verleiht Radl, Rasenmäher oder Räume

Es wird gebohrt, gehämmert, ein Presslufthammer rattert – während große Teile des Prinz-Eugen-Parks immer noch Baustelle sind (Hallo berichtete), planen die Bewohner ihr künftiges Zusammenleben schon lange. Und zwar ziemlich ausgetüftelt.

Der Prinz Eugen Park im Stadtviertel Bogenhausen umfasst eine Fläche von 30 Hektar und bietet somit Platz für 4000 Bewohner in 1800 Wohnungen.

„Von Bewohner für Bewohner“, sagt etwa Lisa Schäfer, die zusammen mit Mara Roth die Quartiersgenossenschaft GeQo gegründet hat. Seit mehr als einem Jahr arbeiten sie schon an der Genossenschaft – die inzwischen bundesweiten Vorbildcharakter hat. Über das Managment finden die Bewohner beinahe alles – von Babysitter, Bohrmaschine oder Schlitten bis zum Partyraum für den Kindergeburtstag. Lieber leihen statt kaufen lautet die Devise, deswegen werden dort künftig nicht nur E-Bikes, Lastenräder oder Autos geteilt, sondern eben auch Werkzeug und Rasenmäher. Auch Dienstleistungen sowie gemeinsame Feiern, Flohmärkte oder Ausstellungen will die Quartiersgenossenschaft organisieren.

Marco Höglinger hat ein Buchungssystem entwickelt, über das Bewohner wie Nachbarn per Mausklick Radl oder Partyraum reservieren können.

Damit jeder einfach die Angebote nutzen kann, hat Marco Höglinger eigens dafür ein Buchungssystem entwickelt, über das Bewohner wie Nachbarn per Mausklick Radl oder Partyraum reservieren können. „Es wird ein lebendiges Quartier“, ist Christian Stupka von der Stattbau München überzeugt. „Motivation steckt einer Genossenschaft sozusagen in den Genen“, sagt er und meint damit das Engagement, das viele künftige Bewohner jetzt schon einbringen. Stupka und Natalie Schaller leiten das Konsortium, das gewissenmaßen die Bauherren zusammenbringt, was ganze 21 sind: Genossenschaften, private Investoren, städtische und staatliche Wohnungsbaugesellschaften sowie Baugemeinschaften. Gemeinsam stemmen sie das Mammutprojekt, ein Viertel mit 1900 Wohnungen für 4500 Menschen zu schaffen. Die ersten 250 Wohnungen wurden in diesem Jahr bezogen, 2019 sollen weitere 850 fertig sein. Schon jetzt werden die Gemeinschaftsräume der ersten fertigen Häuser genutzt; etwa die GeQo hat hier schon vorrübergehend ein Büro bezogen, das ab Mitte Januar zwei Mal pro Woche geöffnet hat (Ruth-Drexel-Straße 154). Denn die Quartierszentrale am Maria-Nindl-Platz ist voraussichtlich erst Ende 2019 fertig gebaut. Dort soll auch ein Nachbarschaftscafé entstehen.

Weil das Quartiersmanagment ganz „ideale Voraussetzungen“ hat, fördert die Stadt es mit 165 000 Euro jährlich, wie der Stadtrat Ende Oktober beschlossen hatte. Damit ist ein Meilenstein für die Planer erreicht, den es etwa beim Domagkpark nicht gab.

Hanni Kinadeter

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