Bogenhausen auf Herz und Rampen geprüft

Unüberwindliches Hindernis: Der Einwurf beim Glascontainer stellt Rollstuhlfahrer vor große Probleme. Foto: privat

Drei Mädchen und sieben Jungen zwischen sechs und 14 Jahren aus dem Kindertreff Bogenhausen haben ihren Stadtteil mal aus einer ganz anderen Perspektive unter die Lupe genommen.

Zusammen mit dem Projekt „Auf Herz und Rampen prüfen“ des Kreisjugendring München-Stadt waren sie mit Rollstühlen, Augenbinden und Simulationsbrillen sowie Blindenlangstöcken unterwegs um zu testen, welche baulichen Gegebenheiten förderlich (Rampen, taktile Signale) und welche hinderlich (z. B. Stufen, großes Kopfsteinpflaster) sind. Die Kinder begannen am Scherfweg damit, ihren Stadtteil auf Barrierefreiheit zu überprüfen. Dieser darf von Autos nicht befahren werden und ist daher zur Gewöhnung an die neue Situation mit Rollstuhl oder Blindenlangstock sehr gut geeignet. Die Route Die Route führte weiter zur Buschingstraße. Hier wurden alltägliche Einrichtungen wie Glascontainer und Zeitungskästen von den Kindern getestet. Fazit: Der Einwurf bei Glascontainern ist für Rollstuhlfahrer – vor allem für Kinder mit kleineren Rollstühlen – unerreichbar, ebenso wie die Zeitungskästen vor dem Netto-Supermarkt, da diese nicht unterfahrbar sind. Außerdem stellten die Kinder fest, dass sowohl der Gehsteig an der Ecke der Beblostraße auf Höhe der Glascontainer als auch der Gehsteig an der Buschingstraße auf Höhe des Getränkemarkts nicht auf drei Zentimeter abgesenkt sind. Besonders schwierig Besonders schwierig war für die Kinder die Orientierung mit der Simulationsbrille, welche eine 10-prozentige Sehfähigkeit nachahmt: „Ich habe Angst gegen eine Laterne zu laufen, man sieht so schlecht!“, kommentierte ein 10-jähriges Mädchen. Getestet wurde außerdem ein Supermarkt an der Buschingstraße. Dieser kann allgemein als barrierefrei bezeichnet werden, da die Gänge breit genug für Rollstuhlfahrer sind. Die Sortierung der Lebensmittel lässt allerdings teilweise zu wünschen übrig, so stehen zum Beispiel Fertigprodukte mitten in der Obstabteilung, was das Einkaufen für Blinde sehr schwierig gestaltet. Testobjekt U-Bahn Nach dem Einkaufen wurde die U-Bahn Station Böhmerwaldplatz auf ihre Barrierefreiheit getestet, wobei die Kinder hilfreiche Informationen erhielten, z. B. wie das Leitsystem funktioniert oder wo sich der Notruf befindet, der auch auf einer gut erreichbaren Höhe für Rollstuhlfahrer angebracht ist. Neben dem Testen baulicher Gegebenheiten für Menschen mit Behinderung ist ein besonderes Ziel des Projekts „Auf Herz und Rampen prüfen“, bei den Kindern ein Bewusstsein zu schaffen, mit welchen Anforderungen Rollstuhlfahrer und blinde sowie sehbeeinträchtigte Menschen im Alltag umgehen müssen. Die Kinder des Kindertreffs Bogenhausen haben sich intensiv und ausdauernd am Stadtteilcheck beteiligt und konnten schnell ihre Berührungsängste mit den Betreuern mit und ohne Behinderung abbauen. Weitere Infos Weitere Informationen zum Stadtteilcheck in Bogenhausen und allgemein über das Projekt „Auf Herz und Rampen prüfen“ finden Interessierte auf der Homepage www.herz- undrampen.de. Bei Interesse am Projekt kann man unter herzundrampen@kjr-m.de Kontakt aufnehmen.

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