Bitten um einen Dialog ignoriert

Rund zwei Wochen ist es her, seit die Gläubigen von St. Klara erneut einen Bittgang ins Erzbischöfliche Ordinariat gemacht und den Verbleib von Pater Lutz Hübner in ihrer Gemeinde gefordert haben (HALLO berichtete). Kurz nach diesem Besuch stellte Ordinariats-Sprecher Winfried Röhmel eine Erklärung ins Internet, zu der sich Lutz Hübner nun gegenüber der HALLO-Redaktion äußerte.

Darf das Erzbischöfliche Ordinariat ohne Rücksicht auf Ruf und Ehre seiner priesterlichen „Zeitarbeiter“ in einer offiziellen Presseerklärung negative Aussagen über diese ins Internet stellen? Dem demokratie-gewohnten Bürger erscheint das ausgeschlossen. Das Ordinariat allerdings ist in dieser Hinsicht nicht zimperlich – am 1. Juli 2008 veröffentlichte Ordinariats-Sprecher Winfried Röhmel einen Text im Internet, den zumindest Pater Lutz Hübner nicht unkommentiert lassen möchte. In einem Aufwasch stellt Röhmel seine Sicht der Vorgänge um drei Pater dar, die ihre Kirchengemeinden verlassen sollen. Es sind die Pater Laurentius Wild, Pfarradministrator zweier Gemeinden im Landkreis Starnberg, Johannes Neudegger aus Hohenpeißenberg und Lutz Hübner von der Pfarrei St. Klara in Bogenhausen. Zwei der Pater seien wegen Schwierigkeiten mit ihrer Ordensgemeinschaft vom Erzbistum befristet übernommen worden, so Röhmel. Johannes Neudegger habe man wegen Unregelmäßigkeiten die Leitung der Kirchenverwaltung entzogen, alle drei Pater seien ihrer Aufgabe, die ihnen anvertrauten Gemeinden verantwortungsvoll zu leiten, nicht gerecht geworden. Für jeden zugänglich und zur Veröffentlichung gedacht, ist das auf der Ordinariats-Homepage zu lesen. Von Rufmord sprechen inzwischen Gläubige von St. Klara. Pater Lutz Hübner will obige Anschuldigungen nicht auf sich sitzen lassen und hat auf Anfrage der HALLO-Redaktion Stellung zur Veröffentlichung des Ordinariats genommen. Das schreibt Winfried Röhmel: Pater Lutz Hübner SDB (52) wurde als Pfarradministrator in der Pfarrei St. Klara im Münchner Stadtteil Bogenhausen eingesetzt. Dazu Pater Lutz Hübner: Pfarradministrator von St. Klara bin ich erst seit 1. Dezember 2007. Zuvor war ich priesterlicher Leiter der Seelsorge im Pfarrverband Bogenhausen-Süd und zwar vom 1. 9. 2006 bis 31. 8. 2007, verlängert bis 30. 9. 2007, dann nochmals bis 30. 11. 2007. Ich musste drei Pfarrer ersetzen, die aus unterschiedlichen Gründen relativ gleichzeitig weggingen. Mein Gestellungsvertrag war bis 2007 befristet mit der Option für 10 bis 15 Jahre. Als ich zum Pfarradministrator bestimmt wurde, wünschte mir Prälat Schwab (Personalreferent des Ordinariats, Anm. d. Red.) Glück und erklärte: „Ich bin zu 95 Prozent sicher, dass das schief geht!“ Das schreibt Winfried Röhmel: Pater Lutz Hübner hatte Schwierigkeiten und Konflikte mit seiner Ordensgemeinschaft. Dazu Pater Lutz Hübner: Wegen eines Hungerstreiks für die Rechte bolivianischer Schuhputzerkinder gab es politische Verwicklungen und ich musste im Jahr 2006 Bolivien verlassen. Mein Orden hat mir klar gemacht, dass es nicht meine Aufgabe ist, politisch tätig zu sein. Kaum war ich in München, war ich schon geistlicher Leiter des Pfarrverbands Bogenhausen-Süd. Anfangs war man sehr erfreut über meine Bereitschaft und ich habe die Aufgabe mit Begeisterung angenommen. Das schreibt Winfried Röhmel: Mit allen drei Ordenspriestern wurde in Gesprächen ausdrücklich vereinbart, dass sie zum 31. August 2008 aus dem Dienst des Erzbistums ausscheiden werden, auch wenn dies in der Öffentlichkeit immer wieder bestritten oder angegeben wird, man habe nur „ganz kurz“ mit ihnen geredet. Dazu Pater Lutz: Das stimmt nicht, es wurde ein Dialog mit den Beteiligten angekündigt. Es wurde aber nicht gesprochen. Die Bitten um einen Dialog wurden ignoriert. Die erste Mitteilung dazu war die Kopie eines Schreibens an Pfarrer Alois Ebersberger, dass dieser ab 1. 9. 2008 als Leiter des Pfarrverbands Bogenhausen-Süd eingesetzt sei. Auch der Pfarrgemeinderat hat diese Kopie erhalten, obwohl noch nicht klar war, ob St. Klara wieder in den Pfarrverband eingegliedert wird. Es stimmt auch nicht, dass die Gemeinde St. Klara seit 2000 über die Gestaltung der Seelsorge unter Leitung eines Pfarrers unterrichtet war. Klarheit brachte erst Ende März 2008 ein Schreiben des Herrn Dr. Schwab. Das schreibt Winfried Röhmel: Von den Ordenspriestern ist erwartet worden, dass sie in ihrer Aufgabe als Pfarradministratoren auch ihren Beitrag dazu leisten würden, die Pfarreien darauf vorzubereiten, künftig in einer Pfarreiengemeinschaft mitzuwirken und mit den dazu bestellten Pfarrern zusammenzuarbeiten. Das ist in allen drei Fällen nicht geschehen. Dazu Pater Lutz Hübner: Bei mir war das Gegenteil der Fall. Es hieß, eine strikte Trennung ist einzuhalten, an diese Anweisungen habe ich mich konsequent gehalten. Das schreibt Winfried Röhmel: Die Ordenspriester hätten teils durch aktives, teils durch passives Verhalten zugelassen, dass in den Pfarreien Unfrieden und Streit um sich gegriffen hätten. (Die Gläubigen hatten demonstriert und das Verhalten des Ordinariats öffentlich gemacht, Anm. d. Red.) Dazu Pater Lutz Hübner: Ich habe öffentlich erklärt, es soll nicht demonstriert, sondern gebetet werden. Es ist nicht meine Aufgabe als Priester, von der Gemeinde etwas Verfassungswidriges zu verlangen – wir leben in einer Demokratie. Das schreibt Winfried Röhmel: Manche Gemeindemitglieder seien wegen des Padre-Konflikts sogar bereit, in völlig unkritischer Weise den eigenen persönlichen Glauben und die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche in Frage zu stellen. Dazu Pater Lutz: Manche Leute sagen, sie treten aus. Das kann mir nicht angerechnet werden sondern ist eine Konsequenz aus dem Verhalten des Ordinariats. Ich möchte mir nicht auf die Fahne schreiben, dass ich Leute vom Glauben wegbringe – ich tue das Gegenteil! Das schreibt Winfried Röhmel: Die Vorgänge zeigen, dass die drei Ordenspriester ihrer Aufgabe nicht gerecht geworden sind, die ihnen im Auftrag des Erzbischofs anvertrauten Gemeinden verantwortungsvoll zu leiten. Dazu Pater Lutz: Die Arbeitsbedingungen als priesterlicher Leiter der Seelsorge waren schwierig. Es gab keine Teamarbeit, als Leiter der Seelsorge hatte ich im Pfarrverband eine extrem schwache Position, zusätzliche Befugnisse waren auf die hauptamtlichen Laien übertragen. Ich merkte, dass ich keine Autorität hatte. Querelen mit den hauptamtlichen Laien hörten nie auf, auch ehemalige Pfarrer nahmen aus der Ferne Einfluss. Gabriele Mühlthaler

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