Wie München dank der Elektrizität zur leuchtenden Metropole wurde

Bäche im Keller und dunkle Straßen

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Die ersten städtischen E-Werke – darunter das Maxwerk und das Muffatwerk – brachten das elektrische Licht in die spärlich beleuchteten dunklen Straßen – eine Revolution.

Haidhausen – Muffatwerk und Maxwerk: Wer kennt sie nicht, die beiden Bauwerke? Doch was viele Münchner nicht wissen: Sie standen am Anfang einer langen Entwicklung zur Elektrifizierung der Stadt

Das 19. Jahrhundert in München war eine düstere Zeit. Es gab Choleraepidemien mit Tausenden von Toten. Und nachts beleuchteten Gaslaternen spärlich die dunklen Straßen. Doch 1891 kam die Revolution: Am Katzenbach, nahe dem Isartor, wurde das erste städtische E-Werk Münchens errichtet. Wenig später kamen dann auch das Muffatwerk und das Maxwerk hinzu. Die Geschichte um Cholera, Wasser und Strom und wie München dank der Elektrizität zur leuchtenden Metropole wurde, hat Alexander Rotter recherchiert, das abgebrochen geglaubte E-Werk am Katzenbach wiederentdeckt und dies jetzt in einem Buch veröffentlicht.

An dieser Stelle der Westenriederstraße floss der Katzenbach, erklärt Alexander Rotter. Hinter den Mauern auf der linken Seite befand sich das erste Elektrizitätswerk der Stadt.

„Ich hatte überhaupt nicht vor, ein Buch zu schreiben“, erklärt Alexander Rotter. „Ich habe mich für die alten Pläne meines Hauses interessiert und stellte fest, dass der Katzenbach früher direkt durch meinen Keller floss. Das hat mich fasziniert und ich habe immer weiter recherchiert.“ So fand er heraus, dass dort, wo heute die Friedrich-List-Wirtschaftsschule ist, ein Wasserwerk betrieben wurde. „Der Bach trieb Pumpen an, die das Grundwasser in den Wasserturm, das Brunnhaus, gepumpt haben“, so Rotter weiter. „Doch auch weil das Grundwasser verseucht war, kam es immer wieder zu Choleraepidemien.“ Der Hygieniker Max Josef von Pettenkofer erkannte das Problem und die Trinkwasserversorgung wurde 1883 von Grund- auf Mangfall-Wasser umgestellt.

Dadurch wurde jedoch das Brunnhaus obsolet. Da kam Oskar von Miller auf die Idee, anstelle des Wasserwerks das erste Elektrizitätswerk der Stadt München zu errichten. Doch mit der elektrischen Straßenbeleuchtung dauerte es noch ein wenig, denn die Gasbeleuchtungsgesellschaft stellte sich quer und so durften die E-Werke anfänglich maximal eine Leistung von 300 PS aufweisen. Zwischen Juli und dem Herbst 1891 wurde die Zentralstation an der Westenriederstraße fertiggestellt. Doch mit der Leistung des Werks hätte man gerade einmal die Ost-West-Achse vom Tal zum Hauptbahnhof beleuchten können. 1893 ging dann die elektrische Straßenbeleuchtung nach Errichtung des Muffatwerks in Betrieb.

„Dadurch entstand die längste zusammenhängende elektrische Straßenbeleuchtung auf dem Kontinent“, so Rotter, „nun auch in Nord-Süd-Richtung.“ Aber das Wichtigste war wohl die Vernetzung von Wasser- und Stromproduktion. Das war auch nötig, denn die Bevölkerung Münchens stieg damals auf gut eine halbe Million Menschen an.

Stefan Osorio

Keine Gastronomie im Maxwerk

Auch künftig wird es keine Gastronomie im Maxwerk geben.

Im Maxwerk wird es künftig keine Gaststätte geben. Erst im Frühjahr hatte die Augustiner-Brauerei auf Druck des Haidhauser Bezirk­sausschusses (BA) ihre Pläne für einen gastronomischen Betrieb aufgegeben.

Jetzt teilten die Stadtwerke auf Hallo-Anfrage mit, dass „nach eingehender Prüfung alle Aktivitäten rund um die Vermietung und Nutzbarmachung des Maxwerks über den aktuellen Status hinaus eingestellt worden sind.“ Es werde keine neuerlichen Ausschreibungen für gastronomische oder anderweitige Nutzungen geben. 

„Wasser und Strom für München“

Die Vorstellung des Buches „Wasser und Strom für München“ findet erstmals am Samstag, 3. November, auf der Fachmesse litera bavarica im Zentrum St. Bonifaz, Karlstraße 34, von 11 bis 19 Uhr statt. Um 14.30 Uhr liest dann Alexander Rotter aus seinem neuen Werk. Das Buch ist im Konrad Verlag erschienen und kostet 34,95 Euro.

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