Asche zu Asche – 40 Mal am Tag

Bis zu 800 Grad heiße Flammen: In einem Ofen des Krematoriums am Ostfriedhof brennt ein Sarg.

Wie läuft eine Einäscherung ab? Die Friedhofsverwaltung lädt erstmals ins Krematorium am Ostfriedhof ein

Giesing Der Ofen knistert, die Flammen züngeln – plötzlich ein lauter Knall. Die Leute reißt’s aus der bedächtigen Stille, sie blicken sich verschreckt an. „Keine Angst“, sagt Wolfgang Stark, technischer Leiter des Ostfriedhofs, „das war nur der Herzschrittmacher.“ Seit kurzem dürfen die Münchner einen Blick hinter die Kulissen des Krematoriums am Ostfriedhof werfen und bei der zweistündigen Führung hautnah zusehen, wie hier Tote verbrannt werden (siehe Kasten). Immer mehr Menschen spielen mit dem Gedanken, sich einäschern zu lassen – immer mehr tun es schon. Im katholischen Bayern war das Thema zwar lange Zeit verpönt, „Feuerbestattungen kommen jedoch heutzutage auch aus Kostengründen immer mehr in Mode“, sagt Arndt Schulte Döinghaus, Leiter der Friedhofsverwaltung. „Momentan führen wir bis zu 40 Einäscherungen pro Tag durch.“ Auf dem Weg in die Kühlhalle, in der die Särge bei frischen fünf Grad aufbewahrt werden, fährt einem so mancher Schauer über den Rücken. Damit ja kein Toter verwechselt wird, sind alle Särge mit einer nummerierten und feuerfesten Plakette aus Schamottstein versehen, auf die die Angestellten in mehreren Kontrollgängen noch einmal penibel ein Auge werfen, bevor ein Sarg überhaupt in die Nähe eines Ofens kommt. „So ist auf jeden Fall sichergestellt, dass nachher die richtige Asche in der richtigen Urne landet“, sagt Wolfgang Stark. Plötzlich fährt ein Gabelstapler vor und schiebt einen Sarg nach dem anderen in einen der fünf Öfen. Bis zu 800 Grad heiße Flammen lodern den Besuchern ins Gesicht und verschlucken in Sekunden den kompletten Sarg. Nach 30 Minuten sind von den Holzkisten nur noch Asche und grau-schwarze Knochen übrig. Die sterblichen Überreste werden gekühlt und von einer Mühle zu feinem Staub zermahlen. Zuvor durchsucht ein Mitarbeiter sie mit einem Elektromagnet nach Metallteilen wie Prothesen und künstlichen Gelenken, die die Mühle beschädigen könnten. Dann ist Ruh’: In eine Urne gefüllt, setzen Angehörige die Asche ihres Toten auf dem Friedhof bei. Und drinnen, im Krematorium, sind die nächsten Särge dran. Stark und seine Kollegen schaffen 40 am Tag – eine Routine, die er nicht zu ernst nehmen will. Zum Abschied sagt er lachend: „Hoffentlich sehen wir uns so bald nicht wieder!“ Alessa Kästner

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