„Aktion Münchner Fahrgäste“

Er wird als Mahner fehlen

Anteilnahme nach Tod von Andreas Nagel – Aktion Fahrgäste soll weiterleben.

Völlig unerwartet ist Andreas Nagel (Foto), Gründer und Sprecher der „Aktion Münchner Fahrgäste“, gestorben. An einer Lungenembolie – mit nur 57 Jahren.

Der Bogenhauser war so etwas wie der gut gemeinte Stachel im Fleisch von MVG und MVV, legte seinen Finger immer in die großen und kleinen Wunden des Münchner Nahverkehrs. „Wir versuchen, diese Rolle auch weiterhin in seinem Sinne zu übernehmen“, erklärte Stefan Hofmeir von der „Aktion Münchner Fahrgäste“ auf Hallo-Nachfrage. In die „großen Fußstapfen“ – wie sie Hofmeir nennt – von Nagel werden künftig voraussichtlich er und sein Kollege Martin Marino treten. Nagel fehle zwar „sowohl als Mahner als auch sonst in jeder Hinsicht“, man wolle aber versuchen, auch weiterhin ein unbequemer Kritiker zu sein. „Wir haben ja gesehen, wie viele positive Veränderungen man bewirken kann.“

Die Errungenschaften Nagels sind beeindruckend: Unter anderem lagen ihm Erhalt und Ausbau der Tram am Herzen – ohne ihn würde die Tram 25 heute wohl nicht mehr bis nach Grünwald fahren. 1994 startete er die Christkindl-Tram, auch die Silvester-S-Bahn geht auf eine Initiative von ihm zurück. Nagel setzte sich für den „Takt 10 bis 10“ bei der Trambahn ein, der 2013 an den Start ging. Auch die zur gleichen Zeit eingeführten flexiblen Zeitkarten gingen auf seine Forderungen zurück.

Die Wiedereinführung einer Buslinie in Moosach (Foto) erkämpfte er mit den Anwohnern. Nach dem Tod von Dominik Brunner initiierte er zusammen mit Polizei, Feuerwehr, MVV und anderen das Zivilcourage-Training „Mit Herz und Verstand“. Aktuell kämpfte er für gerechtere Tarife sowie den Bau des Regionalzughalts Poccistraße.

Zudem saß er knapp 23 Jahre für die kommunale Wählergruppe „David Contra Goliath“ (DaCG) im Bezirksausschuss (BA) Bogenhausen. Da die DaCG und die ÖDP eine gemeinsame Liste bilden, wird künftig wohl kein DaCG-Mitglied mehr im BA sitzen. Auf den drei Nachrückeplätzen folgen jeweils Kandidaten der ÖDP.
Marco Litzlbauer

Das sagen seine Weggefährten

Matthias Korte, Sprecher der MVG: „München verliert durch seinen Tod einen leidenschaftlichen Fürsprecher des Nahverkehrs, der sich an vielen Stellen, auch im BA Bogenhausen, für Verbesserungen eingesetzt hat.“

Nicola Holtmann, Fraktions-Kollegin (ÖDP): „Ich bin tief erschüttert, es ist ein schwerer Verlust. Andreas hatte keinen Tram-Tunnelblick, sondern sah die Zusammenhänge vom Nahverkehr zum weltweiten Klimaschutz.“

Manuel Pretzl, CSU-Stadtrat: „Sein Tod macht uns sehr betroffen. München verliert mit ihm einen engagierten Menschen, der sich stets offen und fair für die Belange der Fahrgäste eingesetzt hat.“

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