Anscheinend ist Daglfing nur wenigen was wert

Die Bürgerinitiative „Lebenswertes Daglfing“ (B.I.L.D.) kämpft gegen den geplanten Obi-Baumarkt an der Riemer Straße und hat auch andere Themen des Viertels zumindest ansatzweise aufgegriffen. 58 Mitglieder hat die Initiative, tätig ist offenbar aber nur das dreiköpfige Führungsteam.

30 Euro Beitrag pro Jahr kostet die Mitgliedschaft in der Bürgerinitiative „Lebenswertes Daglfing“. Vor allem wird das Geld für den Kampf gegen den geplanten Obi-Baumarkt an der Riemer Straße gebraucht, Anwalts- und Gerichtskosten belaufen sich inzwischen auf rund 10.000 Euro, für notwendige Gutachten werden wohl nochmals 6000 Euro benötigt. Im vergangenen Jahr hatte die Mitgliederversammlung deshalb eine Sonderumlage beschlossen, damit die Initiative nicht in die Schuldenfalle rutscht. 790 Euro Minus musste Kassenführerin Ingeborg Moosmeier bei der Versammlung am vergangenen Montag vermelden, denn 19 Mitglieder haben die Sonderumlage nicht bezahlt und viele nicht mal den Mitgliedsbeitrag. B.I.L.D.-Vorsitzende Birgit Oberdorf erklärte, es koste Geld, auf die Barrikaden zu gehen und wenn wenigstens 1000 Daglfinger sich der Initiative anschließen und ihren Beitrag bezahlen würden, stünde man ganz anders da. Auch ohne Obi gäbe es für die Initiative eine Menge zu tun: Der Daglfinger Dorfkern steht zur Disposition, er soll aus der Denkmalliste gestrichen werden. Einer beliebigen Bebauung rund ums Idyll wäre dann Tür und Tor geöffnet. Auch der seit langem geforderte Lebensmittelmarkt fehlt noch immer, auf dem Trabrennbahn-Gelände soll eine große Siedlung entstehen und im Hüllgrabendreieck ein Industriegebiet. Um den Lebensmittelmarkt sollte sich eigentlich ein Ausschuss kümmern, doch hat der nach seiner Gründung offenbar nichts mehr getan. So klagte das Führungstrio des Vereins am Montag über die mangelnde Einsatzbereitschaft der Mitglieder. Vorsitzende Birgit Oberdorf dazu: „Wir halten den Laden zu Dritt seit drei Jahren am Laufen. Es wurden Ausschüsse gebildet, sonst bleibt alles beim Alten. In Daglfing gibt es keine Gemeinschaft“. Sogar zum Flyer-Verteilen hätten die Mitglieder keine Lust, Nachbarskinder und deren Freunde seien letztlich eingesprungen. Mangelnde Information? Eine Frau mahnte daraufhin mangelnde Informationen seitens der Führung an. „Vielleicht sollte wenigstens alle Vierteljahre eine Mail rausgehen oder irgendeine Information an die Mitglieder geschickt werden. Wenn ich nichts weiß, kann ich auch nicht helfen“. Birgit Oberdorf erklärte, im Jahr 2009 habe es wenig zu berichten gegeben. Vorstandskollege André Vachenauer betonte, es sei immerhin gelungen, den Obi-Bau schon drei Jahre lang zu verhindern. Obi Anhängig sind derzeit Anfechtungsklagen gegen die Obi-Baugenehmigung und eine Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan. Die Verhandlung steht in einigen Monaten an, vorher müssen noch Lärmschutz-Gutachten eingeholt werden. Die ersten Einwände hat die Gegenseite wohl entkräftet, weshalb neue Gutachten notwendig sind. Der Rechtsanwalt sehe Chancen, dass man letztlich gegen Obi erfolgreich sei, betonte Vorstandsmitglied Philip Keller. Klage könnten aber nur direkt betroffene, natürliche Personen führen. Trabrennbahn, Savitsstraße, Hüllgraben Birgit Oberdorf berichtete, für die Trabrennbahn sei ein grobes Strukturkonzept erstellt worden, in welchem die Verkehrserschließung verharmlost werde. Zur Schließung des Wertstoffhofs an der Savitsstraße hatte B.I.L.D. keine genauen Informationen, der CSU-Ortsvereinsvorsitzende Nord sprang ein und berichtete von der Unterschriftensammlung gegen die Schließungspläne. Verwunderung und Betroffenheit löste Brigitte Jais mit ihrer Information aus, dass im Hüllgraben-Dreieck ein lärmintensives Industriegebiet geplant sei, das dem Viertel zusätzlichen Verkehr beschere. Jais bat, sich in die Unterschriftenlisten gegen die Pläne einzutragen. Erhältlich sind die Listen unter der Mailadresse JAISLichtpausen@t-online.de oder unter Telefon 42 49 27. Vorstandswahl und Geldbeschaffung Zur Wahl des Vorstands stellte sich das dreiköpfige Führungsteam Birgit Oberdorf, André Vachenauer und Philip Keller erneut zur Verfügung, da niemand anders dazu bereit war. Einstimmig wurden sie gewählt. Eine Sonderumlage für den Kampf gegen Obi lehnten 12 der 21 anwesenden Mitglieder ab, einhellige Zustimmung erhielt hingegen ein Basar auf dem Gelände des Daglfinger Blumenmarkts. Dessen Besitzer Gebert hatte den Vorschlag gemacht, Gebrauchtes und Unnützes zu Gunsten der Bürgerinitiative zu verkaufen und sein Geschäftsgelände dafür angeboten. Auch um die nötige Genehmigung will sich Gebert kümmern. Als Birgit Oberdorf dann nachfragte, wer den Flohmarkt organisieren wolle, meldete sich erst mal niemand der rund 50 Anwesenden. Letztlich stellten sich drei Frauen zur Verfügung, zwei von ihnen sind nicht Mitglied bei B.I.L.D. „Ich bin erstmals hier und finde die Stimmung zwiespältig. Das Weiterbestehen ist wichtig, vielleicht kommt ja Dynamik rein“, meinte eine der Frauen. Auch ein älterer Herr erklärte: „Ich bin erstmals da und erschrocken! Eigentlich wollte ich eintreten. Ich glaube nicht, dass man nicht mobilisieren kann – die Probleme gehen bisher etwas unter!“ Jetzt hofft das Führungstrio auf viel Hilfe und darauf, dass mehr Daglfinger sich der Initiative anschließen. Gabriele Mühlthaler

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