Alte Rezepte

Küchenschatz aus Tante Maris Nachlass

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OBERGIESING Stefania Peter und ihr Mann haben beim Entrümpeln alte Rezepte gefunden – und als Kochbuch veröffentlicht

Ganz unscheinbar steckte das kleine Heftlein im Bücherschrank. Handgeschrieben, in Leder gebunden – sein Inhalt ein kleiner Schatz: die Rezeptsammlung der Giesingerin Maria Pauly aus dem Jahr 1899. Gefunden haben das Büchlein Stefania Peter und ihr Mann Franz, als sie den Haushalt seiner Eltern auflösten. Maria Pauly war die Großtante von Franz Peter, geboren am 7. Mai 1876 auf dem Giesinger „Zehent­bauernhof“. Ihr ganzes Leben verbrachte sie im Viertel, in einem Biedermeier-Haus an der Ecke Zehentbauern- und Tegernseer Landstraße. Das Haus überstand zwei Weltkriege, steht heute unter Denkmalschutz. Geerbt haben es die Peters – und mit ihm Tante Maris Rezepte. Jetzt hat das Ehepaar den Küchenschatz als „Altmünchner Kochbuch“ herausgegeben.

„Nachdem wir es gefunden hatten, habe ich bald festgestellt, dass gute Rezepte drin sind“, erzählt Stefania Peter. Doch erst Jahre später kam das Ehepaar auf die Idee, die Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es sind bürgerliche Rezepte nach dem Grundstock der Altmünchner Küche: Suppn, Fleisch und Gmüs. „Die Tante Mari besuchte 1899 drei Monate lang eine Haushaltsschule. An ihren Aufzeichnungen kann man gut ablesen, wie die Ernährung damals war“, sagt Peter, die das Buch selbst illustriert hat.

Griesnockerl, Krautwickel, Ochsenfleisch mit Petersilien­kartoffeln und „Chokolade Auflauf“ – ein Beispiel für

ein typisches Menü im Jahr 1899. „An sich sind die Zutaten keine besonderen“, sagt Peter. Doch vieles findet man ein gutes Jahrhundert später nicht mehr ohne Weiteres. „Selbst beim Metzger bekommt man so etwas wie Kalbsbrust nur noch auf Vorbestellung.“ Deshalb stehen im „Altmünchner Kochbuch“ nicht nur die Originalrezepte, sondern auch Ratschläge zum Einkaufen – und zum Zubereiten. Denn Maria Paulys Rezepte waren nicht als Anweisungen für andere, sondern als Gedächtnisstütze für sich selbst gedacht. „Die Tante Mari wusste ja, wie man einen Braten zubereitet. Und genaue Gramm-Angaben stehen auch nicht drin.“

Damit die Rezepte dennoch gelingen, hat Stefania Peter die Rezepte selbst getestet – ihre Tipps ergänzen im „Altmünchner Kochbuch“ die Originaltexte. „Bis auf die Schildkrötensuppe habe ich alles ausprobiert“, sagt die 53-Jährige und lacht. Dass das Rezept dennoch im Büchlein steht, sei dem kulturhistorischen Aspekt geschuldet: „Schildkrötensuppe fehlte in keinem Kochbuch des 19. Jahrhunderts, sie galt als Königin der Suppen.“ Peters Lieblingsrezepte: „Filet a la Jockey Club“ und Maris „Vanille Creme“. Im Gegensatz zu ihrem Mann hat Stefania Peter Maria Pauly nie kennengelernt. Tante Mari starb 1967 mit 91 Jahren. „Während der Arbeit an dem Buch ist sie mir aber sehr vertraut geworden. Sie muss eine lebenslustige und originelle Frau gewesen sein, die viele Geschichten über das alte Giesing zu berichten wusste.“ Isabel Steffens

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