Abschied von Pionieren

Fast 53 Jahre Oberföhringer Geschichte haben am vergangenen Donnerstag ihr Ende gefunden. Mit einem Festakt in der Prinz-Eugen-Kaserne wurden die Soldaten der Pionierschule offiziell an ihren neuen Standort in Ingolstadt verabschiedet.

Über ein halbes Jahrhundert war München das Zentrum für die Pionierausbildung der Bundeswehr. Wie Brigadegeneral Wolfgang Krippl, Kommandeur der Schule, betonte, haben rund 238.000 Soldaten während dieser Zeit an der Pionierschule und Fachschule des Heeres für Bautechnik, so der offizielle Name, das Pionierhandwerk gelernt, wurden zum Gruppenführer, Zugführer, Kompaniechef oder Bataillonskommandeur ausgebildet. In speziellen Lehrgängen habe die Pionierschule ihre Schüler zum Pioniermaschinenbediener, Sprengspezialisten, Kampfmittelabwehrexperten, Infrastruktur- und Umweltschutzfachmann, Schweißer, Straßenbauer, Brückenbauer, Bautechniker oder Bauingenieur qualifiziert. Über 36 Jahre lang, so Krippl weiter, sei die Pionierschule außerdem ein qualifizierter Ausbildungsbetrieb für das Kfz-Mechanikerhandwerk gewesen. Von 1961 bis 1997 seien jährlich 25 junge Mechanikergesellen in die Bundeswehr übernommen oder in den Arbeitsmarkt der Region eingesteuert worden. Mit ENTEC habe auch das Zentrum für die internationale Pionierausbildung der NATO seit über 30 Jahren seinen Sitz in der Schule gehabt. Rückzug Seit vergangener Woche gehört dies nun alles der Vergangenheit an. „Weil die Bundeswehr kleiner wird, zieht sie sich zusammen, verlässt die Großstädte, wo die Bürger Wohnungen brauchen und die Kasernen im Weg stehen“, erklärte Christiane Schlötzer, stellvertretende Ressortleiterin Außenpolitik Süddeutsche Zeitung, in ihrem Festvortrag. Auch die Oberföhringer Pioniere verlassen die Großstadt München, ziehen in das aufstrebende Ingolstadt, wo sie in der neu errichteten Pionierschule „Auf der Schanz“, dessen Hauptgebäude die Stararchitekten Gerkan, Marg und Partner (u.a. Berliner Hauptbahnhof) entworfen haben, ihre neue Heimat finden werden. Auch in München machen die Pioniere damit Platz für Wohnungen. Rund 2000 sollen auf dem knapp 300.000 Quadratmeter großen Areal entstehen. Zudem natürlich Büros und Läden. Von der Kaserne werden dann nur Schwimmhalle und Sporthalle zeugen, die für die Nutzung durch Bogenhauser Sportler erhalten werden. Kapelle und Grünzug Und noch ein Erinnerungsstück werden die Pioniere den Bogenhausern hinterlassen. „Der Grünzug mit seinem alten Baumbestand und der Kapelle wird als Biotop erhalten“, erklärte Stadträtin Christiane Hacker im offiziellen Grußwort der Landeshauptstadt. Sie konnte damit einen Wunsch erfüllen, den Christiane Schlötzer, selbst Tochter eines ehemaligen Offiziers der Pionierschule, in ihrer Festrede äußerte. Wenn jetzt hier auf dem Kasernengelände Wohnungen gebaut würden, so die Journalistin. „Dann sollte man nicht nur das Schwimmbad, in dem schon lange die Bademeister für ganz München ausgebildet werden, erhalten, sondern auch die kleine Gedenkkapelle zwischen den alten Bäumen, damit sich die Menschen, die hier eine Wohnung im Grünen finden oder auch nur spazierengehen, erinnern können, was einst war.“ Erinnerungen Erinnerungen prägten auch einen guten Teil des Festakts. Etwa an das Jahr 1964, als die Pioniere eine Behelfsbrücke errichteten, um während der Sanierung der Reichenbachbrücke die Verkehrsbehinderungen möglichst gering zu halten. Oder an die vielfältigen Aufgaben, die die Pioniere während der Olympischen Spiele in München bewältigten. Oder als jüngstes Beispiel an die Beteiligung der Pioniere an den Feierlichkeiten zum 850. Stadtgeburtstag Münchens: Ein Brückenlauf im Jahr, das unter dem Motto „Brücken bauen“ stand. Wie geschaffen für Pioniere. Erinnert wurde auch an Ereignisse, die sich weniger im Licht der Öffentlichkeit abspielten. So daran, dass die Prinz-Eugen-Kaserne während des Weltwirtschaftsgipfels 1992 in München als Hubschrauberlandeplatz für die Staatsoberhäupter diente – weshalb sich im Gästebuch der Pionierschule auch der Name des damaligen US-Präsidenten George Bush findet. Wehmütiger Abschied „Bei uns Pionieren kommt ein bisschen Wehmut auf, wenn diese Epoche hier in der Landeshauptstadt nun zu Ende geht“, erklärte Brigadegeneral Krippl beim Festakt. Schließlich blicke man zurück auf eine über 50-jährige Tradition, die sich als enge Verbindung zwischen Pionieren und Pionierschule, Kameraden befreundeter Streitkräfte, Paten und Freunden darstelle. Doch nun gelte es, sich den zukünftigen Anforderungen und Aufgabenbereichen zu stellen. Nicht mehr in München, sondern in der neuen Pionierkaserne in Ingolstadt. Dorthin wird sich bereits diese Woche der erste Umzugskonvoi in Bewegung setzen. Schließlich soll der Umzug bis spätestens Ende März abgeschlossen sein. Dann wird noch einmal schweres Gerät auf dem Kasernengelände einrücken und die Schule bis auf die wenigen Gebäude, die erhalten bleiben, abreißen. Denn die Verträge sehen vor, das Gelände 2010 „praktisch baureif“ an die Landeshauptstadt München zu übergeben. – fit –

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