Obergiesing

Ich werde raussaniert!

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Das Haus in der Alpenstraße wird aufwendig renoviert.

Bald wohnungslos? Eine 49-jährige Giesingerin fürchtet um ihr Zuhause, da die Miete ums Doppelte steigt.

Vor vier Jahren war alles anders. Manuela S. arbeitete in einer angesehenen Konfiserie, liebte ihren Job, die feinen Pralinen, ihren Partner und ihr Zuhause, eine Wohnung in Obergiesing, in der sie schon als Kind mit ihrer Mutter gelebt hat. Ginge es nach Manuela S. hätte es so weiter gehen können.

Doch es kam alles anders. Binnen kurzer Zeit erkrankt Manuela S. an Krebs und an Fib­romyalgie, einer unheilbaren Erkrankung der Muskeln. In ihrem Beruf kann die 49-Jährige nicht mehr arbeiten. Kurze Zeit später der nächste Schicksalsschlag: Ihr Partner stirbt.

Nun legt ihr das Schicksal den nächsten Stein in den Weg: Das Haus in der Alpenstraße, in dem sie bereits als Kind wohnte und als Erwachsene vor 17 Jahren wieder eingezogen ist, wird saniert. Die günstige Miete von 402 Euro, die sie derzeit warm zahlt, wird sich nach der Modernisierung voraussichtlich mehr als verdoppeln.

„Ich stehe vor der Obdachlosigkeit“, sagt Manuela S. Die Verzweiflung ist ihr anzusehen. „Wie soll ich mit meinen 712 Euro Rente in München eine Wohnung finden?“

Manuela S. ist damit nicht allein: 24 000 Haushalte haben im vergangenen Jahr beim Wohnungsamt einen Antrag auf eine geförderte Wohnung gestellt. 7500 der Anträge sind bis heute noch nicht einmal geprüft. Zum Jahresende hatte das Amt knapp 11 500 Haushalte registriert, die Anspruch auf eine geförderte Wohnung haben. Etwa 8250 davon wurden in die Dringlichkeitsstufe 1 eingeteilt. Dass es bei Manuela S. dringlich ist, hat das Amt für Wohnen vermerkt. Die 49-Jährige hatte bereits 2015 einen Antrag eingereicht, als klar wurde, der Eigentümer verkauft das Haus in der Alpenstraße 8. Gebracht hat das bislang aber nichts.

Seit eine niederbayerische Immobilienfirma das Haus gekauft hat, hat sich einiges geändert: Von den sechs Wohnungen stehen vier nun leer. Im März will die Firma mit der Modernisierung beginnen – sonst müsse das Haus abgerissen werden. „Wir versuchen mit hohem Aufwand das Haus zu retten“, teilt der Eigentümer auf Hallo-Anfrage mit. „Das wir natürlich versuchen, hierbei nicht kompletten Schiffbruch zu erleiden, ist unserer Meinung nach legitim.“ Manuela S. sieht das freilich anders. „Solche Probleme sind handgemacht von Menschen – weil manche den Rachen nicht voll kriegen“, sagt sie verärgert.

Was mancherorts unvorstellbar ist, ist in München Alltag. „Das ist der Klassiker“, sagt Anja Franz vom Mieterverein. „Es kommt jede Woche vor, dass Menschen aus ihrer Wohnung herausrenoviert werden – mit Luxussanierung hat das nicht einmal etwas zu tun.“

Zwar kann der Mieter Einspruch auf wirtschaftliche Härte legen – allerdings binnen eines Monats nachdem die Sanierung bekannt gegeben wurde. „Das wissen die meisten nicht und verpassen die Frist.“ Wenn Mieter rechtzeitig Alarm schlagen, können sie im Vorfeld einen Aufhebungsvertrag mit Abfindung schließen, dabei bekommen sie Summen um die 30 000 Euro.

„Das ist es den Investoren wert. Für sie ist das trotzdem ein sehr lukratives Geschäft“, sagt Franz. Was für die einen ein rentables Geschäft ist, bleibt für andere ein hartes Los. „Dieser Fall ist nicht der einzige, der brenzlig ist“, sagt eine Sprecherin des Sozialreferats. „In München ist das ein massives Problem.“ Den 24 000 Anträgen aus 2016 stehen gerade mal 3200 Wohnungsvergaben gegenüber. Wer keine Wohnung findet, muss in eine Notunterkunft. „Davor habe ich am meisten Angst“, sagt Manuela S.

Hanni Kinadeter

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