Zehn syrische Flüchtlinge

Kostbare Küchenhelfer

+
„In Syrien gibt es keine Zukunft.“ Samer Almaiof floh vor zehn Jahren nach Deutschland.

SENDLING Ein Sendlinger Gastronom beschäftigt zehn syrische Flüchtlinge

Routiniert schiebt Samer Alghabash die libanesische Pizza in den Ofen. In seiner Heimat hat er in einer Druckerei gearbeitet. Doch in seiner Heimat ist jetzt Krieg. Vor elf Monaten floh der 30-Jährige von Syrien nach München. Hier ist er in Sicherheit, doch seine Gedanken sind stets bei seiner Familie: Seine Schwester und sein Vater sitzen in einem Zeltlager in der Türkei fest. „Beiden geht es sehr schlecht. Sie brauchen dringend medizinische Hilfe“, sagt er.

Khudor Lamaa (re.) und Andi Müller.

Seine Verzweiflung kann Khudor Lamaa dem jungen Mann nicht nehmen. Doch der Sendlinger Gastronom trägt dazu bei, dass Samer Alghabash in München arbeiten und mit dem Geld seine Familie unterstützen kann: Er ist einer von zehn Syrern, die in Lamaas Restaurants, dem „Manouche“ und dem „BeirutBeirut“ an der Valleystraße, angestellt sind. Darunter auch Samer Almaiof. Er arbeitet insgesamt schon über ein Jahr für Lamaa, kam vor zehn Jahren nach Deutschland. „Ich durfte vier Jahre nicht arbeiten, weil Syrien damals als sicherer Herkunftsstaat galt.“

Flüchtlingen zu helfen sei dabei anfangs nicht sein oberstes Ziel gewesen, erzählt Lamaa. Anders jetzt: Gemeinsam mit ein paar Freunden hat er die „Welcome Feder“ kreiert – ein Symbol für Mitgefühl und Solidarität (s. Kasten).

„Als ich das ,Beirut Beirut‘ vor drei Jahren eröffnet habe, habe ich dringend Mitarbeiter gesucht. Damals gab es die erste Flüchtlingswelle. Syrer einzustellen war naheliegend: Sie sind sehr tüchtig und die syrische Küche ist der libanesischen sehr ähnlich“, sagt der 36-Jährige, der als Siebenjähriger aus dem Libanon mit seinen Eltern nach München floh. Im Laufe der Zusammenarbeit mit den Syrern habe er begonnen, seine eigene Geschichte aufzuarbeiten. Ein Anschlag auf ihre Asylunterkunft in Ottobrunn, die menschenunwürdigen Zustände in der Unterkunft Zirndorf: „Es war wie ein Déjà-vu. Die Erzählungen der Jungs haben vieles wieder aufgewühlt. Ich habe angefangen, mit meinen Eltern über diese Zeit zu reden. Mein Vater musste sich damals zum Beispiel das Recht zu arbeiten vor Gericht erstreiten.“ Lamaas Eltern leben heute trotz Gefahr wieder im Libanon. „Sie sind zu sehr in ihrer Heimat verwurzelt.“ das

Feder für die Menschlichkeit

Als im Frühjahr die Pegida-Demos aufkamen, hatten Khudor Lamaa und Stammgast Andi Müller die Idee, ein Zeichen zu entwerfen, das Mitgefühl und Solidarität, sowie die geistige und aktive Unterstützung für Flüchtlinge ausdrücken soll. „Die Feder war in der Geschichte der Menschheit schon immer ein Zeichen für Solidarität, Freiheit und für Menschlichkeit“, sagt Lamaa. Seine Schwägerin, die Grafikerin ist, entwarf die Feder gemeinsam mit seiner Frau. „Wir wollen mit der Feder unseren Beitrag dazu leisten, möglichst viele Menschen zu sensibilisieren werden“, sagt Müller. Kooperationen, etwa mit dem Kreisjugendring, sollen die Botschaft der Feder unter die Leute bringen. Die Feder kann www.welcomefeder.de heruntergeladen werden und aufgehängt werden. Die Feder kann als Aufkleber im „BeirutBeirut“ oder im „Manouche“ in der Valleystraße 19 und 28 abgeholt werden oder als Postsendung angefordert werden. E-Mail: info@printpoool.com.

Auch interessant:

Meistgelesen

Vom Leerstand zum Luxuswohnen?– Eigentumswohnungen an ehemaliger Neuhof Schule geplant
Vom Leerstand zum Luxuswohnen?– Eigentumswohnungen an ehemaliger Neuhof Schule geplant
Heldenhafte Retter – Feuerwehr rettet ungewöhnliches Opfer aus den Flammen
Heldenhafte Retter – Feuerwehr rettet ungewöhnliches Opfer aus den Flammen
Freie Fahrt für die Radlfahrer? –  Die Jahresvorschau des BA-Chefs für 2020
Freie Fahrt für die Radlfahrer? –  Die Jahresvorschau des BA-Chefs für 2020
"Achtung, Baustelle!" – Die große Jahresvorschau für 2020
"Achtung, Baustelle!" – Die große Jahresvorschau für 2020

Kommentare