So verlor ich Geld und Gut

Sie wollte sich einen Lebenstraum verwirklichen – und wurde in Afrika ausgeraubt

Pullach Sie wollte sich ihren größten Traum erfüllen – jetzt steht sie vor den Scherben ihres Lebens. Angelika Lang wanderte 2007 nach Afrika aus, um dort armen Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Heute muss die gebürtige Augsburgerin um ihre eigene Existenz kämpfen: In Kenia haben ihr Räuber Geld und Gut gestohlen – insgesamt ein Schaden von rund 100 000 Euro. In Pullach will die 54-Jährige nun wieder Fuß fassen: Als Kinderbetreuerin versucht sie, Geld zu verdienen, um ihren Lebenstraum doch noch verwirklichen zu können. Schon von klein auf war Angelika von Afrika fasziniert. Nachdem ihre beiden Kinder aus dem Haus waren, fasste sie vor zwei Jahren einen mutigen Entschluss – sie verkaufte ihr Haus in Augsburg, legte ihren Beruf als Tagesmutter nieder, kratzte all ihre Ersparnisse zusammen und zog nach Kenia. Kinder zu fördern, ihnen eine bessere Zukunft zu bereiten, war das ehrgeizige Ziel der gelernten Kinderkrankenschwester. In Diani Beach, einem Ferienort an der Südküste Kenias in der Nähe vom Mombasa, kaufte sie sich ein Haus – „direkt am Meer“, schwärmt sie. Als erfahrene Afrika-Reisende waren ihr die Mentaliät und die Gepflogenheiten im Land nicht unbekannt. Aus Angst vor Betrug und Korruption entschied sie sich, ihr Geld keiner afrikanischen Bank anzuvertrauen. Stattdessen verteilte sie ihre gesamten Ersparnisse, etwa 38000, in ihrem Haus. Ein fataler Fehler: „Ich war auf einem Tagesausflug. Als ich zurückkam, war mein Haus verwüstet, das ganze Geld weg!“ Über Palmen waren die Einbrecher ins Gebäude gelangt, wie die Polizei ermittelte. Das ganze Ersparte futsch – damit war auch ihr Hilfsprojekt gescheitert. Angelika kann es immer noch nicht glauben: „Mit dem Geld hätte ich dort so viel verwirklichen können!“ Und es sollte noch schlimmer kommen: Ein Container, in den sie all die ideellen und materiellen Dinge ihres alten Lebens in Deutschland gepackt hatte, wollte sie mitnehmen in die neue Heimat. Ihre teuren Elektro- und Haushaltsgeräte, Geschirr, Kleidung, Bücher, alte Fotoalben, Briefe und Schmuck glaubte sie dort sicher verstaut. Doch der Container kam nie bei ihr in Diani Beach an. „Er stand eineinhalb Jahre in Mombasa“. Erst im Februar diesen Jahres konnte sie ihn abholen lassen – und entdeckte die nächste Katastrophe: „Der Container war fast leergeräumt, sogar meine Renten- und Sozialversicherungsdokumente haben sie mitgenommen!“ Freunde liehen ihr Geld, damit Angelika Lang nach Deutschland zurückfliegen konnte – in Afrika sah sie keine Möglichkeit zu arbeiten und Geld zu verdienen. Wie es jetzt weitergeht? „Ich weiß es nicht“, sagt Angelika mit Tränen in den Augen. In Pullach hat sie zumindest einen Job gefunden – aber ihr Glück liegt in Afrika. „Das ist meine Heimat – dort habe ich immerhin noch mein Haus.“ Daniela Schmitt

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