Wittelsbacherstraße

Der neue Isar-Boulevard

Platz für Flohmarkt und Picknick: Urbanauten wollen Wittelsbacherstraße für Verkehr sperren lassen.

Vorsichtig lugt Benjamin David aus dem großen Kirchturm-Fenster von St. Maximilian nach unten. Mini-Autos umfließen das kleine grüne Dreieck zwischen Wittelsbacher- und Auenstraße. „Der einstige Vorplatz der Kirche ist ein vergessener Ort“, sagt der Urbanaut (Kulturstrand). Vor dem Zweiten Weltkrieg habe er direkt an die Isar angeschlossen. Heute sei er durch die Straße von der Kirche getrennt und zur „Hundewiese“ verkommen.

Deshalb wollen die Urbanauten den Platz jetzt in Szene setzen und ihn gemeinsam mit dem Hausherren von St. Maximilian, Pfarrer Rainer Maria Schießler (kl. Foto), wieder an die Münchner zurückgeben: An drei Wochenenden im Juni, September und Dezember sollen der Kirchenvorplatz, die Wittelsbacherstraße zwischen Auen- und Deutingerstraße und das westliche Flussufer zum Isar-Boulevard werden. 

Die Erzdiözese München Freising selbst hatte den Stadtgestaltern den Auftrag für dieses Projekt erteilt: „Es soll die Beziehung zwischen Stadt und Fluss thematisiert werden“, so Christoph Kappes, Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats in München. „St. Maximilian steht heute auf einer Verkehrsinsel. Das war nicht immer so.“

Mit Hilfe der Studenten der Akademie der Bildenden Künste soll der „Notre Dame an der Isar“ zeitweise näher an den Fluss rücken und die Wittelbacherstraße zur autofreien Zone werden. „Die Aufgabe wird sein, mit den Mitteln der Kunst und der Landschaftsarchitektur den Kirchenvorplatz, die Straße mit dem Radweg und das Isarufer zu einem Platz zusammenzufügen“, sagt David. Die Arbeiten der Studenten sollen von 14. bis 23. Juni vor Ort ausgestellt werden. 

Ein „abgehobenes Kunstprojekt“ wollen die Urbanauten aber nicht. „Wir wollen die Fläche gemeinsam mit den Bürgern gestalten.“ Er könne sich  Picknick, Flohmärkte, Bürgerworkshops und Podiumsdiskussionen sehr gut vorstellen, so David.

Auch „temporäre Boulevards“ sind geplant: Die Sperrung der Wittelsbacherstraße wollen die Urbanauten beim Planungsreferat an den Wochenenden vom 14. bis zum 16. Juni im Rahmen der Kunstinstallationen und vom 11. bis zum 13. September anlässlich der internationalen Fachkonferenz zum Thema Fußverkehr und öffentlicher Raum in München  beantragen sowie an einem Wochenende in der Adventszeit. Geplant sind auch Aktionen gemeinsam mit der Kirchengemeinde vom 15. Dezember bis Heiligabend. „Der Verkehr könnte während der Sperrung hinter der Kirche entlang geleitet werden“, sagt David.

In der nächsten Sitzung wollen die Urbanauten ihre Pläne dem Bezirksausschuss Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt vorstellen. Ein Ortstermin, bei dem auch Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher anwesend war, fand bereits statt. „Wir können uns eine Sperrung vorstellen“, sagt Bickelbacher. Die Grünen im Rathaus und der Bezirksausschuss Maxvorstadt hatten schon 2008 temporäre Umwidmungen von Straßen und Flächen in München gefordert, zum Beispiel den Königsplatz. Die Stadtverwaltung hatte den Antrag auf „temporäre Straßensperrungen ohne konkreten Anlass“, wie zum Beispiel Straßenfeste, aus rechtlichen Gründen damals abgelehnt.

Einer zeitweisen Sperrung der Wittelsbacherstraße steht auch OB-Kandidat Josef Schmid (CSU) positiv gegenüber, „allerdings nur mit einer deutlichen Aufwertung und Attraktivitätssteigerung der Wittelsbacherstraße“. Die Straße müsse wirklich genutzt werden, fordert Schmid. Daran arbeiten die Urbanauten. „Wir befinden uns noch in einer frühen Phase des Projekt“, so David. 

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