Bezirksausschuss Fürstenried

Polina Gordienko ist im Vorstand des BA - mit 21 Jahren

München: Polina Gordienko (SPD) an der Residenz: Zum Gespräch kam sie von einem Termin, danach wartete das Philosophiestudium.
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München: Polina Gordienko (SPD) an der Residenz: Zum Gespräch kam sie von einem Termin, danach wartete das Philosophiestudium.

München, Fürstenried: Polina Gordienko hat es mit nur 21 Jahren in den BA-Vorstand geschafft. Ihre außergewöhnliche Geschichte

  • Polina Gordienko (SPD) ist zweite Stellvertreterin von BA-Chef Ludwig Weidinger.
  • Die 21-Jährge wohnt in Obersendling.
  • Gordienko ist mit 15 Jahren alleine von Weißrussland nach München gezogen
  • Fürstenried - Der Weg bis zu dem Zeitpunkt, an dem Polina Gordienko im Bürgersaal Fürstenried als Mitglied des Bezirksausschusses vereidigt und vom Viertelgremium zur zweiten Stellvertreterin des Vorsitzenden gewählt wurde, war ein langer – anders als es das Alter der 21-Jährigen vielleicht vermuten lässt. Und er war ein außergewöhnlicher.

    Gordienko: Ihre Meinungsfreiheit habe die Münchnerin erst mit 15 Jahren erhalten

    Warum Gordienko mit 15 Jahren alleine von Weißrussland nach München zog.

    Frau Gordienko, mit 21 Jahren im BA. Sind Ihnen Baumfällungen und Parkplatz-Debatten nicht zu langweilig? 

    Die Kommunalpolitik ist die Politik, in der man am schnellsten Veränderungen sieht, und zwar vor der eigenen Haustüre. Ich habe meine Meinungsfreiheit erst mit 15 Jahren erhalten, die möchte ich jetzt vollumfänglich ausleben.

    Sie beziehen sich auf Ihre Kindheit in Weißrussland? 

    Ich habe mich dort sehr vom diktatorischen Regime unter Druck gesetzt gefühlt. Ich wollte mein ganzes Leben von da weg.

    Nach München reiste Gordienko das erste Mal mit zwölf Jahren

    ... und nach München

    Ja. Meine Tante wohnt seit über 20 Jahren hier. Mit Zwölf habe ich sie das erste Mal besucht – mit dem Bus. Eineinhalb Tage hat das gedauert. Als ich aus dem Bus ausgestiegen bin, ist mir als erstes aufgefallen, dass die Luft hier ganz anders ist (lacht). Auf der Rückfahrt habe ich nur geweint und beschlossen, dass ich alles Mögliche und Unmögliche machen werde, um hierher zu ziehen.

    2014 hat das dann auch geklappt. Sie wurden im Internat des Max-Josef-Stifts aufgenommen. Was haben Ihre Eltern davon gehalten? 

    Sie waren komplett dagegen und wollten, dass ich mich statt der Schule lieber meiner Tenniskarriere widme. Als ich aber das Visum für den Schulbesuch erhalten habe, hatten sie keine Wahl mehr. Ich hatte mir zuvor schon heimlich deutsch und französisch beigebracht.

    Gordienko: Abi am Münchner Max-Josef-Stift mit 1,0

    Das hört sich ehrgeizig an. 

    Ich habe Zielstrebigkeit gelernt, weil ich von Klein auf immer auf dem Tennisplatz war. Ich war nicht so viel in der Schule und musste mir immer alles selber beibringen. Und ich glaube, das wende ich bis jetzt überall an. In der Schule habe ich viele Auszeichnungen bekommen, mein Abi mit 1,0 gemacht.

    Sie sind also der Inbegriff eines Überfliegers... 

    Ich kann es so erklären, dass ich Schule immer mochte. Aber ich hatte in Weißrussland nie eine richtige Möglichkeit, Wissen zu erwerben. Ich schätze das so sehr. Deshalb studiere ich auch zwei Studiengänge parallel.

    Gordienko: "Ich trenne wenig zwischen Freizeit, Uni, Politik, Arbeit."

    Bleibt da überhaupt noch Freizeit? 

    Alles, was ich politisch mache, ist meine Freizeit. Aber ich trenne schon ziemlich wenig zwischen Freizeit, Uni, Politik, Arbeit. Es macht mir einfach alles wahnsinnig Spaß.

    Interesse am Chefposten im Rathaus? 

    Nein (lacht), aber ich sehe mich schon langfristig in der Politik.

    Was möchten Sie im Viertel bewirken? 

    Durch Corona werden hohe Zahlen an häuslicher Gewalt befürchtet. Als Sozialausschussvorsitzende möchte ich mich im Bezirk vor allem für den Schutz der betroffenen Frauen und Kinder einsetzen.

    Sophia Oberhuber

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