Pläne der Stadt gefährden Zwischennutzung

Wegen Abriss: Ist der Traum vom Atelier geplatzt?

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In der Schäftlarnstraße 178 und Fraunbergstraße 4 waren Ateliers und Unterstützung örtlicher Bürgerinitiativen geplant.

Thalkirchen –  Seit Jahren kämpfen Künstler für eine kreative Zwischennutzung der Gebäude an der Schäftlarnstraße 178 und der Fraunbergstraße 4 – und sehen ihr Vorhaben durch Pläne der Stadt gefährdet

Die beiden Gebäude an der Schäftlarnstraße 178 und der Fraunbergstraße 4 stehen seit Jahrzehnten leer. Münchner Künstler wollen die Bauten als Ateliers nutzen. Vier Jahre nach Beginn der Gespräche mit der Stadt, wurde jetzt aber mitgeteilt: Aus der kreativen Zwischennutzung wird nichts, weil die Gebäude nun wohl doch abgerissen werden sollen.

Im Mai 2017 stellte Markus Henning das Konzept in der Bürgerversammlung vor – die Anträge wurden mit großer Mehrheit angenommen. Daraufhin nahmen die Verhandlungen mit der Stadt Fahrt auf: „Anfangs hieß es, wir erhalten 25 000 Euro Förderung für die Ateliers und die Stadt nimmt selbst noch einmal 25 000 in die Hand“, erläutert Tobias Sehr. 

Tobias Sehr (43) ist vom Verhalten der Stadt enttäuscht.

Im Laufe der Verhandlungen seien dann die Fördermittel der Stadt stetig geringer geworden. „Immer, wenn wir gesagt haben, dass wir alles akzeptieren, kamen sie mit der nächsten Bedingung.“

Mitte März kam die Information zum Abriss des 400-Quadratmeter-Gebäudes in der Schäftlarnstraße. Das ist für den 43-Jährigen unverständlich, nicht zuletzt, weil es noch nicht einmal einen Plan für einen Neubau gebe. 

Auch die Fraunbergstraße 4 wird wohl nicht für eine Nutzung freigegeben, „weil wir Künstler sind und das nötige Kleingeld nicht haben“, so Sehr. Die Miete für die 2 500 Quadratmeter unbeheizte Fläche der Stadt belaufe sich auf 3 500 Euro.

Birgit Unterhuber, Sprecherin des Kommunalreferats, teilte hingegen mit: „Die Gebäude an der Fraunbergstraße 4 sind nicht funktionsfähig und müssen für die geplante Zwischennutzung vom Kommunalreferat ertüchtigt werden.“ Das Kompetenzteam Kreativ- und Kulturwirtschaft sei mit der Realisierung von Zwischennutzungen in den Gebäuden und auf den Außenflächen aber weiterhin befasst.

Sophia Oberhuber

Update: So soll es jetzt weitergehen

Das Anliegen der Künstler war nun wieder Bestandteil der Bürgerversammlung des Bezirks 19 – offenbar mit Erfolg.

Im Mai 2017 stand Markus Henning bereits vor der Bürgerversammlung des Stadtbezirks 19 Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Soll. Fast zwei Jahre sind nun vergangen, sein Anliegen ist das gleiche geblieben: Münchner Künstler wollen die seit Jahrzehnten leerstehenden Gebäude an der Fraunbergstraße 4 und Schäftlarnstraße 178 als Ateliers zwischennutzen. 

Die Verhandlungen mit der Stadt sind zäh und gehen inzwischen fast vier Jahre. Nun sah es für Henning und seine Mitstreiter so aus, als würden die Gebäude schlussendlich doch einfach abgerissen werden beziehungsweise nicht zur Nutzung freigegeben. Deshalb bat der Künstler bei der Bürgerversammlung am Dienstag die Bewohner des 19. Bezirks um Hilfe: „Lasst uns das Areal wiederbeleben. Wir wollen es vielseitig nutzen und nicht nur auf Bretter starren.“ 

Henning beantragte, dass das Gelände dem Kulturreferat übertragen wird und der Abriss erst nach abgeschlossener Bauplanung erfolgt. Dazwischen sollten die Gebäude nutzbar sein. Er bat außerdem um finanzielle Unterstützung der Künstlerinitiative durch die Stadt. Das sei aber zweitrangig. 

Seine Anträge wurden von der Bürgerversammlung mit großer Mehrheit angenommen. Inzwischen hätte sein Konzept außerdem große Wellen geschlagen: Die Planungen für ein Künstleratelier seien Chefsache geworden und das Kommunalreferat würde sich noch einmal darum bemühen.

Sophia Oberhuber

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