Supermarkt der Zukunft

Erste Kasse ohne Kassierer – so geht Einkaufen in Pullach

MÜNCHEN/PULLACH Es piepst wie an einer normalen Supermarktkasse – jedes Mal, wenn der Kunde eine Milchtüte oder ein Päckchen Reis über den Scanner zieht. Dann ertönt eine Computerstimme: „Neunzehn Euro vierundsiebzig.“ EC-Karte in den Schlitz, Geheimnummer eintippen – fertig. Im neu eröffneten Edeka-Simmel Markt in Pullach kassiert sich der Kunde selbst ab – als erster Einzelhändler in München setzt Simmel auf Selbstbedienungs-Kassen. „Wir haben bereits in unserem Markt in Unterhaching gute Erfahrungen damit gemacht“, erklärt Marktleiter Sven Person. „Die Wartezeiten werden kürzer.“ Eine Kasse mit einer Kassierin, die Waren einscannt und dann auch das Geld in Empfang nimmt, sucht man bei Simmel vergebens. Neben den SB-Kassen gibt es die „Bedienzone“: Ein Mitarbeiter schiebt die Produkte über den Scanner, ein anderer kassiert. „Am Anfang haben die Kunden gedacht, wir wollen Personal einsparen“, sagt Person. „Dabei haben wir sogar mehr Personal im Kassenbereich.“ Auch an den SB-Kassen zeigen Mitarbeiter wie Andreas Müller den Kunden, wie sie den Strichcode auf den Packungen finden oder ihr Obst selbst abwiegen. „Wir müssen noch viel erklären“, sagt Müller. Erste Tests mit SB-Kassen in Deutschland gab es bereits 2003 – flächendeckend werden sie aber von keiner Supermarktkette eingesetzt. Auf lange Sicht werde es mehr Technik in den Supermärkten geben, sagt Bernd Ohlmann vom Einzelhandelsverband LBV. „Aber am Ende entscheidet der Kunde, ob sich das durchsetzt.“ ara Forscher tüfteln im Einkaufslabor an "sprechenden Produkten" Dr. Dietmar Dengler vom Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz leitet ein Einkaufslabor in Saarbrücken. Wie sieht der Supermarkt der Zukunft aus? SB-Kassen sind nur der Anfang. In unserem Labor erproben wir Assistenzsysteme für Kunden, wie den digitalen Sommelier. Wenn der Kunde Wein aus dem Regal nimmt, erfährt er auf einem Display Wissenswertes zum Anbaugebiet, oder zu welchen Speisen der Wein passt. Es gibt auch Einkaufswagen, die über einen Fingerabdruckscanner programmiert werden und den Kunden zu den Waren auf seiner Einkaufsliste führen. Oder sprechende Produkte: Wenn der Kunde ein Produkt nimmt, erhält er per Lautsprecher Informationen. Wann gibt es diese Neuheiten in der Praxis? Schwer zu sagen. Die Einführung wird in Stufen vor sich gehen. Denn Innovationen kosten ja auch Geld. Glauben Sie, dass der Kunde überhaupt so viel Technik beim Einkaufen will? Wenn ich den Familieneinkauf mache, wünsche ich mir schon mehr Unterstützung, Informationen über die Produkte oder Suchhilfen. Das würde das Einkaufen erleichtern. Aber man muss natürlich vorsichtig vorgehen und darf den Kunden nicht verschrecken. ara

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