Diese Biologin sorgt sich um die Sicherheit zahlreicher Vogelarten

Rodung im Fürstenrieder Wald: Waldpflege oder Kommerz?

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Bis vor einer Woche standen hier noch Bäume. Jetzt blickt Gisela Krupski auf die Holzstämme im Fürstenrieder Wald.

Fürstenried – Zahlreiche Bäume fielen der Säge zum Opfer: „Zu viele“, findet Anwohnerin und Biologin Gisela Krupski. Ihr Urteil: „Das, was hier passiert, ist Nutzung zu finanziellen Zwecken.“

Wenn Biologin Gisela Krupski jetzt durch den Wald vor ihrer Haustüre spaziert, sieht sie statt Artenvielfalt nur noch umgeholzte Bäume. Vor etwa einer Woche führte die städtische Forstverwaltung des Kommunalreferates Baumfällarbeiten im Fürstenrieder Wald durch. Die Folgen für die Natur machen Krupski große Sorgen.

Weil im Jahr 1990 ein großer Teil der Bäume einem Sturm zum Opfer fiel, wurde ein Laubwald gesät. „Es wurden damals viel zu viele Bäume gepflanzt.“, kommentiert Krupski. Der Laubwald wurde nun ausgedünnt. „Wir holzen den Wald natürlich nicht ab, sondern helfen ihm, sich richtig zu entfalten“, sagt Kommunalreferentin Kristina Frank zu den Arbeiten im Fürstenrieder Wald. Mit der richtigen Baumpflege wolle die Stadt den Laubmischwald fit für die Zukunft machen.

Laut Biologin Gisela Krupski seien zahlreiche Vogelarten durch die massiven Rodungsarbeiten bedroht.

Doch Krupski sieht das anders: „Dem Wald ein bisschen zu helfen, ist natürlich postiv. Aber das, was hier passiert, ist Nutzung zu finanziellen Zwecken.“ Elf sogenannte Rückegassen zählt die Biologin auf dem Gebiet. Rückegassen sind unbefestigte Wege, die zum Transport der abgeholzten Bäume dienen.

Besonders am Waldrand haben solche Baumfällungen massive Folgen. An der Forst-Kasten-Allee befindet sich ein Grünstreifen, in dem sich vor allem viele Zugvögel aufhalten. Die Biologin zählte im Jahr 2017 rund 37 verschiedene Vogelarten in ihrer Nachbarschaft. Die sind jetzt in Gefahr. Viele Nistplätze sind den Baumfällungen zum Opfer gefallen. „Man kann immer sagen, dass die Vögel wegfliegen können. Aber irgendwann ist für Vögel dann kein Platz mehr“, klagt die Biologin.

Einigen Arten fehle jetzt auch die Futterquelle: Der Waldkauz ernähre sich zum Beispiel von Mäusen. Die fühlen sich auf dem von den Maschinen durchpflügten Boden nicht mehr wohl. Eigentlich soll der Waldboden geschont werden. Doch durch den Einsatz von sogenannten Harvestern werde der Boden laut Krupski stark verdichtet und über Jahrzehnte beschädigt.

Auch um die Bäume im benachbarten Landschaftsschutzgebiet macht sich die Biologin Sorgen. Zumal die Rückegassen ihren Aussagen zufolge bis in diesen Bereich führen. Die Bäume dort seien sehr alt und das Holz wertvoll. Wie nachhaltig Schäden sind, erklärt Krupski mit einem Beispiel: „Vor einigen Jahren wurde ein Bergahorn abgeholzt. Noch immer klafft dort eine riesige Lücke im Blätterdach.“

Sophia Oberhuber

Welche Bäume vorrangig weichen müssen

Im Fürstenrieder Wald fielen zuletzt zahlreiche Bäume der Säge zum Opfer.

Entlang einer Rückegassen fällen Arbeiter die Bäume in Richtung des Harvesters, einer Holzerntemaschine. Das Prinzip: Birken und Pappeln unterdrücken meist Eichen und müssen deshalb gefällt werden. Seltenere Arten wie Kirschbäume haben gegen dominante Sorten wenig Chancen. Ihnen soll mit der Fällung geholfen werden. Zumindest das sei laut Gisela Krupski auch im Fürstenrieder Wald geschehen: „Viele der Kirschen und Hainbuchen blieben stehen.“

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