Nein zur Nachverdichtung

BI „Pro Fürstenried“ fordert Einhaltung der Abstandsflächen in der Appenzeller Straße

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Im Schweizer Viertel sollen insgesamt knapp 600 neue Wohnungen entstehen – unter anderem sollen auf Bestandsgebäude an der Ecke Appenzeller Straße und der Forst-Kasten-Allee fünf- bis zwölfgeschossige Bauten aufgesetzt werden.

Fürstenried: Im Münchner Süden wird an allen Ecken und Enden geplant und gebaut – doch bei vielen Anwohnern stößt das auf vehementen Widerstand.

Auch eine Nachverdichtung im Schweizer Viertel ist längst beschlossene Sache: 600 zusätzliche Wohneinheiten sollen auf dem Areal entlang der Appenzeller Straße, Bellinzonastraße, Graubündener Straße, Zuger Straße und der Forst-Kasten-Allee entstehen, darunter Hochhäuser mit bis zu 16 Stockwerken. Ende 2016 wurde der Siegerentwurf eines vorausgegangenen Architektenwettbewerbs gekürt – doch ein Großteil der Bürger hegt Groll gegen das Projekt, und selbst langjährige Anwohner spielen mit dem Gedanken, aus dem Viertel wegzuziehen (Hallo berichtete).

Andreas Art, Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative „Pro Fürstenried“

Andreas Art (kl. Foto), Vorstandsmitglied der eigens zu diesem Thema ins Leben gerufenen Bürgerinitiative „Pro Fürstenried“, hat nun die jüngste Bürgerversammlung genutzt, um sich mit seinem Antrag erneut gegen die Nachverdichtung in Fürstenried West stark zu machen. Der Fürstenrieder, der selbst im betroffenen Areal lebt, fordert die Stadt auf, sämtliche im Bauordnungsrecht und Bauplanungsrecht enthaltenen gesetzlichen Vorgaben zu Abstandsflächen bei den Planungen einzuhalten. 

Art bezieht sich mit seinem Antrag auf eine Ankündigung der Stadt, auf dem betroffenen Areal auf diese Vorgabe zu verzichten. Der Hintergrund: Durch die vorgesehene Änderung des Bebauungsplanes könnte das Areal dichter bebaut werden, als es die eigentlich vorgeschriebenen Mindestabstände zwischen Einzelgebäuden in der Regel erlauben. Mit seinem Antrag erhofft sich Art, diesem Vorgang Einhalt zu gebieten. „Wenn die Stadt sich an das eigentliche Bauordnungs- und Planungsrecht halten würde, wären der Dichte der Bebauung im Schweizer Viertel bereits deutliche Grenzen gesetzt“, erklärt der Fürstenrieder, „es wäre keinesfalls mehr möglich 600 Wohnungen auf dieses kleine Gebiet zu pferchen.“

Themen wie Bauplanung und Nachverdichtung sind Andreas Art nicht fremd: Mehr als ein Jahrzehnt war er Mitglied im Bezirksausschuss Maxvorstadt. Die Planungen für Fürsten­ried West bezeichnet er als „eine für den Ortsrand städtebaulich unzumutbare Verdichtung“. Als Beispiel verweist er auf die Ecke Appenzeller Straße und Forst-Kasten-Allee – dort sollen bis zu zwölf Stockwerke auf die Bestandsgebäude aufgesetzt werden. „Durch die geplante Bebauung erhält man den Eindruck, dass die Stadt glaubt, unser Viertel hat schon so viele Hochhäuser, dass man es nun mit unstrukturiertem Aktionismus auf ewig zubetonieren kann“, sagt Art.

Die Unterstützung aus dem Viertel ist der Bürgerinitiative „Pro Fürstenried“ auf jeden Fall sicher: Mit großer Zustimmung wurde Arts Antrag angenommen – und es war nicht der einzige seiner Art. Eine Vielzahl der Anliegen bei der jüngsten Bürgerversammlung thematisierten die Nachverdichtung und den „städtischen Bauwahnsinn“ im Viertel.

Bezirksausschuss-Vorsitzender Dr. Ludwig Weidinger bestätigt, dass im 19. Stadtbezirk bald 100 000 Menschen leben könnten – schon heute sind es etwa 96 000. Bis 2030 könnte der Stadtteil sogar zum zweitgrößten Münchens werden.

Andreas Art betont indes, dass die Bürger­initiative „Pro Fürstenried“ sich keineswegs grundsätzlich gegen neue Wohnungen ausspreche. Vielmehr sei es die maßlose Verdichtung im Viertel, die man unterbinden wolle. „Wohnungen sind Zellen einer Stadt“, erklärt er, „aber eine unkontrollierte und schnelle Vermehrung von Zellen nennt man beim Menschen Krebs – und das kann auch für eine Stadt gelten.“

Vanessa Hahn

Bei einer öffentlichen Erörterung am Dienstag, 11. Juli, präsentiert die Stadt im Bürgersaal Fürstenried, Züricher Straße 35, den aktuellen Planungsstand. Beginn ist um 19 Uhr.

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