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Mehr Wohnungen, weniger Grün

Nachverdichtung: 660 statt 540 Wohnungen – aktuelle Pläne schockieren Bürgerinitiative

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An der Appenzeller Straße soll ein Quartiersplatz mit Einzelhandel und Gewerbe entstehen.

Das Nachverdichtungsprojekt in Fürstenried West ist umstrittener denn je. Wie hart die Bürgerinitiativen den Bezirksausschuss nun angehen und was dieser zum aktuellen Planungsstand sagt...

Fürstenried – Seit die Bayerische Versorgungskammer (BVK) 2015 ihr Nachverdichtungsprojekt rund um die Appenzeller Straße ankündigte, wehren sich Anwohner gegen das Vorhaben. Nun nahm der Bezirksausschuss (BA) Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln zum aktuellen Planungsstand Stellung. Es folgte massive Kritik durch beteiligte Bürgerinitiativen.

Ursprünglich sah der Entwurf für die Bebauung in Fürstenried West 540 Wohnungen vor (Hallo berichtete). Die Planung der BVK stieg zunächst auf 600 Wohnungen und beträgt aktuell maximal 660 Wohnungen. „Wir haben vom Stadtrat den klaren Auftrag erhalten, zu prüfen, inwieweit die Gebäude optimiert werden können“, begründet Hendrick Müller von der BVK die Steigerung der Zahl an Wohnungen. Das Ziel sei die Deckung des Wohnungsbedarfes. 

Kurt Grünberger (Mitte) von Pro-Fürstenried.

Das kann Thorsten Vogel, Sprecher des Planungsreferates, bestätigen: „Es ist grundsätzlich Ziel des Stadtrates, möglichst viel insbesondere bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“ Im Rahmen der Stadtratsbehandlung sei der Wunsch geäußert worden, die Zielzahl von 600 Wohnungen zu erreichen. Einen expliziten Antrag zur Erhöhung – auf 600 oder 660 – gebe es nicht.

„Die Zahl wurde ohne Bürgerbeteiligung festgelegt. Es ist bedenklich, was man den Bürgern hier politisch zumutet“, kommentiert Kurt Grünberger von Pro-Fürstenried. „Es entsteht der Eindruck, dass sich die BVK aufgrund politischer Beziehungen mehr erlauben kann als andere.“ 

Auf Nachfrage beim Planungsreferat äußert sich Sprecher Vogel zu den Vorwürfen: „Die relevanten Entscheidungen trifft der Stadtrat mit den erforderlichen Beschlüssen.“ Antje Tetenborg, Sprecherin der BVK, stellt fest: „Wir durchlaufen, wie alle Investoren, das Bebauungsplanverfahren nach dem Baugesetzbuch. Wir haben schon deutlich mehr Zeit in die Planungen gesteckt als es das Baurecht vorsieht “

„Dramatische Verschlechterung der Lebensqualität“

Während die CSU das Projekt kritisierte, betonten vor allem FDP und Grüne positive Aspekte: „Ich habe Vertrauen, dass der Investor für bezahlbaren und langfristigen Mietbestand sorgt“, kommentierte Alexander Aichwalder (Grüne). Dem schließt sich Richard Ladewig (FDP) an: „Wir müssen zum Projekt heute ‚Ja‘ sagen.“ Das tat das Gremium dann mehrheitlich und sprach sich gegen einen Großteil der Kritik der CSU aus. Sehr zum Unmut von BA-Chef Ludwig Weidinger (CSU): „Wir dürfen nicht alles schön reden.“

„Ich fühle mich von so einem BA nicht vertreten“, sagt Gisela Krupski vom Forum Lebenswertes München. Christoph Söllner von Pro-Fürstenried wird deutlich: Der BA treffe „nicht konkrete Pauschalaussagen, die dramatische Verschlechterungen der Lebensqualität von vielen Menschen zur Folge haben werden.“ Von einem „unvorbereiteten“ und „bedeutungslosen“ BA „ohne Rückgrat“ ist in der Stellungnahme des Vereins die Rede.

Bemängelt wird auch ein unzureichendes Verkehrskonzept: „Ich weiß jetzt schon nicht mehr, wie ich mit dem Auto rauskommen soll“, so Anwohnerin Claudia Kaiser. Die CSU befürchtet zudem, dass sich der Parkdruck bei einem Stellplatzschlüssel von 0,53 dramatisch erhöhen wird. Das Mobilitätskonzept mit E-Ladestationen, Car-Sharing und Busanbindung soll laut Reinhold Wirthl (CSU) nur vom wahren Problem ablenken: dem zu befürchtenden Chaos durch Individualverkehr. Die Mehrheit im Gremium sieht im Mobilitätskonzept eine politische Entscheidung: weg vom privaten Auto und hin zu alternativen Lösungen.

Sophia Oberhuber

„Lob des BA ist skandalös“

Die Baumgruppen im Osten des zukünftigen Quartiers werden im Zuge der Bebauung gefällt.

Der Nachverdichtung in Fürstenried West wird mehr als ein Viertel des Baumbestandes weichen müssen. Die Versiegelung des Gebietes nimmt um 30 Prozent zu. Der Bezirksausschuss (BA) will dem mit übergrünten Tiefgaragen und Bepflanzung entgegenwirken.

Positiv bewerteten die Grünen die Freihaltung des westlichen Grünzugs. Das reicht Gisela Krupski , Initiatorin des Forums Lebenswertes München, nicht: „Das Lob des BA für die Bayerische Versorgungskammer, dass sie uns den Grünzug unbebaut lässt und auch auf versiegelte Flächen baut, ist angesichts der massiven geplanten Eingriffe in die Siedlungsstruktur völlig verfehlt, ja skandalös.“ 

Insbesondere schockieren Krupski aber die Baumfällungen: „Massive Baumfällungen und Versiegelungen kann man nicht durch Nachpflanzung von kleinen Bäumchen und Dachbegrünungen auffangen – in Zeiten des Klimawandels und zunehmender Luftverschmutzung durch das anstehende Verkehrchaos.“

Informationen zur Bebauung

Am Donnerstag, 18. Juli, lädt die BVK zu einer Informationsveranstaltung im Spectaculum Mundi, Graubündener Straße 100. Beginn ist um 18.30 Uhr.

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