Aus einem Haus werden acht

Sie kämpfen gegen die Nachverdichtung

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Von ihrem Grundstück aus können Gerda und Helmut Haslinger direkt auf die Baustelle nebenan schauen. Der Abriss des 1935 erbauten Hauses hat bereits begonnen.

Solln – Eigentlich war es stets idyllisch Dr.-Carl-von-Linde-Straße: Doch Neubaupläne der Link GmbH bereiten den Anwohnern Bauchschmerzen – sie ziehen deshalb vor Gericht

Helmut Haslinger und seine Frau Gerda leben seit 20 Jahren in ihrem Haus in der Dr.-Carl-von-Linde-Straße. Dann der Schock: Das benachbarte Gebäude wird abgerissen. Auf der gleichen Fläche sollen bald acht Häuser stehen. Gegen die Baugenehmigung geht das Paar gerichtlich vor – und hofft, dass sie den Neubau doch noch verhindern können.

Der 80-Jährige ist geborener Sollner. Das Grundstück direkt neben seinem Haus kaufte er im April vergangenen Jahres. Dort will Haslinger ein idyllisches Zithermuseum errichten. Seit 35 Jahren baut er die Saiteninstrumente mit großer Leidenschaft und hat dafür 1997 sogar den Bayerischen Staatspreis verliehen bekommen. 

Neben dem geplanten Museum wird es in Zukunft aber wohl eng werden: Da das bisherige Doppelhaus an der Georg-Strebl-Straße lediglich ein Viertel der Fläche des Grundstücks belegte, will der neue Eigentümer, die Link GmbH, den Platz ganz ausschöpfen.

Laut Ingo Trömer vom Planungsreferat ist die Errichtung von acht Reihenhäusern geplant – und auch bereits genehmigt. „Alle Bauvorschriften wurden eingehalten“, so Daniel Alexowsky von der Link GmbH. Der Bau soll im Laufe des Jahres beginnen.

„Es wird alles unter dem Deckmantel der Nachverdichtung willkürlich zerstört. Die erdrücken uns“, klagt die 67-Jährige. Durch die großflächige Bebauung wird ihr Grund an Wert verlieren: „Das ist eine moderne Enteignung der Nachbarn.“ 

Vorwürfe machen sie vor allem der Lokalbaukommission. Einwendungen gegen den Bauantrag wären erfolglos gewesen: „Es wurde trotzdem nur nach einfacher Form geprüft – mit der Begründung, dass die Maßnahmen für die Nachbarn erträglich sind“, erläutert Haslinger. Die Anwohner fordern: „Wir wollen, dass sie die Baugenehmigung zurücknehmen.“

Um ihr persönliches Idyll kämpfen die Sollner bereits seit knapp einem Jahr vor Gericht. Ihre Klage wurde nun auch in zweiter Instanz vom Bayerischen Verwaltungsgericht abgeschmettert. Trotzdem geben sie nicht auf: „Notfalls gehen wir bis zum Bundesverwaltungsgericht.“

Sophia Oberhuber

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