Gewalt statt Idyll

Am Hinterbrühler See: Schlichter für den Schwanen-Streit?

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„Immer mehr Leute werden handgreiflich!“ – Simone T. klagt über die Aggressivität am Hinterbrühler See.

Thalkirchen - Der Streit um tote Schwäne durch freilaufende Hunde geht in die nächste Runde: Hundehalter greifen immer öfter Fußgänger an. Mediatoren sollen jetzt Konflikte lösen

Der eigentlich idyllische See sorgt immer mehr für Ärger. Grund sind freilaufende Hunde, die immer häufiger Tiere töten.

Ein Schwanenpaar treibt im Wasser, in den Bäumen zwitschern Vögel und Spaziergänger genießen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen – es könnte so idyllisch sein am Hinterbrühler See. „Doch hier herrscht der absolute Ausnahmezustand“, klagt Simone T. Die Harlachingerin kommt so oft es geht an den See, um von ihrem stressigen Alltag als Fachschwester für Anästhesie und Intensivmedizin zu entspannen.

Doch am See findet Simone T. mittlerweile keine Erholung mehr – regelmäßig eskalieren dort Konflikte zwischen Hundehaltern und Spaziergängern. Denn: Viele Hundebesitzrer halten sich nicht an die Leinenpflicht, den Natur- und Vogelschützern geht das gegen den Strich. Und die Streitigkeiten werden immer heftiger: „Mittlerweile kommt es regelmäßig zu aggressiven Ausschreitungen und heftigen Streitigkeiten, bis hin zu körperlichen Angriffen“, klagt die Harlachingerin. Für eine Bekannte von Simone T. endete ein solcher Streit sogar im Krankenhaus: Auf die Leinenpflicht angesprochen rastete ein Mann sofort aus, schlug der 70-Jährigen ins Gesicht, sie stürzte. Die Seniorin erstattete Anzeige bei der Polizei.

Strengeres Hundeverbot gefordert

Simone T. fordert nun ein strenges Hundeverbot. Denn: Trotz Hinweisschildern würden die Hundehalter stur bleiben. Und: „Man traut sich ja kaum mehr jemanden anzusprechen!“ Die wüsten Beschimpfungen seien mittlerweile alltäglich. Klaus Pfeuffer, Chef der Kontaktbeamten der zuständigen Polizeiinspektion (PI) 29 erklärt auf Hallo-Nachfrage: „Der See gilt bisher noch nicht als Brennpunkt mit außerordentlichem Gefahrpotenzial, die betreffende Anzeige ist der Polizei aber bekannt.“ Auch dem zuständigen Bezirksausschuss werden immer wieder Probleme gemeldet – ein Antrag zum Hundeverbot ist in der Vergangenheit allerdings gescheitert. „Wir sind in Kontakt mit dem Allparteilichen Konfliktmanagement AKIM, die Mediatoren sollen künftig am See zwischen den Parteien vermitteln, bevor Streitigkeiten eskalieren“, sagt BA-Mitglied Jürgen Gerhards (SPD).

In Thalkirchen gibt es immer wieder Ärger, weil nicht angeleinte Hunde die Wasservögel jagen und töten

Für Tierliebhaberin Simone T. hingegen brachte ein Vorfall Anfang Januar das Fass zum Überlaufen: Am Nordufer des Sees entdeckte sie die blutverschmierten Überreste eines gerupften Schwans – eine Zeugin berichtete ihr von zwei Hunden, die kurz zuvor über das Jungtier hergefallen waren. Die Harlachingerin ist selbst Hundebesitzerin, doch die Situation am See macht sie traurig und wütend – „Ich frage mich, ob erst noch Schlimmeres passieren muss, damit Hunde endlich verboten werden.“ Vanessa Hahn

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