Eis-Zeit am Hinterbrühler See

Frostige Stimmung bei Hermann Bürk (2. v. re.) und seinen Sportfreunden: Die Eisstockschützen haben in diesem Winter noch keinen Tag auf dem Hinterbrühler See spielen dürfen.

»Betreten verboten«: Pächterin darf Gewässer nicht freigeben – Stockschützen stinksauer

München Hermann Bürk und seine Freunde sind sauer. Seit Jahrzehnten treffen sich die Ruheständler im Winter am dem Hinterbrühler See zum Eisstockschießen. „Wir schießen hier seit 30 Jahren“, sagt der 76-Jährige, der schon als kleiner Bub auf dem See herumschlitterte. Doch damit ist jetzt Schluss – die Stadt hat das Betreten der Eisfläche untersagt. Grund: Das Eis sei noch nicht dick genug. „Die städtischen Seen werden ab 15 Zentimetern Eisdicke frei gegeben“, sagt Nina Lindinger vom zuständigen Baureferat. Die Eisstockschützen sind fassungslos. „Eine Ur-Münchner Tradition geht hier verloren“, empört sich Hermann Bürk. Der Kampf am Hinterbrühler See geht damit in die nächste Runde – schon in den letzten Jahren kam es immer wieder zu Unstimmigkeiten zwischen den Stockschützen und der Stadt. „Die Polizei hat die Leute sogar schon vom Eis gefegt“, so die Pächterin der am See liegenden Gaststätte „Seehaus“, Anneliese Biebl. Jetzt hat sich die Situation noch zugespitzt: Durfte Anneliese Biebl bislang den gepachteten Teil des Gewässers selbst freigeben, schreibt ihr nun ein neuer Vertrag vor, das Betreten des Sees erst ab 15 Zentimetern Eisdicke zu erlauben. „Das ist reinste Schikane! So kalt kann es bei uns gar nicht werden“, empört sich Biebl, die den See seit Jahren ab zehn Zentimetern Eisdicke freigab. „Auf dem Nymphenburger Kanal lassen sie die Leute schon ab acht Zentimetern aufs Eis“, meint sie und klagt: „Sogar mit dem Entzug der Pacht hat man mir gedroht, wenn ich den Vertrag nicht unterschreibe. Auf dem öffentlichen Teil sind dauernd Leute, die nicht vertrieben werden. Da muss ich mich schon sehr wundern“, kritisiert sie. Nina Lindinger vom Baureferat dementiert die Vorwürfe: „Natürlich ist auch der öffentliche Teil des Hinterbrühler Sees nicht freigegeben. Die 15 Zentimeter gelten für alle städtischen Seen. Die Stadt will hier keine Spaßbremse sein, sondern der Gefahr des Einbrechens vorbeugen“, betont die Sprecherin. Aufgrund seiner Wasserzuläufe gefriere der Hinterbrühler See langsamer und ungleichmäßiger als ein ruhendes Gewässer, wie etwa der Nymphenburger Kanal (siehe Kasten unten). In den letzen Jahren habe es bereits mehrere Versuche gegeben, auf den Pächter einzuwirken, das Eis unter 15 Zentimetern nicht freizugeben. „Es ist ein länger schwelender Konflikt“, so Lindinger. Sie bestätigt: „Im Zuge der turnusmäßigen Aktualisierung des Pachtvertrages hat man nun diesen Punkt vertraglich geregelt.“ Anneliese Biebl bleibt damit nichts anderes übrig, als sich strikt an die Auflagen zu halten – mit bitteren Konsequenzen: „Ich habe im Winter Einbußen von mehreren tausend Euro und massenhaft Anrufe von enttäuschten Wintersportlern“, schimpft die Münchnerin. Daniela Schmitt Hallo-Service: Die schönsten Eisparadiese der Stadt Wintergaudi am Kanal, am See, auf der Stockbahn Was gibt es Schöneres für Wintersportler, als auf natürlichem Gewässer den Eisstock schlittern zu lassen? Doch für die Eisgaudi muss es viele Tage ordentlich kalt sein. Die städtischen Seen werden erst ab einer Eisdicke von 15 Zentimetern freigegeben. Zu ihnen gehören die Seen im Westpark, der Regattasee, der Riemer See, der Ostparksee, der Lerchenauer See, der Feldmochinger- und Fasaneriesee, der Luss-, Langwieder- und Birkensee, der Hinterbrühler See, der See im Zamilapark und der Schwabinger See im Wohngebiet Berliner Straße. Informationen zur Freigabe der Eisfläche gibt die Grünanlagenaufsicht unter der Telefonnummer 233 27 656. Für den Nymphenburger Kanal ist die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung zuständig. Hier tummeln sich die Wintersportler früher als auf den anderen Seen. Pächter Herbert Fesl erklärt, warum: „Wegen seiner geringen Wassertiefe und der Ost-West Ausrichtung ist der Schlosskanal besonders sicher und deshalb von allen natürlichen Gewässern in München als erstes eingefroren.“ Fesl gibt den Kanal ab zehn Zentimetern Eisdicke frei. Wenn das Eis mitspielt, sind auf dem Kanal über 40 Bahnen von 10 bis 22 Uhr (mit Flutlicht) bespielbar. Infos gibt Herbert Fesl telefonisch unter der Handynummer 0179/10 77 187. Vorsicht beim Kleinhesseloher See: Obwohl das Schlittschuhfahren im Englischen Garten eine lange Tradition hat, ist es dort seitens der Bayerischen Schlösserverwaltung verboten, da der See von einem fließenden Gewässer durchflossen wird und das Eis deshalb unregelmäßig dick ist. Absolut sicher hingegen sind die vielen öffentlichen Stockbahnen im Stadtgebiet, zum Beispiel an der Maßmannstraße, am Bayernplatz, an der Tengstraße, an der Flurstraße, an der Lothringer Straße (Postwiese), an der Südparkallee, in der Zielstattstraße, im Westpark, Am Hopfengarten, am Georg-Freundorfer-Platz, am Gollierplatz, an der Rathenaustraße, an der Sondermeierstraße, an der Wallnerstraße, am Joseph-Hörwick-Weg, im Ostpark, an der Ständlerstraße, an der Untersberg-/Weißenseestraße, in den Isarauen (Freizeitzentrum Obere Isarau), in der Bleibtreustraße, An der Floßlände, an der Forst-Kasten-Allee (Freizeitzentrum), an der Wiesentfelser Straße, an der Weitlstraße/Gundermannstraße und an der Willibaldstraße. das

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