Er bringt Temis Baby zur Welt

Freudige Begrüßung: Temi hat Thomas Günther in ihr Elefantenherz geschlossen. So kurz vor der Geburt ist der Pfleger ständig bei ihr. Foto: Schmitt

Pfleger Thomas Günther kennt die Elefantenkuh seit ihrer Geburt – jetzt erwartet sie selbst Nachwuchs

Harlaching Jetzt wird es Ernst für Temi – die Elefantenkuh aus dem Tierpark Hellabrunn ist hochschwanger, voraussichtlich Mitte April wird sie ihr Junges zur Welt bringen. In diesen Tagen immer an ihrer Seite: Tierpfleger Thomas Günther. Dabei ist der 39-Jährige weit mehr als ein Geburtshelfer. Die beiden verbindet eine alte Freundschaft, die vor neun Jahren in Berlin begann... Günther kennt Temi seit ihrer Geburt im Berliner Zoo. „Sie war das erste lebend geborene asiatische Elefantenbaby im Tierpark Berlin, ich war bei ihrer Geburt dabei“, erzählt er. Im Oktober 2006 zog Temi dann nach Hellabrunn um, Günther folgte ihr ein halbes Jahr später. Jetzt wird er dabei sein, wenn Temi selbst Mama wird – und sie dabei unterstützen, wo er nur kann. Zu tun gibt es viel: „Wir sind ständig in Alarmbereitschaft. Jede kleine Verhaltensänderung von Temi kann ein Anzeichen für die Geburt sein“, sagt Günther. 630 Tage ist Temi jetzt schwanger, „man rechnet normalerweise damit, dass ab 640 bis 650 Tagen die Wehen einsetzen“, sagt der Elefanten-Experte. Drei Mal in der Woche nehmen die Tierpfleger Temi in dieser heißen Phase Blut ab, „sinkt der Hormonspiegel unter einen bestimmten Wert, steht die Geburt kurz bevor und die Nachtwache beginnt“. Jeweils zwei Pfleger werden dann in acht Stunden-Schichten über Kameras den Stall beobachten. „Wenn es losgeht, alarmieren die Wachen vor Ort sofort die anderen Kollegen und Ärzte“, sagt Günther, der innerhalb von Minuten von seiner Wohnung in Thalkirchen im Stall sein kann. Bei der Geburt muss jeder Handgriff sitzen. „Wir haben alle möglichen Stationen der Geburt durchgespielt.“ Und so weiß Temi auch bestens Bescheid – etwa wenn es mitten in der Nacht plötzlich hell wird und mehrere Pfleger und Ärzte hereinlaufen. Damit sich die werdende Mama nicht aufregt, findet die Geburt in ihrem normalen Umfeld statt. „Temi hat den Schutz der Herde, ihre Freundinnen können zuschauen. In einer eigenen Mutterbox ist aber ausreichend Platz, falls Temi ausschlägt“, sagt Günther. Weil es vorkommen kann, dass die Mutter auf ihr Kind losgeht, müssen die Pfleger sofort reagieren – und das Kleine aus ihrer Reichweite bringen. Diese Aufgabe übernehmen normalerweise die anderen Elefantenkühe. Aber weil Temis Freundinnen noch nie eine Geburt miterlebt haben, springen die Pfleger als Ammen ein. Doch dass was schief geht, darüber muss sich Temi keine Sorgen machen – ihr alter Freund wird zur Stelle sein, um ihr Baby in Empfang zu nehmen. Daniela Schmitt Elefanten im Tierpark Hellabrunn Die Elefantenzucht im Tierpark Hellabrunn stand bisher unter keinem guten Stern: Temis Junges wäre die erste Elefantengeburt seit 67 Jahren mit glücklichem Ausgang. Zwar brachte Elefantenkuh Panang im Dezember 2009 Jamuna zur Welt, doch das Kleine starb ein halbes Jahr später an einer seltenen Knochenkrankheit. Deshalb fiebern die Zoo-Mitarbeiter umso gespannter der Geburt entgegen – Temis Junges wäre der Durchbruch in Sachen Elfentenzucht in Hellabrunn. Im Münchner Zoo leben derzeit fünf Elefantendamen. Der künftige Papa Gajendra ist wegen der Sanierung des Elefantenhauses vorübergehend im Leipziger Zoo untergebracht.

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