„Das ist eine Zumutung am Bahnhof“

Bahnhof Solln: Weil Steg gesperrt ist, laufen Fahrgäste über die Schienen

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Weil der Fußgängersteg am S-Bahnhof Solln schon seit Monaten gesperrt ist, laufen Fahrgäste direkt über die Gleise, um ihre Anschlusszüge zu erreichen.

Die Bewohner im Münchner Süden sind zornig, frustriert und begeben sich in Gefahr. Schuld ist der seit Monaten gesperrte, längst baufällige Fußgängerzugang am S-Bahnhof Solln.

Sowohl die Zugänge von S-Bahn, der Bayerischer Oberlandbahn als auch zu den Bushaltestellen ist für beide Richtungen bereits seit November geschlossen. Die Wut der Bürger ist so groß, dass in letzter Zeit immer wieder Absperrgitter gestohlen wurden.

Für Ehepaar Hueber (links) und Sybille Hoy (rechts) ist der Gang zur S-Bahn durch den abgesperrten Fußgängerzugang ein Ärgernis. An Anschlussbusse ist nicht mehr zu denken.

Grund für die Sperrung waren während der Wintermonate Riffelbleche, die bröckelnden Zement und die bereits deutlich baufällige Treppenstruktur überdeckten und eine Rutschgefahr darstellten. Jetzt im Frühling sind die dringend sanierungsbedürftigen Treppen aber nach wie vor nicht zugänglich.

„Das ist doch absolut unlogisch!“ Das Ehepaar Hueber ist wie hunderte Anwohner Sollns auf ihren täglichen Fahrten in die Münchner Innenstadt betroffen.

Nicht nur lange Umwegeverschärfen die Situation am S-Bahnhof Solln.Immer öfter beobachtet S-Bahn-Pate und Bezirksausschuss-Vorsitzender Reinhold Wirthl (CSU), dass Menschen lebensgefährlich vom Bahnsteig direkt über die schlecht einsehbaren Gleise laufen, um ihre Anschlüsse zu erreichen.

Es hat sich sogar schon ein Trampelpfad gebildet.

„Wer trägt die Verantwortung, wenn etwas passiert?“, fragt Wirthl im mittlerweile dritten Antrag an die Bahn, der bisher unbeantwortet blieb. „Diejenigen, die nichts zur Sanierung unternommen haben, stehen zumindest moralisch mit in der Verantwortung“, sagt er.

Anwohnern und Lokalpolitikern zufolge gehört die Treppe bereits seit Jahren schlichtweg abgerissen. „Das ist doch nur noch gefährlich. Die Treppen sind total schepps, notdürftig mit Blechen geflickt und viel zu steil für ältere Menschen oder Personen mit Gepäck“, beschwert sich Rentnerin Sybille Hoy.

Längst müsse ein Bahnhofszugang gebaut werden, der auch bei Eis und Schnee nutzbar wäre und mit einer Rampe Fahrgäste mit Gepäck oder Kinderwagen entlasten könne.

Schon im November 2016 forderte der Bezirksausschuss Solln (BA) eine möglichst dauerhafte Lösung, damit der marode S-Bahn-Zugang wieder benutzerfreundlich wird. Eine Antwort hat der BA von der Bahn bis heute noch nicht bekommen.

Auf direkte Nachfrage antwortete ein Bahnsprecher: „Wir gehen davon aus, dass die Fahrgäste den Steg nach den abgeschlossenen Reparaturarbeiten bald wieder nutzen können. Um dauerhaft bei Eis und Schnee einen verkehrssicheren Abgang garantieren zu können, müssen Steg und Treppenabgang komplett erneuert werden. Das kann wohl erst ab Mitte 2018 erfolgen.“

Die Einwohner Sollns müssen also im kommenden Winter wieder mit einer Sperrung an den Gleisen rechnen.

Das Ehepaar Hueber ist entsetzt: „Sollen sie diese schiefe Falle doch lieber gleich abreißen, bevor ein Mensch stirbt.“
Julia Langhof

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