„Bitte erhaltet unser Hexenhäusl!“

Anwohnerin verlangt Sanierung der historischen Hütte im Forstenrieder Park

+
Anwohnerin Karin Szameitat ist von den aktuellen Zuständen des historischen Hexenhäusls entsetzt.

Forstenried: Geister sollen hier ihr Unwesen treiben – das Hexenhäusl im Forstenrieder Park ist Karin Szameitats liebster Ort. Doch nach Vandalismus verfällt die Hütte.

München, 1918. Mitten im Forstenrieder Park erlegt König Ludwig III während seiner letzten Hofjagd einen Hirsch. Etwa seit dieser Zeit steht das sagenumwobene Hexenhäusl im Park (siehe unten). Bürger erzählen sich, dass seit seiner Erbauung Geister darin hausen und immer mal wieder nachts das erlegte Wild von damals am Hexenhäusl vorbeiläuft. Die Hofjagd war vor 100 Jahren – und die Holzhütte zieht nach wie vor Besucher des Parks in seinen Bann.

Heute jedoch ist der Anblick dramatisch: Unbekannte beschädigten das Häusl schwer, deckten das Dach teilweise ab, zerbrachen Ziegel und demontierten den Schornstein. Gesamtschaden: Laut Forstverwaltung um die 5000 Euro. Seit dem Vandalismus im April 2017 verfällt die Hütte jetzt immer weiter und Anwohner wie Karin Szameitat wollen den Status Quo nicht mehr hinnehmen: „Wenn da nicht bald etwas passiert, stirbt mit dem Hexenhäusl auch ein Stück des Münchner Südens.“ 

Denn seit die Rentnerin in den 70er-Jahren nach Forstenried zog, trifft sie an ihrem Lieblingsfleck im Forstenrieder Park auf unterschiedlichste Münchner: Familien mit Kindern bleiben stehen und erzählen sich die schaurigen Gruselgeschichten von damals über Geister, die lautlos die Hütte passieren. Radfahrer genehmigen sich auf ihrem Weg in Richtung Starnberg an den mittlerweile brüchigen Holzbänken eine kleine Teepause und bei Gewitter hat das überhängende Dach schon so manchen Spaziergänger vor einem Regenguss gerettet. „Ich sitze gerne auch mit anderen auf der Bank zum ratschen“, sagt Szameitat. „Das Hexenhäusl war irgendwie schon immer ein magischer Treffpunkt.“

Doch abgesehen von einem historischen Hintergrund hat das Hexenhäusl seit Jahren nur noch eine dekorative Funktion. Die letzte Mieterin, eine Kinderbuchautorin, verließ ihren Ort der Inspiration aus Gesundheitsgründen. Nun gehört das Hexenhäusl den Bayerischen Staatsforsten.

„Wir sind uns der Zerstörung des Hexenhäusl bewusst und werden akute Schäden in Ordnung bringen“, sagt Forstbetriebsleiter Wilhelm Seerieder. „Aber es ist natürlich eine schwierige Frage, wie es substanziell mit der Hütte im Forstenrieder Park weiter geht.“

Die Bayerischen Staatsforsten wollen laut Seerieder nicht, dass die geschichtsträchtige Hütte verfalle, aber bei einem begrenzten Budget gerade nach der Borkenkäfer-Plage (Hallo berichtete) und Sturm Burglind, dem aktuell sehr schlechten Zustand und fehlender Nutzung sei die Zukunft des Hexenhäusl „ungewiss“.

Einen Rettungsplan für die Zukunft des Hexenhäusl hätten Jacques Volland und seine Kollegen vom Verein der Forstenrieder Freunde bereits. Falls die Bayerischen Staatsforsten nicht eingreifen, würde der Verein gerne wieder Leben in die Hütte bringen. „Wir sind im Gespräch, ob unser Verein eine passende Nutzung für das Hexenhäusl findet“, sagt Volland. „Neben Lesungen zur Geschichte des Parks könnten dort auch Workshops für Kinder angeboten werden. Das würde auch eine Vollsanierung rechtfertigen.“

Doch da alle Mitglieder der Forstenrieder Freunde ehrenamtlich arbeiten, zieht sich auch dieses Vorhaben seit einiger Zeit. „Versanden lassen möchten wir die Ideen keinesfalls, schließlich sind wir da auch in einer historischen Pflicht“, sagt Volland. Wenn zumindest das Dach wieder repariert werden würde, wäre das für Karin Szameitat schon ein Schritt in die richtige Richtung. „Geschichte ist eben das, was bleibt.“
Julia Langhof

Geschichte des Forstenrieder Parks

Der Forstenrieder Park stößt an die südliche Stadtgrenrenze Münchens und an die Stadtteile Solln, Fürstenried und Forstenried und ist insgesamt 37,08 Quadratkilometer groß. Davon sind heute alleine 20 Quadratkilometer Wildtiergebiet. 1399 wurde die Feste Baierbrunn mit dem Forst von Herzog Ludwig dem Gebarteten gekauft. Seit dieser Zeit war der Park ein bevorzugter Jagdort für die Wittelsbacher und Jahrhunderte geschützt. 1806 nahm sogar Napoleon I. im Forstenrieder Park an einer Jagd teil.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Sendling
Mission Meeresrettung: So erfolgreich war die Bergung der Geisternetze in Irland
Mission Meeresrettung: So erfolgreich war die Bergung der Geisternetze in Irland

Kommentare