Sortieranlage am Großmarkt: Anwohnerin kritisiert Leerstand

„Wunderschöner Ort liegt brach“

Sendling Es ist schon spät – der Großmarkt ist zur Ruhe gekommen. Doch auch tagsüber ist es rund um die alte Sortieranlage an der Thalkirchner Straße still geworden. Zu still für den Geschmack von Anwohnerin Amélie Bauer. „Die ehemalige Pasticceria von Felice Bussone steht jetzt seit fast zwei Jahren leer. Sie war ein beliebter Treffpunkt. Heute ist hier nichts mehr los. Das für Sendling typische Flair ist verloren gegangen.“

Seit 2007 lebt Bauer in Sendling. „Die Sortieranlage gehörte damals mit Felice Bussone, dem Fisch- und dem Gemüsehändler zu einem lebendigen und wichtigen Nachbarschafts- treffpunkt. Ein Stück gewachsenes Sendlinger Lebensgefühl ist wohl für immer verschwunden“, bedauert sie. Denn die alten, angestammten und lokalen Mieter verschwinden nach und nach aus der Ladenzeile. Eine Entwicklung, die der Bezirksausschuss (BA) scharf kritisiert: In mehreren Anträgen fordert der BA die Wiederbelebung der Sortieranlage mit lokalen Anbietern, die ins Viertel passen (Hallo berichtete). Doch der jüngste Neuzugang passt ihnen gar nicht: Anstelle des ehemaligen Lebensmittelhändlers „Catakli“ sitzt heute ein Online-Gemüse-Händler. Auch Bauer kann darüber nur den Kopf schütteln: „Da wohnen wir im Bauch von Sendling und müssen unser Gemüse von einem Online-Händler kaufen, der mit Sicherheit nicht vom Großmarkt bezieht. Die einzigen Äpfel, die ich in den Räumen sehe, sind die auf den Computern.“ Ihr Wunsch: ein kleiner Markt im Innenhof der Sortieranlage mit frischem Obst und Gemüse direkt vom Großmarkt.

 Der BA hofft auf einen würdigen Bussone-Nachfolger. Doch die Enttäuschung ist groß: „Zu diesen Konditionen geht da kein Gastronom rein“, sagte Ernst Dill (SPD) in der BA-Sitzung im März. Hohe Renovierungskosten stehen im Raum, zu tragen vom neuen Mieter, eine Umsatzbeteiligung des Kommunalreferats, ein auf fünf Jahre begrenzter Mietvertrag: „Wer kann sich das leisten? Doch nur eine große Kette“, befürchtet Bauer. „Man könnte aus der Sortieranlage so einen netten belebten Platz mit Läden und Cafés machen, aber die Stadt lässt so einen wunderbaren Ort einfach ungenutzt brach liegen, während in der Nachbarschaft ein Büro neben dem nächsten entsteht. Es ist wirklich eine Schande!“ Von einem zweijährigen Leerstand könne keine Rede sein, sagt Bernd Plank vom Kommunalreferat zu Hallo: „Vollständig geräumt hat der Mieter das Objekt erst im Februar 2015 an die Markthallen München übergeben, was einen Leerstand von etwa 14 Monaten ergibt.“ Was die Miete betrifft, sagt Plank, dass die Planungen „leider ergeben“ hätten, dass die erforderlichen Baumaßnahmen Kosten verursachen, die mit einer „verträglichen Miete niemals in eine Wirtschaftlichkeit“ führen würden.

Kritik weist Plank zurück: „Die geäußerten Befürchtungen können die Markthallen München nicht teilen.“ Grundsätzlich gelte, dass der Betrieb der Läden wirtschaftlich sein müsse, sich also für die Händler und damit auch die Markthallen rechnen müsse. Die Bereitschaft der Kunden, ihr Obst und Gemüse eben nicht im Discounter, sondern beim kleinen lokalen Händler um die Ecke einzukaufen, bestimme das Angebot maßgeblich. „Würden zum Beispiel lokale Obst- und Gemüsehändler in der Sortieranlage gute Geschäfte machen, fänden sich sicher problemlos entsprechende Interessenten zur Belegung der Läden. Dem ist aber leider nicht so.“ das

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