Jürgen Neubert leitet das Geothermie-Pionierprojekt auf Sendlinger HKW-Areal

„Wärmewende 2040“: Das ist das Herzstück von Münchens Klima-Masterplan

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Auf dem Areal des Heizkraftwerk Süd steht ein Geothermieturm, der bis zu 3000 Meter in die Tiefe bohrt.

Sendling – Die Stadt steuert auf ein ambitioniertes Klimaschutzziel zu: Bis 2050 soll München weitestgehend klimaneutral, und der Ausstoß von Treibhausgasen auf 0,3 Tonnen pro Kopf und Jahr gesenkt werden

Orangerot ragt er etwa 30 Meter senkrecht in die Höhe, mehrere tausend Meter bohrt er sich in den Münchner Untergrund Richtung Erdinneres: Mitten in Sendling, auf dem Gelände des Heizkraftwerk Süd unweit der Brudermühlbrücke, steht der Geothermie-Bohrturm – das Herzstück von Münchens Wärmewende­-Masterplan.

Jürgen Neubert leitet das Projekt.

Der Hintergrund: Im September 2017 hat die Stadt ein durchaus ambitioniertes Klimaschutzziel beschlossen: Bis zum Jahr 2050 soll München weitestgehend klimaneutral, und der Ausstoß von Treibhausgasen auf 0,3 Tonnen pro Kopf und Jahr gesenkt werden. Wichtiger Bestandteil dieses Klimaschutzplans: die Umstellung auf erneuerbare Energien. Dafür haben die Stadtwerke eine spezielle Fernwärmevision: Bis 2040 soll die Fernwärmeversorgung der Stadt vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden – überwiegend aus Geothermie.

Denn: Eine von den Stadtwerken bei der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass Fernwärme die effektivste Maßnahme ist, um CO2 im Münchner Wärmemarkt einzusparen. Um die Energiewende voranzutreiben, wird gerade auf dem Areal des Heizkraftwerk Süd in Sendling geforscht. Das Prinzip: „Mit dem Bohrturm wird ein nahezu unbegrenzter Vorrat an heißem Wasser im Erdinneren angezapft“, erklärt Projektleiter Jürgen Neubert (Foto). Das heiße Wasser lagert in einer Gesteinsschicht in 2400 bis 3000 Meter Tiefe. Die so gewonnene Wärme will die Stadt dann in das Fernwärmenetz einspeisen. Und auch an einer neuen Technik, die bisher so einzigartig wäre, wird gefeilt: Und zwar die Tiefenwärme, die im Sommer als überschüssige Energie zur Verfügung steht, in Kälte umzuwandeln. Über ein Fernkältenetz könnte so die Stadt gekühlt werden – klimaneutral. Der Grundstein für diese Pläne wird gerade in Sendling gelegt: Aktuell findet die zweite Bohrung statt, die Aufschluss über das Potenzial, das der Münchner Untergrund birgt, geben soll. Insgesamt sechs Bohrungen soll es laut Jürgen Neubert geben – eine dauert etwa zweieinhalb bis drei Monate.

Vanessa Hahn

Innovative Energien für den Münchner Süden

Auch im südlichen Landkreis boomt die Geothermie bereits: Erst im Frühjahr diesen Jahres fand dafür eine der umfangreichsten Seismik-Messkampagnen, die je im Raum München durchgeführt wurde statt – ein Gemeinschaftsprojekt des Pullacher Erdwärmeunternehmens „Innovative Energien für Pullach (IEP), der Erdwärme Grünwald und den Stadtwerken München. Das Ziel: Die Erkundung von Geothermie-­vorkommen in einem etwa 100 Quadratkilometer großen Gebiet südlich der Gemeinden Pullach und Grünwald.

Pullach hat sich dem Fernwärmeausbau fest verschrieben, und kann auf eine gute Bilanz blicken, wie Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund jüngst bei der Bürgerversammlung erläuterte: Fast die Hälfte aller Haushalte in der Gemeinde werden von der IEP mit Wärme versorgt, der Anteil der Tiefengeothermie an ausgelieferter Wärme beträgt dabei 94 Prozent.

Aktuell gibt es etwa sechs Kilometer Trasse ohne Fernwärmenetz, doch ein weiterer Ausbau ist geplant. Prognose und Ziel der Gemeinde: Der (Neu)Anschluss von rund 50 Haushalten pro Jahr. Am Montag, 12. November, findet im Pullacher Bürgerhaus, Heilmannstraße 2, ab 18 Uhr der IEP-Kongress statt. Im Rahmen einer Ausstellung, Vorträgen und einer Podiumsdiskussion können sich Interessierte informieren.

Vanessa Hahn

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