Kündigung an der Hansastraße

Steht das Kulturzentrum Gorod vor dem Aus?

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Zum September muss das Kulturzentrum ausziehen.

Sendling-Westpark - Bis Ende September muss das Kulturzentrum seine Räume verlassen - eine neue Unterkunft ist noch nicht in Sicht

Nina Vishnevska (l.), Leiterin des Kulturzentrums Gorod und Veranstaltungstechniker Ilya Galle (r.) müssen die Räumlichkeiten an der Hansastraße 181 im September aufgeben.

Wenn Nina Vishnevska durch die Räume an der Hansastraße 181 geht, seufzt sie viel. Sie macht das Licht in einem der unteren Gänge nicht an, es bleibt dunkel. Stattdessen zeigt Schwarzlicht, was sich an den Wänden befindet: die Silhouetten verschiedener Städte leuchten, darüber ein Sternenhimmel. Gorod heißt „Stadt“ auf russisch. „Wir haben alles hier selbst gemacht, viele Liebe und Kreativität reingesteckt – und jetzt müssen wir raus“, sagt Vishnevska, die Leiterin von Gorod. Das Kulturzentrum muss seine Räume an der Hansastraße bis Ende September verlassen. Die Kündigung liegt bereits vor, der Eigentümer hat das Gebäude an eine Wohnungsbaugesellschaft verkauft. Diese will es ab Oktober abreißen und auf dem Grundstück Wohnungen errichten. „Ein lebendiges Kind wird getötet, um ein neues zu schaffen“, sagt Vishnevska wehmütig. 

Eine russische Schule, ein Mathematik-Club und Kindergruppen hatten einen Platz im Gorod

1998 gründete sie gemeinsam mit Gleichgesinnten das Kulturzentrum, seit 2010 befinden sie sich in den Räumlichkeiten in Sendling-Westpark. „Wir sind hier gewachsen, haben uns eine Menge aufgebaut.“ Das Gorod beheimatet unter anderem eine russische Schule, einen Mathematik-Club, einen Wanderclub oder Kindergruppen. Zehn verschiedene Sprachen werden unterrichtet, man kann Musikunterricht nehmen oder Tango tanzen. „Aber der Theatersaal ist unser Schatz“, schwärmt Ilya Galle. Er ist Veranstaltungstechniker, kümmert sich außerdem um das Eventmanagement und weiß, wie schwierig es sein wird, eine neue Bleibe für das Gorod zu finden. „Für das Theater benötigen wir einen Raum mit besonders hoher Decke“, sagt Galle.

Mit dem Gasteig und dem EineWeltHaus um neue Räume zu konkurrieren wird schwer

Derzeit hat das Gorod eine Fläche von 2100 Quadratmetern, darüber befindet sich außerdem eine Tanzschule mit 450 Quadratmetern. Im Stadtbezirk Sendling-Westpark ist Vishnevska bisher nicht fündig geworden, nun hofft sie, dass in es in den benachbarten Vierteln eine geeignete Fläche gibt. „Aber natürlich sind wir nicht die Einzigen, die suchen. Wir konkurrieren mit Institutionen wie dem Gasteig, dem EineWeltHaus – es wird schwierig.“ Von städtischer Seite würde man zwar gerne helfen, hat aber auch keinen Tipp parat: „Wir stehen ja selbst mit leeren Taschen da und haben nichts Passendes“, sagt Jenny Becker, Sprecherin des Kulturreferats, das immer wieder einzelne Projekte des Vereins unterstützt hat. Als Immobilienmakler wolle und werde man zwar so oder so nicht auftreten, aktuell könne man aber nicht einmal eine mögliche Zwischennutzung vermitteln. „Ein Empfehlungsschreiben stellen wir dem Verein aber gerne aus“, betont Becker im Hallo-Gespräch. Ob das angesichts der angespannten Marktlage etwas nützt bleibt freilich abzuwarten. Fakt ist: Sein 20-jähriges Bestehen im Sommer wird das Kulturzentrum noch in der Hansastraße feiern – wie und ob es danach überhaupt weiter geht, bleibt offen. Daniela Borsutzky/lit

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