Nach einem Schlaganfall

Sorge um den Wurzelsepp

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Aus, Schluss und bald vorbei: Der beliebte Wurzelsepp will kürzer treten und seinen Taxi-Schein bald an den Nagel hängen.

Obersendling - Ob hinter dem Taxi-Lenkrad oder als Model vor der Kamera: den Wurzelsepp kennt die Stadt. Doch nach einem Schlaganfall muss der Taxiguru in Rente

Das Gesicht dieses Originals kennt jeder – ob hinter dem Taxi-Lenker oder aus der Löwenbräu-Werbung. Doch nun muss der Wurzelsepp kürzer treten. Ein kleiner Schlaganfall hat Münchens bekanntesten Taxifahrer nun ausgebremst – ausgerechnet 40 Jahre nachdem der gebürtige Kärntner in München der Taxi-Schein gemacht hat. „Irgendwann reicht es eh“, meint der 65-Jährige, dem man nach außen zwar nichts anmerkt, der aber immer noch krank geschrieben ist. „Ich geh in Taxi-Rente!“ Doch ganz von der Bildfläche verschwinden wird er nicht. Denn: Der Wurzelsepp hat noch ein zweites Standbein – er ist Männermodel. Für Paulaner, Löwenbräu, Bernbacher oder den Media Markt stand er schon vor der Kamera. Auch die berühmte Fotografin Ellen von Unwerth hat ihn für künstlerischen Fotoaufnahmen gebucht und den Sepp, als urigen Charakter, inmitten lauter schöner Models, platziert. „Da wusste ich gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll! Lauter fesche, junge Hasen...“ 

Eine Kundin im Taxi entdeckte den Exil-Österreicher

Sein zweites Standbein: Der Wurzelsepp ist ein gefragtes Model.

Entdeckt wurde der Exil-Österreicher Josef Oberrainer im Jahr 2005 – natürlich am Steuer seines Taxis. „Eine Dame stieg an der Rosenheimer Straße zu mir ins Taxi. Ich war gerade losgefahren, da sagte sie schon: ‚Mit so einem Kopf gehören Sie in die Werbung‘ und gab mir eine Karte einer Werbeagentur“ – diese nahm Oberrainer kurz darauf unter Vertrag. Sein Typ ist gefragt: Der Bart, der Hut, seine Lederhosen, die er immer trägt, wenn es wärmer wird: So ist der Sepp in der ganzen Stadt bekannt, so wird er gebucht. „Nur was zu viel ist lehne ich auch mal ab“, sagt der Obersendlinger. „Der Taxi-Job ist ja an sich schon stressig – und Arbeit soll auch Spaß machen!“ Ursprünglich kam der Wurzelsepp als gelernter Koch nach München, wollte nichts außer Geld verdienen. Bis heute hat er den Umzug nicht bereut, lebt seit 40 Jahren glücklich in Obersendling: „Der geilste Stadtteil überhaupt“, sagt er. 

Der Wurzelsepp ist viel gereist - nur eine Stadt fehlt im noch

Josef Oberrainer fährt schon seit 40 Jahren Taxi.

Über eine Zwischenstation als Plakat-Drucker bei Hertie am Hauptbahnhof kam er zum Taxifahren: „Ich hatte selbst kein Auto, fand es deshalb toll, hinterm Steuer zu sitzen.“ Irgendwann ist er ganz dabei geblieben: „Ich mach es einfach gern!“ Über seine Taxi-Gäste kann er nicht meckern: „Ich habe immer Glück gehabt. Vielleicht bin ich ja auch ein bisserl freundlicher als andere“, meint er verschmitzt. Auch beim Fahren ist Sepp ganz zahm: „In Flensburg habe ich keinen einzigen Punkt“, erzählt er stolz. Den Spitznamen Wurzelsepp stammt aus der österreichischen Heimat: „Daheim haben sie mich so genannt, also hab ich meine Postkarten irgendwann auch so unterschrieben. Dabei ist es geblieben.“ Privat ist er viel verreist – 50 Mal in 25 Jahren. Nur eine Stadt fehlt ihm noch: „Ich war noch nie in New York – den Urlaub will ich mir am Taxi-Steuer noch verdienen. Und dann ist Schluss.“ mjh

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