Freiwillige händeringend gesucht

Sendlinger Johanniter finden keine Bewerber für Freiwilliges Soziales Jahr

Bei den Johannitern hat Jeldrik von Ahsen ein FSJ absolviert – doch die dringend benötigten Nachfolger für seine Stelle bleiben aus.
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Bei den Johannitern hat Jeldrik von Ahsen ein FSJ absolviert – doch die dringend benötigten Nachfolger für seine Stelle bleiben aus.

Sendling: Bei vielen jungen Erwachsenen ist das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) beliebt. Die Johanniter suchen dennoch händeringend nach Nachfolgern für engagierte Freiwillige.

Mehr als tausend Menschen hat Jeldrik von Ahsen (Foto) in den vergangenen Monaten in Erste-Hilfe-Kursen geschult, unzählige Male war er mit dem Rettungsdienst im Einsatz. Vor kurzem hat er zum ersten Mal erfolgreich einen bewusstlosen Menschen reanimiert – der 19-Jährige hat ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Johanniter-Unfall-Hilfe absolviert. Eigentlich sollten im Sendlinger Hauptsitz in der Schäftlarnstraße bald seine Nachfolger in ihren Freiwilligeneinsatz starten – doch die sind nicht in Sicht. „Uns fehlt der Nachwuchs“ klagt Gerhard Bieber, Sprecher der Johanniter. „Wir suchen noch händeringend nach neuen FSJlern.“

Vor allem in der Ausbildungsabteilung werden dringend Kräfte gebraucht – von drei Plätzen ist aktuell noch kein einziger besetzt. Insgesamt können etwa 20 Personen ein FSJ bei den Johannitern ableisten, fast die Hälfte dieser Plätze ist noch frei. Die Einsatzfelder sind dabei ganz unterschiedlich: Die FSJler arbeiten im Krankentransport, in Kitas, oder wie von Ahsen in der Ausbildungsabteilung. „In der Regel sind die FSJ-Plätze bei uns sehr gefragt, doch die Konkurrenz ist mittlerweile groß“, erzählt Bieber. „Neben dem FSJ gibt es für Jugendliche nach dem Schulabschluss unzählige Möglichkeiten, die häufig attraktiver scheinen“ (siehe Seite 7). Nur so kann er sich den Mangel an Nachwuchs erklären. „Viele wollen sich nicht mehr für längere Zeit festlegen“, meint er, „machen lieber ein Praktikum oder reisen.“

Dass manche Interessenten – gerade im teuren München – auch aus finanziellen Gründen auf ein FSJ verzichten, glaubt Bieber nicht. „Es heißt zwar Freiwilliges Soziales Jahr, doch es gibt in der Regel ein Taschengeld oder Zuschüsse für Verpflegung und Fahrtkosten.“ Diese Vergütung ist gesetzlich vorgeschrieben, in ihrer Höhe kann sie aber bei den jeweiligen Trägern und Einrichtungen variieren.

„Auch die Angst davor, als Erste-Hilfe-Trainer selbstständig Kurse zu leiten, ist unbegründet“, meint Jeldrik von Ahsen. In ihren ersten Wochen erhalten die FSJ­ler eine umfangreiche Ausbildung zum Sanitäter. Sie lernen medizinische Grundlagen zu Anatomie, Erkrankungen und lebensrettenden Maßnahmen, im Anschluss folgen ein pädagogisches und ein fachdidaktisches Seminar. Danach geht es mit einem Mentor in die ersten praktischen Einsätze, bevor selbstständig unterrichtet wird.

Für Jeldrik von Ahsen geht das Jahr nun bald zu Ende, er möchte Medizin studieren und später als Anästhesist arbeiten. Bei den Johannitern will er ehrenamtlich im Einsatz bleiben. „Hoffentlich findet sich auch bald ein Nachfolger für meine Stelle.“

vha

Interessenten müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Bewerbung per e-Mail an personal.muenchen@johanniter.de oder Telefon 7 20 11 33.

Bufdi, FSJ und Co. - Hallo-Service: Was sind die Unterschiede beim Freiwilligen-Dienst?

Für einen Freiwilligeneinsatz nach dem Schulabschluss gibt es verschiedene Möglichkeiten. Der Beginn ist meist zum 1. September, im BFD ganzjährig möglich, eine Vergütung ist die Regel.

• Bundesfreiwilligendienst

Im BFD kann sich jeder sechs bis 24 Monate lang engagieren – im sozialen, ökologischen und kulturellen Bereich oder bei Sport, Integration und Zivil- und Katastrophenschutz. Die Einsatzstellen entscheiden über das Taschengeld (Höchstgrenze: etwa 400 Euro/Regeldauer 12 Monate)

• Freiwilliges Soziales Jahr

Das FSJ können Menschen von 16 bis 26 Jahren ganztägig in gemeinwohlorientierten Einrichtungen, insbesondere der Altenhilfe, der Behinderten, Kinder- und Jugendhilfe leisten. Dafür gibt es Taschengeld, Unterkunft und Verpflegung, man ist beitragsfrei sozia lversichert. Die Einsatzfelder im Freiwilligen Ökologischen Jahr sind Bildungseinrichtungen und Jugendhäuser, Umwelt- und Jugendverbände, kirchliche Einrichtungen, Umweltzentren, Naturschutzbehörden, Landratsämter und Forstbehörden. Vergütung: etwa 180 Euro pro Monat. Für das Freiwillige Jahr in der Denkmalpflege kommen Denkmalbehörden, Museen, Vereine sowie Handwerks- und Baubetriebe, Restaurierungswerkstätten und Architektur- und Planungsbüros in Frage.

•  Freiwilliger Wehrdienst

Bis zu 23 Monate bei erhöhtem Sold zur Bundeswehr: Das steht seit Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht jedem ab 17 Jahren offen. Die Soldaten im FWD erhalten zum Wehrsold einen Wehrdienstzuschlag.

vha

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