Nachrichten aus der Sendlinger Bürgerversammlung

Was die Sendlinger heuer bewegte und was 2019 wichtig wird

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Die Boulder-Anlage, die sich auf dem Areal des DAV-­Kletterzentrums an der Thalkirchner Straße 207 befindet, soll bald einem großen Hallenneubau weichen.

Sendling – Verbesserte Verkehrsführung, eine Lösung für das Müllproblem und die Rettung des „Boulder-Schreins“ – Hallo hat zusammengetragen, welche Themen die Bürger bewegten und 2019 bewegen werden

„Schützt den Schrein“

Als erste Beton-Außenanlage ermöglicht der Sendlinger „Boulder-Schrein“ seit 1989 das Klettern in der Stadt. Doch bald soll die Anlage, die sich heute auf dem Areal des DAV-Kletterzentrums an der Thalkirchner Straße 207 befindet, einem großen Hallenneubau weichen – dem dritten auf dem Gelände. Bei vielen Sendlingern stößt genau das auf Unmut. Anwohnerin Karin Nobs hat nun eine Petition gestartet, um den „Schrein“ zu schützen.

Die Boulderwand im DAV Kletterzentrum soll einer Halle weichen – zum Missmut vieler Sendlinger.

Der Deutsche Alpenverein (DAV) will auf dem Gelände des Kletter- und Boulderzentrums München-Süd eine weitere Sporthalle errichten – doch vielen Sendlingern passt das überhaupt nicht. Bereits Anfang Oktober hatte der Bezirksausschuss ein Veto gegen das Bauvorhaben auf dem Grundstück an der Thalkirchner Straße 207 eingereicht, kritisierte unter anderem die „massive und aggressive Nachverdichtung“, sowie die Zerstörung der Grünschneise zwischen Neuhofener Anlagen und Flaucher. Nun wurde auch bei der Sendlinger Bürgerversammlung Kritik laut. Der Hintergrund: Die bisherige Beton-Freianlage soll umgestaltet und durch ein zweistöckiges Gebäude mit Außenkletter- und Boulderbereichen ersetzt werden. Doch: Auch die beliebten Betonelemente, der sogenannte „Boulder-Schrein“, müssen dafür weichen. Karin Nobs, hat nun eine Petition gestartet und Unterstützung bei der Bürgerversammlung gesucht. Ihre Forderung: „Rettet das Boulderparadies“. Nobs nutzt das Areal bereits seit vielen Jahren: „Wir brauchen keine weitere Halle“, erklärt die Sendlingerin.

„Am Schrein wird das ganze Jahr über draußen gebouldert, auch im Regen und im Winter.“ Die bestehende Betonwand würde optimale Trainings- und Nutzungsmöglichkeiten für unterschiedlichste Ansprüche bieten und sei deshalb bei vielen Nutzern außerordentlich geschätzt – „ein wahres Kleinod inmitten der Kletteranlage.“ Es wäre bereits die insgesamt dritte Erweiterung der Anlage, der BA hatte sich bereits beim letzten Ausbau 2011 von der Lokalbaukommission zusichern lassen, dass es künftig keine weiteren Erweiterungen mehr gebe.

„Die Anlage verliert ihren Charme“, erklärt Nobs. Außerdem würde auf dem DAV-Areal die gesellige, fordernde Sportart so immer mehr zur Massenabfertigung verkommen – „und der DAV ist schließlich kein Unternehmen mit Gewinnmaximierung als Ziel, sondern ein Verein.“

Anwohnerin Karin Nobs hat eine Petition gestartet, um den „Schrein“ zu schützen.

Der DAV konnte bis Redaktionsschluss noch nicht Stellung nehmen. Thorsten Vogel vom Plaungsreferat erklärt, „dass sich der Bauntrag derzeit noch in der Prüfung befindet.“ Ein besonderes Augenmerk läge dabei auf Faktoren wie dem Stellplatznachweis, Planungsrecht und Belangen des Naturschutzes.

Knapp 430 Unterstützer konnte Nobs bereits sammeln, die Bürgerversammlung hat dem Antrag mehrheitlich zugestimmt.

Vanessa Hahn

Fünf Optionen für den Harras

Die Plinganserstraße soll in Richtung Süden umgebaut werden – doch Anwohner befürchten noch mehr Lärm- und Abgasbelästigung.

Der Harras ist mittlerweile umgestaltet, doch weil der Verkehr nicht fließt, wie er soll, will die Stadt die Plinganserstraße in Richtung Süden zwischen Harras und Dudenstraße umbauen. Verschiedene Varianten, usprünglich drei an der Zahl, sollen dafür geprüft werden. Und: In einem Stadtratsantrag Anfang Oktober hatte die CSU die Prüfung einer weiteren, vierten Variante gefordert: „Den Ausbau mit je zwei Fahrspuren stadteinwärts und stadtauswärts, bei dem trotzdem alle Parkplätze erhalten bleiben.“

Bei der Bürgerversammlung wurde nun eine weitere Alternative vorgeschlagen. Denn: Ein Ausbau der Plinganser­straße hätte für Anwohner äußerst negative Folgen: „Eine breitere Straße heißt auch mehr Verkehr und schnelleres Tempo – und für die Anwohner wird es immer lauter“, so der Antragssteller. Die Forderung für die fünfte Variante: „Die Stadt soll Regelbreiten für Fuß- und Radwege verwenden um Nahmobilität zu stärken“ und „anstatt weiterer Fahrspuren Flächen für Bäume und Sträucher schaffen“. Mit einem Umbau solle die Stadt außerdem vorrangig Verbesserungen für Anwohner erreichen – also „Lärm-, Abgas- und das Verkehrsaufkommen reduzieren“, statt das Verkehrs­aufkommen weiter zu erhöhen. Der Antrag wurde mehrheitlich angenommen.

Vanessa Hahn

Ein Trimm-Dich-Pfad fürs Viertel?

Auf der Bürgerversammlung wurde die Idee eines Trimm-Dich-Pfads – wie hier in Hadern – als Sendlinger Gemeinschaftsprojekt intensiv diskutiert.

Einen Trimm-Dich-Pfad, idealerweise im Westpark hat ein Sendlinger bei der Bürgerversammlung gefordert. Vorbild für die Idee: Mexiko City – dort, so der Antragssteller, gebe es bereits allerlei öffentliche Sportgeräte oder Einrichtungen wie beispielsweise Geschwindigkeits­- oder Rundenanzeigen, die Lust auf Sport machen und Alt und Jung zusammenbringen. Dass der Westpark offiziell gar nicht „Sendlinger Gebiet“ sei, sondern dem Viertel und Bezirks­ausschuss Sendling-Westpark zugeordnet, sah der Antragssteller nicht als Hindernis: „Sendling ist eins, da könnendie beiden Stadtbezirke mal ein Gemeinschaftsprojekt auf den Weg bringen!“. Ein Vertreter der Stadtverwaltung verwies auf Südpark und Forstenrieder Park als Naherholungsmöglichkeiten – ob es bald auch einen „Westpark-Trimm-Dich-Pfad“ gibt, muss die Stadt nun prüfen – der Antrag wurde von der Bürgerversammlung mit einer großen Mehrheit angenommen.

Sicheres Sendling

Die Polizei konnte auf ein relativ gutes Jahr zurückblicken: „Im Viertel war heuer ein leichter Unfallrückgang zu verzeichnen und es gab keinen tödlichen Unfall“, erklärte Christian Wittstadt von der Polizeiinspektion (PI) 15 Sendling. Bei der Kriminalität hat die Polizei in den ersten drei Quartalen 2018 einen leichten Anstieg verzeichnet, der allerdings nicht besorgniserregend sei. Eine Kellereinbruchsserie in Mehr­familienhäusern hatte die PI außerdem von April bis Juni auf Trab gehalten – mittlerweile sei allerdings „alles wieder im grünen Bereich“, wie Wittstadt mitteilte.

Müllprobleme im Viertel in den Griff bekommen

Ein großes Problem im Viertel: Herumliegender Müll und ein Mangel an Containern und Mülleimern ist vielen Bürgern ein Dorn im Auge.

Auch Müll und Dreck war bei vielen Sendlingern großes Thema: Vor allem die fehlenden Wertstoffcontainer am Kidlerplatz sorgen für Missmut bei zahlreichen Anwohnern. „Da die Container an anderen Standorten regelmäßig überquellen“ forderte ein Sendlinger die „vorläufige Wiederaufstellung der Wertstoffcontainer am Kidlerplatz“. Auch der Wunsch nach Ruhebänken und Mülleimern entlang des Grünstreifens in der Nähe des Klenze- und des Dante-Gymnasiums wurde mehrheitlich unterstützt. Denn: Bei schönem Wetter würden sich die Schüler zum Rauchen auf den Gehwegen in der Wackersbergerstraße niederlassen – eine Belastung für die Anwohner. Auch Müll, beispielsweise von Schnellrestaurants am Harras, in denen sich Schüler in der Mittagspause mit Snacks versorgen, würde häufig auf Gehweg oder Grünstreifen zurückgelassen.

Mehrheitlich angenommen wurde außerdem ein Antrag, der ganz grundsätzlich „Mehr Hunde­kotbeutelspender und Mülleimer in Sendling“ fordert.

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