BA 19 plant Infrastruktur-Offensive

Schulen, Verkehr, Naherholung – der Masterplan für den Münchner Süden

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Weil sich der Münchner Süden so rasant entwickelt, müssen sich die Lokalpolitiker Strategien für die Zukunft der Viertel überlegen.

München - Süd Die Stadt wächst immer schneller. Um den Münchner Süden auf die Zukunft vorzubereiten, haben die Lokalpolitiker nun eine große Infrastruktur-Resolution geplant.

Die Landeshauptstadt wächst – und zwar mit rasanter Geschwindigkeit. Besonders im Münchner Süden legt dieses Wachstum ordentlich Tempo vor: 22 000 Personen sollen laut aktuellem Demografiebericht bis 2035 im 19. Stadtbezirk hinzukommen – und noch in diesem Jahr könnte das Viertel die 100 000 Einwohner Marke knacken. Doch: Dieses rasante Wachstum ist nicht nur Grund zur Freude – vor allem dem Bezirksausschuss bereiten die Zukunftsprognosen Sorgen. Denn: Die Viertelpolitker haben Sorge, dass die Infrastruktur im Viertel den enormen Ausmaßen nicht gewachsen ist. Um den Münchner Süden auf die Zukunft vorzubereiten und als lebenswertes Viertel zu erhalten, haben die Lokalpolitiker nun eine große Infrastruktur-Resolution geplant. „In keinem anderen Viertel werden so viele Wohnungen gebaut“, sagt BA-Chef Ludwig Weidinger (CSU). Doch: Wohnungen alleine genügen nicht. „Für alle die neuen Viertelbewohner muss auch die passende Infrastruktur her!“ Für das Thesenpapier an die Stadtverwaltung haben SPD- und CSU-Fraktion nun all ihre Forderungen formuliert. In der nächsten Sitzung will der BA darüber abstimmen – lesen Sie hier, was die wichtigsten Punkte des Infrastruktur-Masterplans sind.Vanessa Hahn

Schulen: Das Viertel braucht eine Realschule

Viele neue Familien brauchen auch Schulen – „und zwar dann, wenn sie im Viertel ankommen und nicht erst in mehreren Jahren“, sagt Weidinger. Ein wichtiger neuer Schulstandort soll der Ratzingerplatz (Foto: Haag) werden – dort sind eine Grundschule und ein Gymnasium geplant. Der BA fordert, dass diese zeitgleich mit den neuen Wohnungen auf dem Siemens-Südcampus fertig werden. Zudem drängen die Viertelpolitiker auf den Neubau einer Realschule, die im 19. Stadtbezirk dringend benötigt wird. Außerdem soll die Stadt soll grundsätzlich die Daseinsfürsorge sichern – von der Kinderbetreuung bis zu den weiterführenden Schulen.

Verkehr: Radwege ausbauen und Taktverdichtung auf der U3

Ob mit dem Radl, Bus und Bahn oder mit dem eigenen Pkw – im Stadtviertel rollt der Verkehr. „Schon jetzt viel zu viel für die vorhandenen Kapazitäten“, sagt BA-Chef Ludwig Weidinger. Das Problem: In vielen Bereichen kann kaum mehr nachgebessert werden – denn der öffentliche Raum lässt sich nicht vermehren. Als Beispiel verweist der BA auf das leidige Thema Parkplätze – an vielen Ecken absolute Mangelware. „Schon jetzt erreichen uns regelmäßig Beschwerden von Bürgern“, sagt Weidinger. Doch: Frühere Prognosen, dass in Zukunft immer mehr Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, seien bisher nicht eingetreten. Vielmehr noch sei das Verhältnis Auto(s) pro Einwohner weiter gestiegen. Bei großen Bauprojekten müsse künftig viel mehr Rücksicht auf Faktoren wie erhöhten Parkdruck und Verkehr genommen werden: „Es muss sich dringend etwas ändern, sonst droht uns der Verkehrskollaps“, klagt der BA-Chef. Weitere Forderungen des Gremiums: Den öffentlichen Nahverkehr attraktiver gestalten und vor allem den Radverkehr zu fördern. Denn bisher würden sowohl Radschnellwege als auch kreuzungsfreie Verbindungen völlig fehlen. Vor allem im Hinblick auf den Zuwachs an Familien mit Kindern solle die Stadt schon jetzt komfortable Radwege bei ihren Planungen berücksichtigen und diese sicher und ausreichend breit gestalten. Überfüllt und unpünktlich: Die Linie U3 (Foto: Schlaf) ist schon jetzt in ihrer Kapazität weitestgehend erschöpft. Vor allem in der Hauptverkehrszeit, und, weil Knotenpunkte wie der Marienplatz und das Sendlinger Tor von der Strecke bedient werden. Eine Taktverdichtung auf vier Minuten könnte das Problem lösen – als Königsweg sieht Ludwig Weidinger den Vorschlag allerdings nicht: „Bisher hapert es schon beim Fünf-Minuten-Takt häufig. „Die MVG muss dringend nachbessern, damit endlich ein reibungsloserer Ablauf garantiert wird und irgendwann auch der Vier-Minuten-Takt realistisch wird.“

Grünflächen, Sport und Soziales: Südpark und Sportpark als grüne Naherholungsgebiete

Die Ausgangslage im Viertel bietet Potenzial – denn mit dem Südpark gibt es bereits eine grüne Lunge im Viertel. Doch besonders gepflegt ist der Sendlinger Wald nicht. Gemeinsam mit dem Stadtbezirk Sendling-Westpark drängt der Bezirksausschuss nun darauf, dass die Stadt den Park für Anwohner der angrenzenden Viertel aufwertet. Ein weiteres wichtiges Thema: die Zukunft des Siemens-Sportparks. „Wir können uns zwar darüber freuen, dass die Stadt den Sportpark gekauft hat“, sagt Ludwig Weidinger, „doch nun geht es darum, das Areal für das Viertel zu nutzen.“ Eine der wichtigsten Forderungen der Viertelpolitiker: Den Siemens-Sportpark künftig zum Naherholungsgebiet für die Bürger im Münchner Süden zu machen und als Landschaftsschutzgebiet auszuweisen. „Sport- und Grünflächen werden für die neuen Bewohner dringend benötigt“, erklärt der BA-Chef. Die SPD-Fraktion macht sich zudem auch über generelle Maßnahmen für mehr Grün im Viertel Gedanken: Mit Dachbegrünung, beispielsweise durch Anwohnergärten oder Fassadenbegrünung, sehen die Viertelpolitiker als Möglichkeit, das Viertel künftig grüner zu gestalten. In den vorhandenen Grünschneisen wie entlang der Isar sollen zudem striktes Bauverbot herrschen. Neben Grün- und Sportflächen fordert der BA auch die Aufstockung von sozialen und kulturellen Einrichtungen, wie Jugendfreizeitstätten, Alten-Service-Zentren, Nachbarschafts- und Familienzentren. Außerdem soll eine ausreichende Versorgung mit zentralen Einrichtungen wie Einkaufsmöglichkeiten, Banken, Ärzten, Spielplätzen und Zweigstellen der Behörden wie Bürgerbüro und Sozialbürgerhaus gesichert werden.

Weil sich der Münchner Süden so rasant entwickelt, müssen sich die Lokalpolitiker Strategien für die Zukunft der Viertel überlegen.

Bauwahn bremsen

1100 neue Wohnungen auf dem ehemaligen Eon-Gelände (Foto: Schlaf), weitere 1000 Wohnungen auf dem einstigen Siemens-Campus, 300 Wohnungen im Siemens-Hochhaus – neue Wohngebiete sprießen im Süden rasend schnell aus dem Boden. Der BA will die Stadt auffordern, diese einseitgen Baumaßnahmen künftig strikter zu reglementieren. Das Ziel: Im Viertel ein ausgewogenes Verhältnis aus Industrie-, Gewerbe- und Wohngebieten herzustellen, damit Gewerbetreibende auch künftig bezahlbare Räume finden und Bürger Kleingewerbe und Handwerker weiter vor Ort haben.

Sitzung des Bezirksausschusses

Wenn sie zur Sitzung gehen möchten: Der Bezirksausschuss tagt am Dienstag, 6. Februar, 19 Uhr, im Bürgersaal, Stadtteilzentrum Fürstenried-Ost, Züricher Straße 35.

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