Rettet unsere Wiese(nwerkstatt)!

Nachbarn schlagen Alarm: Stadt will Kita auf Sendlinger Grünfläche bauen

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Wohin mit den Spielsachen der Wiesenwerkstatt? Marc Pütz, Angela Burkhardt-Keller und Tanja Felderer (v.li.) wollen, dass die Wiese an der Münsinger Straße den Obersendlingern erhalten bleibt.

Obersendling - Diese Wiese ist die grüne Lunge des Viertels – auch die Spielaktion Wiesenwerkstatt hat dort seit 15 Jahren ihr Zuhause. Doch: Die Stadt will auf der Grünfläche eine Kita bauen

Kinder toben, Nachbarn treffen sich auf einen Plausch, die Wiesenwerkstatt – Spielaktionen für junge Familien und Kinder – hat hier ihr Zuhause: die Grünfläche an der Ecke Kistlerhof-/Leutstettener-/Münsinger Straße. Doch: Das grüne Idyll ist in Gefahr, denn die Stadt will auf der Wiese eine Kindertagesstätte bauen – zusätzlich zu zwei bereits vorhandenen Einrichtungen. Vielen Obersendlingern gefällt das überhaupt nicht – ihre Forderung: „Unsere Wiese soll grün bleiben!“

Bei der Obersendlinger Bürgerversammlung haben sie nun gemeinsam ein Antragspaket verabschiedet, um die Bebauung der Wiese zu verhindern. Nur durch Zufall haben die Antragssteller überhaupt von den Bauplänen erfahren: „Arbeiter haben die Wiese vermessen und Bodenproben genommen, da habe ich nachgefragt“, erklärt Tanja Felderer, deren Kinder den benachbarten Kindergarten besuchen. Schockiert informiert Felderer andere Eltern aus dem Viertel darüber, dass die Wiese bebaut werden soll – auch sie sind entsetzt. „Die Wiese ist ein wertvoller Freiraum und Treffpunkt für das ganze Viertel“, erklärt Angela Burkhardt-Keller. Die Obersendlingerin habe Verständnis dafür, dass Kinderbetreuungseinrichtungen in München dringend benötigt werden. „Aber doch nicht auf Kosten der wenigen noch verbliebenen Grünflächen.“

Bereits vor einem Jahr musste die Wiesenwerkstatt umziehen, weil im Nordteil der Wiese eine städtische Kinderkrippe gebaut wurde. Nun könnte das Projekt, das seit etwa 15 Jahren mit einem Bauwagen auf der Wiese beheimatet ist, bald vor dem Aus stehen: „Wenn hier eine weitere Kita gebaut wird, bleibt nur noch ein schmaler Grünstreifen – nicht genug für die Wiesenwerkstatt“, sagt Tanja Felderer.

Neben den sozialen und ökonomischen Faktoren ist ein weiteres Argument der Antragssteller auch der steigende Verkehrsdruck, den eine weitere Einrichtung in das ruhige Wohnviertel bringen würde. Außerdem wollen sie Auskunft darüber, ob die Wiese, die ursprünglich von einer Privatperson an die Stadt gestiftet wurde, einem bestimmten Verwendungszweck unterliegt. „Im 19. Stadtbezirk besteht ein hoher Bedarf an zusätzlichen Krippen- und Kindergartenplätzen“, erklärt Ulrich Lobinger vom Referat für Bildung und Sport. Derzeit laufe eine Vorplanung für die Errichtung eines Pavillons für zwei Krippe- und vier Kindergartengruppen.

Mit ihren Anträgen hoffen die Obersendlinger, nun noch etwas bewirken zu können – denn noch vor der Sommerpause sollen die Pläne im Stadtrat behandelt werden. vha

Warten auf das Konzept

Das Verkehrskonzept der Stadt soll Entlastung für Brennpunkte wie die Wolfratshauser Straße bringen – auch heuer beschäftige die Anwohner das Thema bei der Bürgerversammlung.

München-Süd Bereits seit mehr als zwei Jahren wird das Verkehrskonzept für den 19. Stadtbezirk sehnlichst erwartet. „In Kürze“ soll es soweit sein, verkündete BA-Chef Ludwig Weidinger (CSU) nun bei der Bürgerversammlung. Am Mittwoch, 27. Juni, soll es eine Infoveranstaltung zum Konzept geben, bei der die Stadt Bürgerfragen beantwortet. Am Dienstag, 24. Juli, will sich der BA in einer Sondersitzung mit dem Konzept des Planungsreferats befassen, dann entscheidet der Stadtrat. 

Doch: Nun scheint es einigen Anwohnern plötzlich doch zu schnell zu gehen: „Das Verkehrskonzept soll auf keinen Fall kurz vor oder während der Schulferien veröffentlicht werden“, heißt es in einem Antrag. Trotz der Kritik Weidingers – „irgendwann müssen wir durch und je früher desto besser“ – wurde der Antrag mehrheitlich angenommen. Auch eine fristgerechte Behandlung, umfassende Bürgerbeteiligung und eine weitere Bürgerwerkstatt wurden gefordert – auch wenn das laut Weidinger „nun erneut zu Verzögerungen führen könnte.“ vha

Nachverdichtung, Sportpark, Derzbachhof

München-Süd Die Diskussion über den Derzbachhof hatte unlängst bereits im Bezirksausschuss (BA) Wellen geschlagen (Hallo berichtete) – nun wurde auch bei der Bürgerversammlung. Gefordert wurde per Antrag: „Der Erhalt des gesamten Areals mit Bauernhaus und -garten, Hofwiese und -gebäuden als historisches Beispiel bäuerlicher Tradition.“

Wie auch der BA fordert die Seniorenvertretung des 19. Bezirks die Stadt auf, den Siemens-Sportpark der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Des weiteren soll bei den Planungen für das Areal insbesondere Rücksicht auf Wünsche und Bedürfnisse der Senioren genommen werden, und die Stadt „auch eigene Vorschläge speziell für Senioren machen.“ Um 23 Prozent wird die Bevölkerung im Viertel laut Prognosen bis 2035 wachsen. „Wo jetzt fünf sind, sind dann sechs“, erklärte BA-Chef Ludwig Weidinger (CSU) – für viele Bürger Grund zur Sorge.

So widmete sich ein Großteil der insgesamt 29 Anfragen und Anträge entsprechenden Themen. Gefordert wird unter anderem eine Grünflächenquote (32 Quadratmeter pro Einwohner), die Begrenzung des gewaltigen Zuzugs ins Viertel und eine angemessene Ausgleichsplanung von Grünflächen und Parkplätzen bei kommenden Neubau- und Nachverdichtungsprojekten.

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