Ausweichquartier für Gasteig

Nach erfolglosem Protest: Bürgerinitiative letzte Chance für "Kreativquartier" in Sendling

Christine Steinhart kritisiert den „Kultur-Tausch“.
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Christine Steinhart kritisiert den „Kultur-Tausch“.

Sendling: Der Aufsichtsrat des Gasteig hat als Interims–Quartier den Standort Sendling empfohlen.

324 Menschen werden vertrieben – rechnen die Zwischenmieter vor. Neben Kreativen sind auf dem Gelände auch Betriebe wie Werkstätten und Reifenhändler untergebracht.

Aller Protest hat nichts gebracht, der Gasteig-Aufsichtsrat hat sich jetzt für den seit einigen Wochen favorisierten Ausweichstandort in Sendling (Hallo berichtete) entschieden. Während der Sanierung des Gasteigs sollen seine Institutionen übergangsweise auf dem Areal unterkommen. Das Problem: Seit Jahren ist auf dem Gelände entlang der Hans-Preisinger-Straße ein „Kreativquartier“ zur Zwischenmiete ansässig. Sollte der Stadtrat der Empfehlung nachkommen – was sehr wahrscheinlich ist – müssten die über 300 Menschen das Gelände verlassen. 

Unter ihnen ist auch Christine Steinhart. Sie ist Leiterin eines Schauspielstudios auf dem Areal und enttäuscht, dass der Gasteig keine andere Lösung findet. „Es macht mich wirklich traurig, dass eine so tolle Mischung wie wir sie hier haben, einfach kaputt gemacht wird.“ Auf dem Gelände arbeiten Künstler und Gewerbetreibende Hand in Hand, es sei ein einmaliger Mix von Menschen in München. Steinhart hofft, wie viele andere Mieter auch, auf die „treibende Kraft“ Michael Taliercio. Der Fotograf, der auf dem Gelände ein Fotostudio betreibt, will nicht aufgeben: „Jetzt müssen wir alle Sendlinger aufrütteln.“ Miet­steigerungen und Parkplatznot seien zu erwarten. Er hofft, dass sich bei entsprechender „Aufklärungsarbeit“ sogar eine Bürgerinitiative gründet.

Die Reaktion der Zwischenmieter versteht Gasteig-Sprecher Michael Amtmann nicht ganz: „Das Areal gehört den Stadtwerken, die schon immer gesagt haben, dass sie dort einmal Wohnungen bauen werden. Für die Mieter wäre das so oder so zeitlich begrenzt gewesen.“ Einen alternativen Ausweichstandort für den Gasteig gäbe es nicht. Mehr als 35 Standorte seien in den vergangenen zwei Jahren gründlich geprüft worden.

Das besänftigt Künstler wie Christine Steinhart nur bedingt: „Wenn die Stadt Sozialwohnungen bauen würde, hätten wir dafür ja Verständnis. In diesem Fall wird aber abgewogen und städtische Kultur freier Kultur vorgezogen.“

Einen Kultur-Dialog wird es dennoch geben: Der Gasteig hat zugesagt, sich um die Betroffenen zu kümmern: „Gemeinsam mit der Stadt und den Stadtwerken sind wir mit den Zwischenmietern im Dialog und prüfen, wen man in den Interims-Gasteig integrieren kann. Experten der Stadt haben den Mietern schon angeboten, sie vor Ort zu beraten“, sagt Amtmann. Auch Bürgermeister Josef Schmid verspricht: „Gemeinsam mit dem Gasteig und den SWM werden wir den begonnen Dialog mit den derzeitigen Zwischenmietern fortführen und überprüfen, welche bestehenden Nutzungen integriert werden können.“ dbo

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