Das ist Münchens bunteste Familie

MÜNCHEN

Manche Kinder haben eine Mama und einen Papa. Arwen (3) hat gleich zwei von jeder Sorte: Das Mädchen lebt in Münchens buntester Familie – eine Lebensgemeinschaft aus zwei schwulen Vätern und zwei lesbischen Müttern. Diese Doppel-Familien werden auch „Regenbogenfamilien“ genannt und sind auf dem diesjährigen Christopher Street Day am Samstag, 17., und Sonntag, 18. Juli, mit einem eigenen Stand auf dem Marienhof vertreten. Obwohl Arwens Vater Thorsten G. diese Konstellation heute normal vorkommt – vor wenigen Jahren hätte er das nicht für möglich gehalten: „Ich hatte das Vater-Sein schon abgeschrieben“, sagt der 46-jährige Controller aus Sendling. Elf Jahre war er mit seinem Freund Charly N. (48) zusammen, Kinder waren nicht vorgesehen. Bis er die Anzeige im Schwulen- und Lesben-Magazin „Leo“ entdeckte: Lesbische Frau und deren Freundin suchen Vater. Keinen bloßen Samenspender, sondern einen Mann, der das Kind mit aufzieht. Das sollte Thorstens Leben ändern – er rief an. Telefon meldete sich Nathalie: damals 35, Verlangsangestellte und lesbisch. Sie trafen sich, reisten nach Lanzarote und beschlossen: Das passt mit uns. Durch künstliche Befruchtung kam ihre Tochter auf die Welt. Die Eltern nannten sie „Arwen“, nach der Elben-Königin im Film „Herr der Ringe.“ Das gemeinsame Sorgerecht haben beide, trotzdem setzten die vier einen Vertrag auf, der manche Dinge regelt. „Etwa, was mit Arwen passiert, sollte den leiblichen Eltern etwas zustoßen. Sie käme dann zu Charly und Nathalies Freundin.“ Sonst planen die Regenbogen-Eltern weniger strikt. „Arwen lebt mal bei den Müttern in Germering, mal bei uns“, sagt der Papa. „Ganz locker.“ Einmal im Jahr macht die bunte Familie zusammen Urlaub und trifft sich einmal im Monat zum Familiensonntag. Fährt ein Paar weg, passt das andere auf Arwen auf. „Wir sind unsere eigenen Babysitter“, so Thorsten G.. „Da sind einige manchmal neidisch.“ Probleme, etwa mit Eltern anderer Kinder, gab es bisher nicht – doch der Controller rechnet damit, wenn Arwen in die Schule kommt. Dann will er ihr alles erklären. Bis dahin ist aber nur eines wichtig: „Arwen bekommt Liebe hoch vier“, sagt er. „Und das spürt sie auch.“ Thomas Gautier

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