Diese Sendlingerin bangt um ihr Zuhause

Krank und bald obdachlos?

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Christine Höpfl ist nach einem tragischen Unfall und zahlreichen daraus resultierenden medizinischen Folgen schwerbehindert.

Sendling – Was Christine Höpfl kürzlich widerfahren ist, scheint unfassbar: Der Schwerbehinderten wurde plötzlich der Mietvertrag gekündigt – jetzt sucht sie verzweifelt nach einer neuen Wohnung

Seit zehn Jahren wohnt Christine Höpfl zusammen mit ihrem Mann in der Wohnung in der Valleystraße. Jetzt der Schock: Die Vermieterin meldet Eigenbedarf an und kündigt. Die Suche nach einer neuen Wohnung stellt für die 48-Jährige ein besonders großes Hindernis dar – sie ist zu achtzig Prozent schwerbehindert.

Die Daiserstraße im Jahr 2000: Höpfl ist mit dem Rad unterwegs und wird von einem Auto erfasst. Was dann folgte, daran kann sie sich nicht erinnern. Irgendwann sei sie im Krankenhaus mit starken Schmerzen aufgewacht. Auf den Schädelbasisbruch folgten mehrere Schlaganfälle und eine Gehirnhautentzündung. Seit dem Unfall kämpft sie mit epileptischen Anfällen, ist halbseitig gelähmt. Lesen, Schreiben und Rechnen musste Höpfl neu erlernen. 

Seit zehn Jahren wohnt Christine Höpfl zusammen mit ihrem Mann in der Wohnung in der Valleystraße.

Doch unterkriegen ließ sie sich nie, schrieb ein Buch für Menschen mit ähnlichem Schicksal, gründete eine Selbsthilfegruppe: „Ich bin halt stur“, scherzt die geborene Münchnerin.

Doch der Gedanke daran, aus der geliebten Wohnung in Sendling ausziehen zu müssen, bereite ihr schlaflose Nächte: „Ich habe hier immer jemanden, der mich in den Arm nimmt, wenn es mir schlecht geht. Beim Bäcker kennen sie mich und meine Ärzte sind alle in der Umgebung. Es ist ein Traum hier zu leben.“

Bis Oktober hat das Ehepaar Zeit eine Wohnung zu finden. Doch das gestaltet sich in ihrem Fall noch schwieriger als es sowieso schon auf dem Münchner Mietmarkt ist. Besichtigt haben sie schon mehrere Wohnungen, aber die Epileptikerin muss an ihr Zuhause besondere Anforderungen stellen: Höpfl kann nicht an einer vielbefahrenen Straße wohnen. Der Lärm kann Anfälle auslösen – genauso wie der Stress bei einem Umzug. Auch viele Treppen bereiten der Sendlingerin wegen ihrer halbseitigen Lähmung Schwierigkeiten.

Anja Franz vom Mieterverein München stellt klar, dass Behinderte per Gesetz keine speziellen Rechte haben. Meldet der Eigentümer Eigenbedarf an, könne man allerdings Widerspruch erheben – wenn der Auszug für den Mieter unzumutbar wäre. Die Interessen der beiden Parteien müsse dann der Richter abwägen. „Die Münchner Rechtsprechung ist normalerweise vermieterfreundlich. In so einem Einzelfall könnte es aber durchgehen“, erläutert Franz.

Vor Gericht ziehen will Höpfl aber nicht – und hofft, dass sie doch noch rechtzeitig eine passende Wohnung im Viertel finden wird.

Sophia Oberhuber

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