Nachrichten aus der Sendlinger Bürgerversammlung

Diese Themen bewegen die Anwohner im Münchner Süden

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Auf dem Nachbar-Grundstück von Jeanette Mühlmann sollen wegen eines Neubaus Bäume gefällt werden. Dagegen wehrt sich die Forstenriederin massiv – und verklagt kurzerhand die Stadt, damit sie künftig Rodungen „nicht mehr einfach durchwinkt“.

München Süd – Massiver Kahlschlag, Platzmangel im Kindertreff und mehr Grün für den Süden: Was die Stadt zu den Vorwürfen sagt und für welche Themen es viel Applaus gab, lesen Sie hier

Sie verklagt Stadt wegen Fällung

Dieses Thema schlug nicht nur auf der Bürgerversammlung hohe Wellen: Auf dem Nachbar-Grundstück von Jeanette Mühlmann sollen wegen eines Neubaus Bäume gefällt werden. Dagegen wehrt sich die Forstenriederin massiv – und verklagt kurzerhand die Stadt, damit sie künftig Rodungen „nicht mehr einfach durchwinkt“. Eine einstweilige Verfügung hat sie bereits erwirkt! Was die Stadt zu den Vorwürfen sagt lesen Sie hier.

Glühwürmchen, Vogelgezwitscher, Eichhörnchen: All das schätzt Jeanette Mühlmann an ihrem Garten in der Würmseestraße. Doch die Artenvielfalt ist bedroht: Nachdem auf dem gegenüberliegenden Grundstück bereits Fichten gefällt wurden, sollen nun acht weitere Bäume wegen einem Neubau der Säge zum Opfer fallen. Mit ihrer Klage gegen die Stadt will sie jetzt einen Präzedenzfall schaffen.

Im Mai 2014 standen auf dem gegenüberliegenden Grundstück noch unzählige Fichten.

Gegen die ersten Fällungen liefen Mühlmanns Bitten, die Bäume stehen zu lassen, ins Leere. Jetzt fährt sie härtere Geschütze auf: Die 67-Jährige hat eine einstweilige Verfügung gegen die Fällung erwirkt. Genehmigt wurde das Aus für acht Bäume, um ein Mehrfamilienhaus mit fünf Tiefgaragenstellplätzen zu errichten. Die Bäume seien über 80 Jahre alt: „So etwas kann man doch nicht fällen. Die machen einfach einen Stempel drauf und das nennt sich dann Naturschutzbehörde.“

Laut Ingo Trömer vom Baureferat waren die Bäume bereits abgestorben. Außerdem dürften Bäume gefällt werden, die sich in oder direkt am Bauraum befänden, für den ein gesetzliches Baurecht festgestellt wurde. Bei einem rechtlich zulässigen Bauvorhaben gehe deshalb hier das grundrechtlich geschützte Baurecht dem Baumerhalt vor. 

Heute ist von den Bäumen nicht mehr viel zu sehen.

Laut Suat Günes, der die strittige Baugenehmigung eingereicht hat, war die Lokalbaukommission (LBK) vor Ort und hat die Bäume begutachtet. „Ich würde auch lieber keine Tiefgarage bauen. Aber ich muss für die Wohnungen je einen Stellplatznachweis auf dem Grundstück erbringen. Die LBK sagt, dass ich dafür eine Tiefgarage errichten muss.“

Für Mühlmann stimmt die gesetzliche Lage nicht: „ Es ist eine Sache der Verantwortung eines jeden Menschen gegenüber der Natur und den Nachkommen, sich um Baumbestand zu kümmern.“

Zumindest von der Bürgerversammlung wurde ihr Plädoyer auf Verschärfung des Baumschutzes nicht nur mit Applaus, sondern auch mit einer Mehrheit bestätigt. Der Prozess gegen die Stadt steht noch aus.

Sophia Oberhuber

Kindertreff überlastet

In der Freizeitstätte Trafixx an der Baierbrunner Straße treffen sich täglich rund 40 Kinder.

Im Oktober 2016 zog die Kinder- und Jugendfreizeitstätte Trafixx in die Baierbrunner Straße. Dort sollte ein vielfältiges Programm für Kinder angeboten werden. Das scheitert bislang aber am Personalmangel.

„Wir kommen insgesamt auf etwa zehn Bereiche in und um das Haus, welche zeitgleich bespielt werden. Die Betreuung von Kindern an derart vielen Plätzen ist eine enorme Herausforderung bei nur drei Vollzeitstellen“, klagt Jakob Steenbock, der Leiter des Jugendtreffs. Zudem sei man in der Planung der Öffnungstage mit knapp bemessenem Personal wenig flexibel.

Das bemängelt auch Auguste Stolz, die bei der Bürgerversammlung spricht: „In den Ferien ist oft geschlossen und die Mitarbeiter sind damit beschäftigt, die vielen Kinder zu betreuen.“ Darunter leide die Vielfalt des Angebots. „Bisher können wir das Potential der Einrichtung nicht ausschöpfen“, meint auch Steenbock.

Das Trafixx hat beim Jugendamt einen Antrag auf Stellenausweitung gestellt. Bis dahin versucht sich das Zentrum mit ehrenamtlichen Mitarbeitern über Wasser zu halten.

Sophia Oberhuber

Mehr Grün für den Süden

Wird das Gelände des Siemens-Sportparks Teil des  „Landschaftsschutzpark Isar-Solln“?

Für seinen Antrag im Namen der Senioreninitiative Ü60 erhielt Wilfried Buchsteiner bei der Bürgerversammlung tosenden Applaus: Er fordert, das Gebiet südlich der Siemensallee und westlich der Wolfratshauser Straße zusammen mit dem Siemens-Sportpark und dem bereits bestehenden Schutzgebiet an der Isar zu einem „Landschaftsschutzpark Isar-Solln“ zu entwickeln. 

„Wir wollen eine geschlossene Grünfläche.“ Als Ausgleich zu den stark verdichteten Wohngebieten solle dort ein ökologisch wertvolles Naherholungsgebiet entstehen. Mit diesem Anliegen ist Buchsteiner nicht alleine: Auch ein anderer Anwohner beantragte, dass der Stadtrat das seit zwölf Jahren geplante Landschaftsschutzgebiet nun endlich einfordert. 

Sowohl dieser Antrag, als auch der von Buchsteiner wurden mit einer großen Mehrheit angenommen.

Sophia Oberhuber

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