Großmarkthalle: Bezirksausschuss und Anwohner zeigen sich besorgt

„Das ist ein Schlag in die Sendlinger Kultur“

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Bis zum Neubau läuft der Großmarktbetrieb in den alten Hallen in Sendling weiter.

Sendling – „Die Markthallen brauchen sich nicht mehr so nennen. Sie sind mit dem Projekt weg“ – Geht es um die privaten Pläne der Großmarkthalle, finden die Betroffenen teils drastische Worte

Seit Jahren wird geplant, diskutiert und immer wieder umentschieden. Jetzt ist aber sicher: Die Großmarkthalle wird an einem Standort im Süden mit Zufahrt von der Schäftlarnstraße neu errichtet. Das bereitet sowohl dem Sendlinger Bezirksausschuss (BA), als auch auch den Anwohnern im Brudermühlviertel große Sorgen.

Viktorio Brnada ist von den geplanten Maßnahmen direkt betroffen.

Das neue Gebäude soll mindestens vier Etagen haben. Im Erdgeschoss finden die Umschlagshändler und Anlieferterminals Platz. Das erste und zweite Obergeschoss mit Gastronomieangeboten soll auch für die Allgemeinheit zugänglich sein. Darüber sind Büros und Wohnungen geplant. Auf einer wesentlich kleineren Fläche als bisher wird der gesamte Großmarkt gebündelt. Damit werden 14 Hektar frei, die mit rund 1500 Wohnungen bebaut werden sollen. Das Großprojekt wird von der Firma Umschlagzentrum Großmarkt München (UGM) durchgeführt – und entspricht somit dem Vorschlag der Großmarkthändler.

„Das UGM ist ein privatrechtliches Unternehmen. Die werden aus dem Erbbauvertrag rausholen, was geht“, klagt Viktorio Brnada, ein direkt betroffener Anwohner. Er bittet den BA, sich frühzeitig in das Projekt einzuklinken, um negative Auswirkungen auf die Anwohner zu lindern – wie zum Beispiel die Überfüllung der U-Bahn und die Verkehrsbelastung im Brudermühlviertel. „Ich begrüße solche Projekte ausdrücklich, aber man muss die Anwohner einbeziehen und sie nicht vor den Kopf stoßen.“

Auch BA-Vorsitzender Markus Lutz (SPD) zeigt sich bestürzt: „Die Markthallen brauchen sich nicht mehr so nennen. Sie sind mit dem Projekt weg. Wir werden die Verhandlungen mit dem Investor kritisch begleiten.“ Für das Viertel werde die Situation schwierig, stellt Anja Berger (Grüne) fest. Ernst Dill (SPD), Beauftragter des Gremiums für Denkmalschutz, findet klare Worte: „Das ist ein Schlag in die Sendlinger Kultur. Die Stadt zieht sich vollständig aus dem Betrieb und Bau der Großmarkthalle zurück. Damit endet eine 110-jährige Geschichte.“ 

Als „Durchbruch“ bezeichnet hingegen Kommunalreferentin Kristina Frank die Entscheidung: „München braucht diesen zukunftsfähigen Nutzungsmix aus Gewerbe und Wohnen. Unser Ziel ist es, den Neubau der Großmarkthalle so zügig wie möglich zu realisieren.“

Sophia Oberhuber

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