Er macht die Wiesn zünftig

Der Deko-König des Oktoberfests: Horst Heiden begutachtet die Girlanden und den Kranz im Festzelt der Jahrhundert-Wiesn. Foto: tg

Horst Heiden (63) schmückt das historische Zelt – nach altem Brauch

MÜNCHEN Horst Heiden lebt in der Vergangenheit – es ist gerade sein Beruf. Über ihm baumeln 4000 Meter grüne Girlanden, in der Mitte des Festzelts hängt ein fünf Meter breiter Kranz. Der Prachtkerl mit Jägerhut, dunkelgrüner Jacke und Zwirbelbart schaut zufrieden. So ist’s recht, so soll das Historische Festzelt auf der Jahrhundert-Wiesn aussehen. Ganz wie in der guten alten Zeit, aber mit einem modernen Touch: Girlanden und Kranz sind aus Plastik. „Damals waren sie aus Latschen“, sagt der Dekorateur (63). „Heutzutage sind die geschützt, man muss sie aus Dänemark holen. Viel zu teuer. Und zu gefährlich. Die brennen wie Zunder.“ Heiden kann sich gut erinnern, wie die Zelte einst auf der Wiesn aussahen. Wenn er spricht, blickt er mit seinen eisblauen Augen in die Luft und wedelt mit der Hand wie ein Dirigent. Dann hat er die Zelte seiner Jugend vor Augen: an Stirn- und einer Längsseite zwei Bühnen für die Kapellen und die Trachtenvereine, dahinter blaue Stoffbahnen. Unterm Festkranz ein erhöhtes Podium mit Geländer: der Tanzboden. So schmückt er das Historische Zelt auch, und hängt noch schwarz-weiße Fotos aus alten Wiesn-Zeiten an die Wände – damit es noch zünftiger wird. Hauptsache, es sieht anders aus. „Damals gab’s noch nicht diese 08/15-Dekorationen wie heute, da war jedes Zelt individuell geschmückt, mit Fahnen oder Alpenmalereien“, sagt Heiden. Schön sei das gewesen – wenn auch etwas kitschig. Er ist froh, dass er was rüberretten kann von der alten Zeit. Die Wiesn von heute, die besucht er natürlich schon, „aber es ist nicht mehr so gemütlich. Früher war’s ein Fest, heute ist es ein Event, das siehst du an den Zelten, aber auch an der Tracht. Diese Landhausmode – da stellt’s dir doch die Haare auf.“ Ein Ewiggestriger will Heiden nicht sein, aber das Brauchtum, das braucht er. Er lebt in Garmisch und geht im Oberland jagen, manchmal braust er mit seiner Harley durch die Täler. Tradition hat auch sein Geschäft: Heidens Opa gründete es vor 99 Jahren, dann übernahm der Vater, jetzt führen es Horst und sein Bruder Bernd (65) in der Albert-Roßhaupter-Straße in Sendling. Von dort aus schmücken sie Wiesn-Zelte, Hotels oder Parteitage der CSU. Vielleicht übernehmen die Kinder eines Tages den Laden. Den Deko-König würd’s freuen – der Tradition wegen. Thomas Gautier

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