BA will Mieter schützen und fordert Stadt zum Kauf auf

Erneuter Verkauf der Industria-Wohnanlage: Sorge um 500 Wohnungen

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Hallo berichtete im Frühjahr 2017 vom Kampf der Anwohner gegen die Nachverdichtung des Areals südlich des Harras – nun scheint dieser hinfällig, denn die Anlage wurde erneut verkauft.

Sendling – „Es herrscht hier eine große Unsicherheit, viele überlegen mittlerweile endgültig auszuziehen“: Laut BA soll damit jetzt Schluss sein – Er fordert die Stadt zum Kauf auf

Die Verunsicherung bei Anwohnern der Industria-­Wohnanlage südlich des Harras nimmt kein Ende. Nachdem die Bewohner mithilfe des Bezirks­ausschusses (BA) Beschränkungen für die Nachverdichtungsvorhaben erreichen konnten, sorgen die neusten Entwicklungen erneut für Unruhe. Denn: Die Anlage wurde wieder verkauft – diesmal an einen dänischen Pensionsfonds. Auch der Sendlinger BA ist in Alarmbereitschaft: Mit einem Dringlichkeitsantrag hatten die Viertelpolitiker bereits Anfang September weitere Auskünfte über den Verkauf der insgesamt 500 Wohnungen – 300 im Bestand, 200 im Rahmen einer Nachverdichtung geplant – gefordert. Nun hat das Gremium einen weiteren Antrag verabschiedet, in dem die Stadt zum Kauf aufgefordert wird. Erklärtes Ziel: die Mieter der Anlage schützen.

Der Hintergrund: Bereits vor knapp fünf Jahren hatten die Bestandsmieter von Industria erfahren, dass auf dem knapp drei Hektar großen Areal zwischen Plinganser-, Duden- und Karwendelstraße stark verdichtet werden soll. Anfang September 2018 berichtete Margot Fürst (CSU), BA-Mitglied und selbst Anwohnerin, dass die Industria kürzlich alle Anwohner über den Verkauf informiert habe. „Es herrscht hier eine große Unsicherheit, viele überlegen mittlerweile endgültig auszuziehen“, so Fürst. Mit einem Dringlichkeitsantrag (Hallo berichtete) hat der BA von der Stadt neben Auskünften auch die Zusicherung darüber gefordert, dass alle bisherigen Absprachen und Zusagen auch unter neuer Eigentümerschaft wie besprochen umgesetzt und eingehalten werden.

In der jüngsten Sitzung hat der Bezirksausschuss auf Initiative der SPD-Fraktion erneut einen Antrag verabschiedet. Darin wird die Stadt aufgefordert, „das Vorkaufsrecht für die Wohnanlage auszuüben“ und „die dort wohnenden Sendlinger vor weiterer Vertreibung und Verteuerung zu schützen“. Und: Die Wohnungen sollen an eine städtische Wohnungsgenossenschaft oder Wohnungsgesellschaft übertragen werden. Die Stadt scheint einer Rettungsaktion nicht abgeneigt: „Auch die CSU-Stadtratsfraktion hat einen entsprechenden Stadtratsantrag gestellt und gefordert, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Mieter zu schützen“, erklärt Birgit Unterhuber vom Kommunalreferat. Das Areal befindet sich in einem Erhaltungssatzungsgebiet, in dem die Stadt Vorkaufsrecht hat. Doch da es sich nicht ausschließlich um Bestandsgebäude handelt, sondern auch um 200 neue Wohnungen, müssten nun die Möglichkeiten der Stadt von Kommunal- und Planungsreferat geprüft werden. „Die Frist dazu läuft bis Mitte Dezember, dann muss der Stadtrat befasst werden.“ Für die Mieter bleibt vorerst nur die Unsicherheit.

Vanessa Hahn

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