„Seit vergangenem Jahr sehe ich, wie es hier Firmen zerlegt“

Coronafolgen in Obersendling: Aus für kleine Läden & Restaurants 

Ladenbesitzerin Marina Flemming-Schreiner vor ihrem Laden „kleines Kaufhaus“ in Obersenlding.
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Ladenbesitzerin Marina Flemming-Schreiner schließt ihr „Kleines Kaufhaus“, das sie über 24 Jahre in Obersendling führte.
  • VonTheresa Reich
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Online-Shopping, Homeoffice, Schulschließungen und Discounter bedrohen kleine Läden. Wie die Corona-Krise in Obersendling ein Viertel umstrukturiert

Obersendling - Das kleine Kaufhaus, Baierbrunner Straße 1, hat fast ein Vierteljahrhundert Schüler, Anwohner und Büromitarbeiter mit Schreibartikeln, Lebensmittel und Zeitungen versorgt. Doch ab dem 1. Oktober ist der Kiosk von Martina Flemming-Schreiner nach 24 Jahren Geschichte.

Die Finanzen der Obersendlingerin sehen dürftig aus: „Mein Laden macht fast keinen Umsatz mehr. Die umliegenden Schulen waren lange geschlossen. Die Menschen sind im Homeoffice und machen Online-Shopping“. In den 90er- und 2000er-Jahren lief das kleine Kaufhaus, dank Siemens und der Siemenswerke, noch gut. „Seit vergangenem Jahr im Dezember sehe ich, wie es in der Umgebung die Firmen zerlegt, wie Unternehmen wegziehen. Seit dem Lockdown kommen kaum noch Kunden“, bemerkt die 62-Jährige.

Folgen des Coronavirus: Ladensterben durch Online-Shopping, Homeoffice und Schulschließungen

Auch andere Betriebe in der Baierbrunner Straße leiden unter der Umstrukturierung des Viertels. Zwei italienische Restaurants haben nur noch abends geöffnet, da sich der Mittagstisch nicht mehr lohnt. Um ihren griechischen Imbiss zu erhalten hat Inhaberin Alki Tigka ihre Lebensversicherung gekündigt. „Wir mussten uns neu erfinden: vom Imbiss zum Lebensmittelladen.“

Alki Tigka führt einen griechischen Familienbetrieb in Obersendling.

Frank-Ulrich John vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband (BHG) weiß, „Läden, die schon vor der Pandemie keine Rücklagen bilden konnten, mussten bereits schließen oder kämpfen ums Überleben.“ Konkrete Statistiken gebe es zwar nicht, dafür seien die Läden zu klein.

Häufig seien Familienbetriebe aber resistenter, weil sie sich keine Löhne auszahlen, sondern alles ins Geschäft investieren. Auch BA-Chef Ludwig Weidinger beobachtet besorgt das Ladensterben. „Die Situation für Gaststättenbetriebe ist schwierig. Wir können und dürfen aber keine finanzielle Unterstützung leisten.“ Einfluss zu nehmen, sei kaum möglich.

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