Gebäude in Gefahr

Alarm in der Wackersberger Straße 37: Luxussanierung soll verhindert werden

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Entmieten, abreißen, luxussanieren – das will der BA in der Wackersberger Straße 37 verhindern.

„Ohne Ankündigung sind die Bagger angerollt" - Damit dem Wohnhaus in der Wackersberger Straße 37 nicht das gleiche Schicksal droht, wollen sich Bürger und BA jetzt Gehör verschaffen

„Den Mieterschutz ernst nehmen“ und „die Wackersberger Straße 37 schützen“ – das fordert der Sendlinger Bezirksausschuss (BA) nun in einem entsprechenden Antrag an die Stadt. Der Hintergrund: Ein privater Investor möchte das Gebäude sanieren, die Bestandsmieter – „mit Akademikern, Arbeitern und Migranten ein Querschnitt der Sendlinger Bevölkerung“ – hätten bereits Kündigungen auf dem Tisch. „Wir müssen die Mieter schützen und eine Luxussanierung verhindern“, sagt Philip Fickel (SPD), Initiator des Antrags und seit 2015 Mieterbeirat in Sendlinger BA.

Das Gremium befürworte zwar grundsätzlich den Bau neuer Wohnungen, so die Begründung des Antrags, jedoch nicht den Bau von Luxuswohnungen, die sich ein Großteil der (Sendlinger) Bürger nicht mehr leisten könnten – noch dazu auf einem der letzten noch nicht vollständig bebauten Grundstücke im Viertel.

Mit dem Antrag, den die Viertelpolitiker nun einstimmig verabschiedet haben, wollen sie an die Stadt appellieren, sich stärker für Mieterrechte einzusetzen und private Investoren in die Schranken zu weisen. Mit Verweis auf das Erhaltungssatzungsgebiet schlug Andreas Lorenz (CSU) außerdem eine Ergänzung vor: Die Stadt solle das Haus, im Sinne des Vorkaufsrechts proaktiv kaufen, um Schlimmeres zu verhindern.

„Es ist eine Unmöglichkeit, ein Haus im Herzen des Viertels mit bezahlbaren Wohnungen abzureißen und einen luxuriösen Neubau zu errichten, in dem Mieter künftig 24 Euro pro Quadratmeter bezahlen“, so Lorenz. „Der Lokalbaukommission liegt ein Antrag vor“, bestätigt Ingo Trömer, Pressesprecher des Baureferats. Dieser sei allerdings noch „ganz frisch“, eingereicht am 22. Mai und daher auch noch nicht geprüft. Inhalt: Neubau eines Mehrfamilienhauses inklusive Tiefgarage.

Bei Münchens erstem Mieterstammtisch soll es für Mieter der Wackersbergerstraße 37 und andere Betroffene bald ein gemeinsames Forum geben. Organisiert wird es unter anderem von Tilmann Schaich – dessen Zuhause in der Thalkirchner Straße 80 gerade zum „Palais Südfriedhof“ luxussaniert wird. vha

Gegen Gentrifizierung: Er will den Mietern Gehör verschaffen

„Ohne Ankündigung sind die Bagger angerollt, haben unseren Hinterhof aufgegraben – nicht einmal Anrufe bei Polizei und diversen Ämtern konnten auf die Schnelle helfen“, erzählt Tilman Schaich. Er ist Mieter in der Thalkirchner Straße 80 und versucht, sich gegen die Luxussanierung des Gebäudes zu wehren. „Wir haben unbefristete Mietverträge, das ist gut“, sagt er. Doch: „Mit einem neuen Eigentümer drohen horrende Mieterhöhungen.“ Bestandsmieter könnten oder wollten sich das dann nicht mehr leisten – und die ungewisse Zukunft sei täglich eine Belastung. 

Mietern, mit ähnlichen Erfahrungen will der Isarvorstädter nun eine gemeinsame Plattform bieten: Gemeinsam mit Mietern der Oberländerstraße 5 (saniert als „Stadtpalast Sendling“) und der Fraunhofer Straße 13 hat er den „1. Münchner Mieterstammtisch“ ins Leben gerufen, der ab sofort alle zwei Monate (immer am ersten Dienstag des Monats) in der Kneipe „Frisches Bier“, Thalkirchner Straße 53, stattfinden soll. Vorerst: „Bei zu großem Ansturm müssen wir dann eventuell in andere, größere Räumlichkeiten umsiedeln“, sagt Schaich.

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