Sein Leben ist ein langer reißender Fluss

Nach 30 Jahren geht Isar-Wächter Josef Gabereder in Ruhestand

München 30 Jahre lang hat Josef Gabereder (Foto) den selben Job gemacht – und doch war kein Tag wie der andere. Weil hier alles fließt. „Die Isar hat viele Gesichter“, sagt der 65-Jährige. Jetzt geht der Flussmeister der Stadt in den Ruhestand – und nimmt die Erinnerungen an spannende Einsätze am reißenden Fluss mit. Fast täglich spaziert der gebürtige Haidhauser an eines seiner Lieblingsplatzerl, das Oberföhringer Wehr (siehe unten). Er hat es nicht weit von der Flussmeisterstelle an der Ifflandstraße. „Das Wehr vereint alles, was die Isar zu bieten hat: Auf der einen Seite der ruhige Stausee mit Blick auf das Nationalmuseum, auf der anderen Seite der zweckmäßige Kanal – und Richtung Norden die wilde Isar.“ 1982 nahm Josef Gabereder die Stelle als Flussmeister in München an und wurde Wächter von über 150 Flusskilometern. Die Isar ins Herz geschlossen hat er schon viel früher: Als Kind errichtete er Steinbauten im Wasser und freute sich, wenn seine Hindernisse das Wasser verdrängten. Nach diesen ersten Gehversuchen häufte er über die Jahre hinweg einen reichen Schatz an Erfahrungen – vom technischen Wissen bis hin zum Einfühlungsvermögen für besorgte Gewässeranlieger. So rief ihn vor Jahren ein Tierparkmitarbeiter aufgeregt an und meldete: Aus dem Deich sickert Wasser! Doch Gabereder konnte sofort Entwarnung geben: „Es war klares Wasser, und das ist gut. Nur braunes wäre schlecht gewesen“, weiß er. Denn das hätte bedeutet, dass Material aus dem Deich herausgeschwemmt wurde – dann bestehe Bruchgefahr. Im Gedächtnis geblieben ist dem Isar-Wächter auch das August-Hochwasser von 2005: „Die Isar führte 1000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde mit sich. Das war schon brenzlig“, sagt er. Zum Vergleich: Normal sind es rund 200 Kubikmeter. In 30 Jahren hat Gabereder unzählige Gesichter der Isar kennengelernt. Er blickt vom „Schloss Loire“, wie er das Oberföhringer Wehr respektvoll nennt, Richtung Norden und sagt: „Jedes Hochwasser verschiebt die Kiesinseln im Wasser, die Strömungen ändern sich ständig und versorgen damit die Gewässerlebewesen mit Sauerstoff.“ Die Isar ist ein langer, reißender Fluss – und für Josef Gabereder ein ganz „eigenwilliger Architekt“, der vorgibt, wie die Menschen bauen müssen. Als Flussmeister hat er diese Anweisungen stets befolgt. das

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