Sein Haus ist seine Burg

Der Chef der Archäologischen Staatssammlung, Professor Dr. Ludwig Wamser, wohnt im Grünwalder Schloss

Grünwald Wer will schon in eine Villa, wenn er in einem Schloss leben kann? Der leitende Direktor der Archäologischen Staatssammlung, Professor Dr. Ludwig Wamser, und seine Frau Ute haben die Chance sofort ergriffen, als Staatsintendant August Everding 1993 aus der Grünwalder Burg auszog, und den Privatbereich vom Freistaat gemietet. „Wir sind verliebt in dieses alte Gemäuer“, sagt Wamser, „und gleichzeitig haben wir es als Chance gesehen.“ Schließlich ist Frau Ute Historikerin, befasst sich intensiv mit der Geschichte der Burg, während er als Archäologe die Bausubstanz und bauliche Entwicklung untersucht. Da ergänzt es sich hervorragend, dass die Burg seit 1979 zur Archäologischen Staatssammlung gehört und diese dort eines ihrer Dutzend Zweigmuseen untergebracht hat. „Wir rekonstruieren gerade das ursprüngliche Bild der Burg, wie sie 1250 aussah, und machen ein Modell“, so Wamser, der noch andere Pläne für das beliebte Burgmuseum hat, in das jährlich bis zu 45 000 Besucher kommen. Bis jetzt sind Funde aus der Vor- und Frühgeschichte Grünwalds und Sonderausstellungen in den Räumlichkeiten untergebracht. „Aber wir wollen das Thema Mittelalter ausbauen, die Lebensverhältnisse von Adel und Bürgertum“, erklärt Wamser. „Wir haben viele Exponate mit überregionalen Bezug, die atmosphärisch und zeitlich besser hierher passen als in unsere Dauerausstellung in München, Lerchenfeldstraße.“ Außerdem schreibt Wamser einen neuen Führer für das Museum, das 2009 sein 30-jähriges Jubiläum feiert – und für die Burg, die schon Karl Valentin in „Die alten Rittersleut“ verewigte. „Das Lied hört man im Sommer jedes Wochenende, wenn die Floßfahrten hier vorbeigehen“, freut sich Ute Wamser. Sie und ihr Mann wollen, dass die Allgemeinheit öfter Anlass hat, die Burg – die einzig noch erhaltene Anlage aus der Gotik südlich von München – zu besuchen (siehe Kasten). Die größte Aufgabe sei jedoch, das Gebäude zu erhalten: „Die Brücke muss erneuert werden und der Nordturm – dafür ist zwar das Staatliche Hochbauamt zuständig, aber auch in unseren Privaträumen fällt ständig etwas an“, sagt Wamser. Das nehmen die beiden aber gerne in Kauf: „Wir freuen uns an dieser spannenden Umgebung und an der unbezahlbaren Aussicht – überall sind Fenster“, schwärmt Ute Wamser. Da fühlen sich nicht nur die Wamsers wohl: „Wir leben hier mit Siebenschläfern, Eulen, Mardern und unserer Hauskatze.“ Maren Heußler Italienische Nächte und Burgfest im Innenhof „Wir wollen die Burg allen Bürgern zugänglich machen“, so die Wamsers. Gemeinsam mit dem Kulturreferat Grünwald haben sie die italienischen Sommernächte im Innenhof der Grünwalder Burg – Open-Air-Konzerte mit festlicher Beleuchtung und Buffet – ins Leben gerufen. Dieses Jahr findet die Veranstaltung am Donnerstag, 17. Juli, statt. Die Gruppe „Mudestra“ spielt klassische neapolitanische Volksmusik. Nach dem Konzert wird ein dreigängiges italienisches Buffet im beleuchteten Burginnenhof serviert. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr. Karten gibt es bei der Buchhandlung Horn (Tel: 641 04 71) oder im Kulturreferat (Tel: 641 62-130). Am Wochenende, 26./27. Juli, gibt es noch eine Chance für einen Blick in die Burg. Beim Grünwalder Burgfest öffnen sich die Tore samstags um 16 Uhr, ab 18 Uhr gibt es Ochs am Spieß. Der Sonntag, 27. Juli, beginnt um 10.30 Uhr mit einem Festgottesdienst in St. Peter und Paul. Um 15 Uhr gibt es einen kleinen Festzug vom Grünwalder Marktplatz zur Burg, anschließend wird das Burgfest von dem Blasorchester und der Jugendblaskapelle eröffnet. Der Eintritt ist frei.

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