Rinecker Proton Therapy Center macht zu

Petition für Krebs-Klinik gestartet

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Roland Richter, Gudrun Münch, Christina Lechner und Thanasis Bagatzounis (v.li.) vor dem RPTC

Insolvenz: Jetzt kämpfen Ärzte und Patienten gegen das Aus des Rinecker Proton Therapy Centers in Sendling

Seit zehn Jahren gibt es das Rinecker Proton Therapy Center (RPTC) – damals das erste Protonen-Bestrahlungszentrum Europas. Am 17. Dezember werden die 60 Ärzte und Mitarbeiter wohl das letzte Mal an die Schäftlarnstraße kommen, um Krebspatienten zu behandeln. Das Klinikum ist insolvent. Trotzdem kämpfen jetzt Ärzte gegen das Aus des RPTC – mit einer Online-Petition.

RPTC München: Spezielle Therapie

„Die vorhandenen fünf Protonen-Zentren in Deutschland reichen nicht aus, um den Bedarf zu decken“, klagt Oberarzt Thanasis Bagatzounis. In der Krebstherapie unterscheide man zwischen der konventionellen Bestrahlung durch Röntgen und Bestrahlung durch Protonen. Zweitere könne man bei schwierigen Tumoren punktuell einsetzen und so die Tumore eventuell heilen, so Bagatzounis. Diese Krebs-Therapie wird am RPTC praktiziert.

RPTC München hat laut Insolvenzverwalter rote Zahlen geschrieben

Die meisten Patienten seien laut Bagatzounis 2018 verzeichnet worden: Etwa 570 Menschen ließen sich in diesem Jahr im RPTC behandeln. Das reichte aber nicht: „Es konnten nie die avisierten Patientenzahlen verzeichnet werden. Das RPTC hat deshalb zu keiner Zeit kostendeckend arbeiten können und jährlich hohe Verluste erwirtschaftet“, heißt es in der Pressemitteilung des Insolvenzverwalters Michael Jaffé. Ob und in welcher Form die Immobilie nun verwertet werde, ist laut Jaffés Petition für Krebs-Klinik gestartet Sprecher, Sebastian Brunner, noch völlig offen. Für Bagatzounis steht der Grund für die Insolvenz fest: „Ärzte wollen Patienten nicht überweisen oder wissen nichts von der Methode.“

RPTC München: Bis zu 80 Prozent Kassenpatienten

So auch bei Christina Lechner. Nachdem bei der Sendlingerin Enddarmkrebs diagnostiziert wurde, erfuhr sie über Eigenrecherche vom Klinikum. „Ohne das RPTC wüsste ich nicht, wo ich heute wäre.“ Ihre Krankenkasse wollte die Kosten nicht übernehmen. Sie wechselte, denn einige Versicherungen bezahlen die Protonen-Therapie. „Wir könnten natürlich überleben, wenn wir nur arabische Patienten behandeln und pro Therapie 100 000 Euro verlangen würden“, sagt Ronald Richter, ärztlicher Leiter. Stattdessen seien bis zu 80 Prozent der Behandelten Kassenpatienten – wie Lechner, die heute gesund ist.

 Bagatzounis sieht die Politik in der Pflicht: „Es kann doch nicht sein, dass München und Bayern auf so etwas verzichten wollen.“ Man könne das RPTC zum Beispiel in eine andere Klinik integrieren oder die Stadt könne finanziell aushelfen. OB Dieter Reiter (SPD) stellt aber klar, dass „die Stadt finanziell nicht helfen darf.“ In diesem Fall müsse der Staat oder der Freistaat einspringen.

Sophia Oberhuber

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