Röhre frei an der Theresienhöhe!

Bürger und Viertelpolitiker fordern Öffnung von Radl- und Fußgängerunterführung

Sendling/Schwanthalerhöhe/Isarvorstadt Kopfschüttelnd rüttelt Bruno Mayer am Eisengitter. „Das zerstört die großen Wegebeziehungen in München“, schimpft der Sendlinger. Grund seines Ärgers: Die Fußgänger- und Radlunterführung unter der Straße Theresienhöhe ist seit Jahren dicht. Nach dem Messeumzug wurde die Unterführung, die parallel zur Hans-Fischer-Straße verläuft, zugeschüttet – und damit eine autofreie Verbindung für die Bewohner im Münchner Südwesten vernichtet. Vor allem zu Lasten der Kinder: „An der Poccistraße ist ja auch gleich die Stielerschule. Grundschüler, die auf dem ehemaligen Messeglände wohnen, bräuchten nicht mehr die gefährliche Kreuzung an der Theresienhöhe zu überqueren, sondern könnten die Unterführung nehmen“, erklärt Anwohner Philip Fickel. Bei dem 20-Jährigen stößt die Situation auf Unverständnis: „Man müsste nichts Neues bauen – die Unterführung ist ja schon vorhanden“, sagt er. Um die unterirdische Verbindung vom alten Messegelände zur Wiesn endlich herzustellen, machen nun die betroffenen Bezirksausschüsse (BA) gemeinsam Druck: Nachdem der BA 2 (Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt) und der BA 8 (Westend/ Schwanthalerhöhe) schon im Sommer an die Stadt geschrieben hatten, hat jetzt die SPD-Fraktion im Sendlinger Ausschuss einen Antrag eingereicht. „Fassungslos“ stehe man vor „der Ignoranz“, den Bürgerwunsch einfach zu übergehen, schreibt darin Ernst Dill, Fraktionsspecher der SPD. So sei die Unterführung bei einer Bürgerbeteiligung zur Nachnutzung des Messegeländes immer als unverzichtbar bezeichnet worden. Doch das Anliegen der Bürger musste einem großen Bauprojekt weichen, kritisiert Bruno Mayer: „Die Unterführung wurde zugeschüttet, um hier Bürogebäude hochzuziehen – eine komplette Fehlplanung“, schimpft er. Denn die Gebäude stünden zu nah an der Straße, was eine Öffnung der Unterführung erschwere. Über Profitgier und unüberlegtes Handeln klagt auch Ludwig Wörner, Vorsitzender des Bezirksausschusses Westend/Schwanthalerhöhe: „Hier wurden Grund und Boden ohne Rücksicht auf Verluste verkauft“, moniert er. Seine Forderung: „Jetzt muss das Referat, das das verbrochen hat, wieder dafür sorgen, dass die Unterführung geöffnet werden kann.“ Das Baureferat zeigt sich kooperativ: „Wir haben positiv auf die Anträge der Bezirksausschüsse reagiert“, sagt Pressesprecher Jürgen Marek. So soll die Unterführung auf der Westseite mit einer Treppe und einer Schieberampe für Radfahrer und Kinderwagen ausgestattet werden. „Seit zwei Jahren gibt es Abstimmungsgespräche mit den Investoren. Die Planungen laufen“, versichert Marek. Verzögerungen hätten sich aufgrund eines Eigentümerwechsels ergeben, der zu einem Baustopp geführt habe. Bei den Planungen zur Gestaltung sei außerdem ein Wettbewerb mit Bürgebeteiligung vorgesehen, so der Pressesprecher. Bruno Mayer bleibt skeptisch: „Fakt ist, das Gitter ist da.“ Zu lange hätten alle drei Bezirksausschüsse die Unterführung als „Niemandsland“ behandelt. Dennoch ist er froh, dass endlich Schwung in die Sache kommt. Schließlich gehe es um eine stadtviertelübergreifende Wegebeziehung. Nicht nur Bruno Mayer wäre froh, wenn er bald durch die geöffnete Röhre radeln könnte. Daniela Schmitt

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