Hilfe beim Wiedereinstieg in den Beruf

Rückkehr in den Job: Comeback einer Hausfrau

RAW München
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Bei einer Beratung: Projektkoordinatorin Alexandra Eichner (r.) unterstützt eine Klientin

Isarvorstadt - Einmal Hausfrau – immer Hausfrau? Wer länger nicht gearbeitet hat, tut sich bei der Rückkehr in den Job schwer. Das muss nicht sein, wie ein Projekt beweist.

Estelle Lauvergne hat den Wiedereinstieg in den Job geschafft – aber nicht allein. Vier Jahre lang blieb sie für die Kinder Ninon (l.), Adam (r.) und Timothée daheim.

Estelle Lauvergne ist hochqualifiziert: Die Französin spricht fließend Englisch und Deutsch, hat ein Examen in Jura, einen Bachelor in Betriebswirtschaftslehre, einen Master, 15 Jahre Berufserfahrung und war lange als Führungskraft tätig.

Nebenbei hat sie drei Kinder auf die Welt gebracht. Doch nach vier Jahren Pause im Beruf – uninteressant für den Arbeitsmarkt. Und das mit 41 Jahren. Dabei war es das erste Mal in ihrem Leben, dass sie nach dem Umzug von Paris nach München vier Jahre lang zuhause blieb. „Ich wollte Deutsch lernen und mich um die Kinder kümmern“, erzählt sie. Als sich ihre drei Sprösslinge in dem fremden Land eingelebt hatten, größer wurden und Alltag einkehrte, wollte Lauvergne indes unbedingt wieder arbeiten.

Obwohl die Powerfrau einen echten Musterlebenslauf hat mit beruflichen Aufenthalten im Ausland und Personalverantwortung, suchte sie vergeblich. Absage folgte auf Absage. Einmal wollte der Arbeitgeber lieber jemanden, dessen Muttersprache Deutsch ist. Ein andermal wollten sie einfach jemand anderen. Und wieder ein andermal lehnte man sie ab, weil sie zu qualifiziert sei. „Das hat mich frustriert“, erzählt die 41-Jährige. „Ich wollte so gerne arbeiten.“ Auf Dauer allein zuhause und sich um den Haushalt zu kümmern – das war einfach nichts für die kommunikative Französin.

Also begann sie bei der Schlauschule, einer Bildungseinrichtung für Flüchtlinge und Kinder mit fremdländischen Wurzeln, ehrenamtlich Englisch zu unterrichten. Dort lernte sie Frauen in ähnlicher Situation kennen. Und landete über diese schließlich bei Power M (siehe Interview S. 7), einem Projekt des Referats für Arbeit und Wirtschaft, das Frauen zurück in den Beruf helfen soll.

„Auf einmal hatte ich wieder fixe Termine für Bewerbungen“, erzählt Lauvergne. Immer, wenn sie vorher versucht hatte, zuhause eine Bewerbung zu schreiben, kam etwas dazwischen: Das Telefon klingelte, die Wäsche war fertig, der Sohn brauchte Hilfe bei den Hausaufgaben. Und und und. Doch plötzlich musste sie jede Woche vorweisen, was sie erreicht hat. Dabei setzte sie nicht nur ihre Prioritäten wieder neu, sondern lernte in Kursen und Workshops herauszufinden, was sie eigentlich will, wie man Bewerbungen schreibt und wie man mit dem Arbeitgeber Verhandlungen führt.

Und siehe da: Aus ihrer ehrenamtlichen Stelle bei der Schlauschule wurde eine bezahlte Teilzeitstelle – heute, ein Jahr später, leitet sie sogar einen Fachbereich, und zwar jenen, der Migranten beim Übergang von der Schule in den Beruf unterstützen soll.

„Das gefällt mir sehr gut, auch wenn ich inhaltlich jetzt etwas anderes mache als früher“, sagt Lauvergne. „Mir hat die Arbeit zuhause gefehlt.“ Für sie steht fest: Mit ein wenig Organisation lassen sich Familie und Beruf ideal vereinbaren. Und das Beste: „Es bleibt sogar noch Zeit für mich.“

Das sagt die Expertin

Alexandra Eichner (42, Foto), ist Beraterin und Projektkoordinatorin bei Power M. Im Interview erklärt sie, mit welchen Problemen Frauen zu kämpfen haben.

Frau Eichner, seit kurzem unterstützt das Projekt Power M auch Frauen bei der Rückkehr in den Beruf, die jemand pflegen mussten. Bleiben deswegen heute mehr Frauen daheim?

Die Menschen werden immer älter. Oft müssen ihre Kinder, die Mitte 40 oder älter sind, sie pflegen – eine Doppelbelastung. Die Regierung sieht hier Hilfsbedarf, auch um Fachkräfte zu akquirieren. Deswegen erweitern wir unser Angebot.

Was lernen Betroffene?

Wie sie arbeiten und trotzdem Verwandte pflegen können. Wir gehen das Thema aus verschiedenen Aspekten an. Mit einer Psychologin können sie die Rolle des Pflegenden klären, mit einer Anwältin rechtliche Themen und so weiter.

Wie viele Teilnehmer bleiben wegen Pflege daheim?

Höchstens zehn Prozent. Das Power M richtet sich auch an Männer, aber sie machen maximal ein Prozent aus.

Woran liegt das?

Am klassischen Rollenbild, das es noch gibt: Die Frau bleibt daheim, der Mann arbeitet.

Frauen verdienen oft weniger...

Vor der Geburt verdienen Akademiker oft ähnlich. Dann bleibt die Frau daheim. Und aus ist ihre Karriere. Im Schnitt bleiben Frauen acht Jahre zuhause, diese Zahl ist in den vergangenen Jahren gesunken.

In skandinavischen Ländern bleiben oft Männer daheim – warum bei uns nicht?

Dort sind die Voraussetzungen anders. Auf unserem Arbeitsmarkt tut sich erst langsam etwas. Nicht nur der Arbeitgeber muss umdenken, auch die Frau – sie sollte sich nicht jahrelang allein um die Familie kümmern, da kann der Mann mithelfen.

Allerdings haben es junge Mütter auf dem Arbeitsmarkt auch schwerer als Männer ...

Natürlich schaut jedes Unternehmen erst auf sich: dass es Umsätze macht, dass Leistung gebracht wird. Dabei gibt es viele tolle Modelle für Eltern. In Dänemark arbeiten die Menschen ohnehin nur 32 Stunden – etliche Studien belegen, dass die Produktivität so höher ist. Arbeitgeber hier müssten flexibler werden.

Weitere Informationen zu dem Projekt

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