Neues Nachbarschaftsprojekt: So helfen Junge Alten

Regelmäßig Zeit spenden – wie Studenten Senioren im Schlachthofviertel vor der Einsamkeit bewahren

München Adelheid Thyssen schwelgt gerne in Erinnerungen. Mit ihren Geschichten könnte die 85-Jährige Bücher füllen. Aber lieber erzählt sie. Und seit einigen Monaten hat sie einen treuen Zuhörer: Uli Wein aus der Nachbarschaft stattet der Isarvorstädterin regelmäßig Besuche ab – sie erzählt dem Studenten wie es damals war, als sie Haarmodel für „Schwarzkopf“ war oder wie sie ihre erste Wohnung in München fand, „direkt an der Maximilianstraße – das war ein Glücksgriff. Sogar Boris Becker habe ich gesehen, und die Kessler-Zwillinge sind dort entlang flaniert“, erzählt sie. Uli Wein und Adelheid Thyssen haben sich über das neue Viertel-Projekt „Jung für Alt“ kennengelernt. Ziel des Projekts ist es, ältere Menschen vor der Vereinsamung zu bewahren, wie Projektleiterin Sandra Bauer erklärt (siehe auch Interview): „Gerade in München sind viele alte Menschen allein, weil die Familien nicht mehr bei ihnen wohnen. Unsere Studenten unternehmen deshalb etwas mit ihnen. Sie gehen Kaffeetrinken, ins Kino, Einkaufen oder hören einfach nur zu.“ So wie Uli. Den 33-jährigen Studenten der Sozialen Arbeit interessieren die spannenden, oftmals bewegenden Geschichten der alten Dame sehr: „Sie erzählt viel von ihrer Kindheit in Oberschlesien, was für schlimme Zeiten sie erlebt hat. Sie hat ja zwei Weltkriege durchgemacht“, sagt er. Neben ihren gemütlichen Kaffeekränzchen hilft Uli Adelheid Thyssen vor allem bei den Arztbesuchen. Da sie stark gehbehindert ist, wäre der beschwerliche Weg mit Bus und Tram allein nicht mehr machbar. „Uli hat immer Zeit. Es ist toll, jemanden zu haben, der sich um einen kümmert“, freut sich die Seniorin. Aber auch der Student profitiert von dem wöchentlichen Treffen: „Ich möchte später auch mit alten Menschen arbeiten. Das Projekt ist für mich ein toller Berufseinstieg.“ das Sozialpädagogin Sandra Bauer, Initiatorin von „Jung für Alt“, im Interview: Hallo München: Frau Bauer, was soll das Projekt leisten?“ Sandra Bauer: Es soll ältere Menschen vor Armut und Einsamkeit bewahren und jüngeren die Chance geben, sich mit sozialem Engagement ein bisschen was dazu zu verdienen. Wer ist Träger? Die private AGO-Stiftung, gemeinsam mit der Landeshauptstadt München. Welche Zielgruppe wird angesprochen? Zum einen einsame ältere Menschen, die sich etwas Gesellschaft wünschen. Zum anderen Studenten. Ein Studium im sozialen Bereich ist aber nicht unbedingt Voraussetzung. Wie hoch ist der zeitliche Aufwand? Jeder Student betreut zwei Senioren, mit denen er in der Woche jeweils drei bis vier Stunden verbringt. Wichtig ist uns: Er ist keine Haushaltshilfe, sondern ein Zeitspender. Gibt es berufliche Einstiegschancen? Die Arbeit kann in ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis übergehen. Wie kann man sich bewerben und anmelden? Infos gibt es bei allen Alten- und Service- Zentren und direkt bei mir unter der Telefonnummer 01522/155 16 70.

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