Neue Schießanlage entsetzt Anwohner

Mammut-Projekt im Forstenrieder Park – Protest gegen Schützen

Forstenried Das Wohnzimmer von Jörg Schneider platzt aus allen Nähten. Über 30 Nachbarn haben sich im Haus des Forstenrieders versammelt. Die Anwesenden starren fassunglos auf die vorliegenden Pläne: Wo heute dichter Mischwald steht, will der Schützenverein Hubertus eine neue Schießanlage hinbauen – „ein riesiges Monster, so lang wie die Allianz-Arena!“, empört sich Schneider. Das Großprojekt lässt die Herzen der Schützen höher schlagen – und bereitet den Anwohnern schlaflose Nächte: Modernste Technik auf 41 600 Quadratmetern (etwa so groß wie fünf Fußballfelder), u-förmig eingezäunt durch eine bis zu 20 Meter hohe und 300 Meter lange Mauer – „mit Schussrichtung direkt auf die Bebauung“, schimpft Carsten Hillebrandt. Seine Kinder wird er dann nicht mehr allein nach draußen lassen. „Schließlich wohnen wir nur 150 Meter von der Schießstätte entfernt“, sagt der Familienvater. „Der Umbau muss sein, um den Schießstand zu erhalten“, setzt der Vereinsvorsitzende Ludwig Obermeier den Anwohner-Klagen entgegen. Schon seit langem überschreite die bestehende Anlage am Rand des Forstenrieder Parks die Grenzwerte der Lärmschutzverordnung. Nach einer Auflage des Freistaats Bayern müssten bis 2010 gewisse Lärm- und Umweltschutzbedingungen erfüllt werden – der Wall soll den Lärm erheblich reduzieren. Tatsächlich? „Anhand der uns bisher vorliegenden Unterlagen zur geplanten Schießanlage können wir nicht abschätzen, wie die Lärmsituation in der Nachbarschaft nach dem Umbau sein wird“, teilt das städtische Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) auf Anfrage von Hallo München mit. Für die Anwohner steht fest: Unter dem Vorwand des Umweltschutzes versuche man die „massive Ausweitung“ des Schießstandes durchzusetzen. Und: Die Investition – von einer sechsstelligen Summe ist die Rede – müsse ja auch wieder refinanziert werden. „Durch Ausweitung der Schießzeiten“, wie Kritiker befürchten. In den Plänen sind Schießzeiten von täglich 8 Uhr früh bis 20 Uhr abends angegeben – aus „genehmigungsrechtlichen Gründen“, so der beauftragte Ingenieur Jürgen Voss. „Wenn sie die Genehmigung erst mal haben, werden sie auch schießen“, glauben dagegen die Anwohner. Auch Bezirksausschuss-Chef Hans Bauer hält die Pläne der Schützen für überzogen. Zwar sei die „historische Einrichtung mitten im Bannwald“ zu erhalten, aber nicht um jeden Preis: „Das Vorhaben geht weit über den Bestandsschutz hinaus“, so Bauer. Aufgrund der gewaltigen Dimensionen glaubt der Viertel-Chef nicht, dass das Projekt verwirklicht werden kann. Genehmigt ist bislang noch nichts: Der Antrag wird derzeit von der Stadt und vom Landratsamt München geprüft. Die Pläne, die den Anwohnern vorliegen, sind allerdings auf Sommer letzten Jahres datiert. „So lang laufen schon Gespräche über unseren Kopf hinweg“, empört sich BA-Mitglied Monika Reim (SPD). „Man wollte das klammheimlich machen“, glaubt auch Hans Bauer. Gründung der Bürgerinitiative ist am Donnerstag, 16. Juli, um 19 Uhr im Bürgersaal Fürstenried-Ost (Züricherstraße 35). Detaillierte Infos zum neuen Schießstand gibt es in der Sitzung des BA19 am Dienstag, 7. Juli, um 19  Uhr, Bürgersaal Fürstenried-Ost. Jörg Schneider und seine Nachbarn wollen jetzt aktiv werden: „Wir kämpfen um unsere Lebensqualität!“ Eine Bürgerinitiative soll das Mammut-Projekt verhindern. Daniela Schmit

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